Pro & Kontra
Umgang mit dem Wolf - Zwischen Naturschutz und Sorgen

Der Umgang mit dem Wolf sorgt in Deutschland für Diskussionen. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa
Der Umgang mit dem Wolf sorgt in Deutschland für Diskussionen. (Archivbild) Foto
© Christian Charisius/dpa
Er fasziniert und sorgt für Angst: der Wolf. Nun soll der Abschuss erleichtert werden. Befürworter und Gegner des Raubtieres stehen sich häufig emotional gegenüber. Beide Seiten haben Argumente.

Immer mehr Wölfe streifen durch die Wälder und fressen nicht nur Wildtiere. Nun soll der Abschuss von sogenannten Problemwölfen erleichtert werden - etwa wenn die Raubtiere Zäune überwunden und Schafe gerissen haben. Die Entscheidung des Bundestages wirft ein Schlaglicht auf ein auch in Niedersachsen heiß diskutiertes Thema. Denn während sich die einen über die Rückkehr und Verbreitung des Raubtiers freuen, sind andere in großer Sorge. Ein Überblick über die Argumente beider Seiten: 

Was spricht für den Wolf?

Der Wolf hat aus Sicht von Naturschutzverbänden mehrere positive Folgen. Demnach fördern die Raubtiere durch ihre Jagd auf große Pflanzenfresser die Verjüngung der Wälder. Denn Tiere wie Rehe und Hirsche fressen Knospen, Triebe und Rinde von jungen Bäumen. Sie beeinträchtigen damit deren Wachstum, manche Bäume sterben sogar ab. Durch ihre Jagd halten Wölfe große Schalenwildbestände so in Bewegung, dass Fressschäden an Bäumen weniger werden, wie der Verein Wildtierschutz Deutschland schreibt. 

Positiv finden Befürworter auch, dass die Raubtiere die Wildbestände auf natürliche Art regulieren. Wölfe erbeuten schwache und kranke Tiere und können so dafür sorgen, dass vor allem starke und gesunde Tiere überleben. Wenn sie krankes Wild töten, werden Infektionsketten unterbrochen. Der Wolf halte den Bestand seiner Beutetiere "gesund", schreibt die Organisation Nabu. 

Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kamen mehrere Tiere über Polen nach Deutschland zurück, Anfang der 1990er wurden die ersten Wölfe in Brandenburg entdeckt. Im Jahr 2000 bekamen Wölfe in Sachsen Nachwuchs, seitdem wurden immer mehr der scheuen und flinken Raubtiere gesichtet. Heute streifen Wölfe durch die Wälder zahlreicher Bundesländer. Naturschützer sehen die Rückkehr der Tiere als Erfolg des Artenschutzes und positive Entwicklung der Natur. Sie betonen, dass Menschen vor den scheuen Tieren keine Angst haben brauchen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz schreibt: "Der Wolf ist für den Menschen normalerweise ungefährlich." 

Was spricht gegen den Wolf?

Wölfe töten nicht nur Wild-, sondern auch Nutztiere. Am häufigsten sind Schafe und Ziegen betroffen. Die Raubtiere reißen aber auch Kälber und sogenanntes Gatterwild, etwa Hirsche in einem Gehege. Gelegentlich greifen sie auch Pferde oder Rinder an. Kleine Nutztiere auf wenig gesicherten Weiden sind für Wölfe leichte Beute im Vergleich zu Wildtieren.

Wölfe schränken damit die Weidehaltung ein - ohne speziellen Schutz können Schafe, Ziegen oder Kälber in manchen Gegenden nicht gefahrlos nachts draußen sein. Tierhalter müssen spezielle Zäune aufstellen und andere Schutzmaßnahmen ergreifen. Die Verbreitung der Wölfe bedeutet für sie mehr Arbeit, Kosten, Organisation und Unsicherheit. 

In Niedersachsen gibt es jährlich erhebliche Nutztierrisse durch Wölfe, wie die Landwirtschaftskammer schreibt. Für die betroffenen Weidetierhalter ist dies eine finanzielle und emotionale Belastung. Manche Tierhalter sorgen sich wegen des wirtschaftlichen Schadens und der Unsicherheit, ob es erneute Angriffe geben wird, um ihre Existenz. Der Anblick ihrer gerissenen Tiere ist für manche schwer aushaltbar, wie Erfahrungsberichte zeigen. 

Nach Rissen können Tierhalter eine freiwillige Ausgleichszahlung des Landes bekommen, auch eine Förderung von wolfsabweisenden Schutzzäunen und Herdenschutzhunden ist möglich. Das ist hilfreich, aber alles mit Aufwand und Bürokratie verbunden. 

Einige Menschen haben Angst vor Wölfen. Wenn diese Nutztiere angreifen, entsteht in der Region mitunter Unsicherheit. Hundebesitzer sorgen sich um ihre Vierbeiner. "Ein unbeaufsichtigter Hund läuft Gefahr, von Wölfen als "fremder Wolf" angegriffen zu werden, der in ihr Revier eindringen will", schreibt der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Hunde sollten in Wolfsgebieten deshalb stets in Rufnähe sein.

Besorgt sind Menschen auch, weil es immer wieder verhaltensauffällige Wölfe gibt. Tiere, die etwa wiederholt Nutztiere reißen, hohe Zäune überwinden oder sich Menschen auffällig nähern, werden Problemwölfe genannt. Seit dem Jahr 2016 wurden in Niedersachsen mindestens acht Wölfe per Ausnahmegenehmigung erschossen. Nach der Entscheidung des Bundestages, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, sollen Problemwölfe einfacher getötet werden können. Allerdings muss nach dem Bundestag auch noch der Bundesrat zustimmen, bevor die Neuregelung in Kraft treten kann.

dpa

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