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stern-Umfrage Advent, Advent, kein Lichtlein brennt? Wie die Weihnachtsmärkte mit der Energiekrise umgehen

Weihnachtsmarkt in Stuttgart
Der Weihnachtsmarkt in Stuttgart schimmert in goldenem Licht
© Arnulf Hettrich / Imago Images
Weihnachtsmärkte und Energie sparen – das passt eigentlich nicht zusammen. Aber wie gehen die Märkte mit den explodierenden Stromkosten um? Und was bedeutet das für den Glühwein? Der stern hat in verschiedenen Städten nachgefragt.

Die Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden aus ästhetischen Gründen ist gestrichen, Heizungen werden runtergefahren, schillernde Werbeschilder in der Nacht abgeschaltet: Deutschland bereitet sich mit vielen Maßnahmen auf einen Winter vor, in dem Gas und Strom gespart werden müssen. Gleichzeitig steht bundesweit ab Mitte November Events an, auf die sich viele Menschen freuen – auch weil sie in einigen Bundesländern in den vergangenen beiden Jahren ausgefallen waren: die Weihnachtsmärkte. Mit ihren bunten Beleuchtungen stehen sie nicht unbedingt für das Vorhaben des Wirtschaftsministeriums, verstärkt Strom zu sparen. Wie planen Gemeinden und Veranstalter die Märkte in diesem Jahr? Der stern hat bei den größten Märkten in Deutschland nachgefragt.

Weihnachtsmärkte finden statt – mit weniger Beleuchtung

Das vorweg: Keine der befragten Städte plant gegenwärtig, die Weihnachtsmärkte abzusagen – weder um Strom zu sparen, noch wegen einer neuen Pandemiewelle. Auch eine konkrete Vorgabe vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gibt es nicht. "Die Beleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern von außen mit Ausnahme von Sicherheits- und Notbeleuchtung ist untersagt. Ausgenommen sind kurzzeitige Beleuchtungen bei Kulturveranstaltungen und Volksfesten, wozu auch Weihnachtsmärkte zählen. Es obliegt allerdings den Kommunen, letztlich hier weitere Entscheidungen zu treffen", heißt es auf Anfrage des stern.

Die gestiegenen Energiekosten und die Energieverordnung der Bundesregierung stecken bei den Gemeinden und den Veranstaltern bereits in den Hinterköpfen. Konkrete Pläne zum Stromsparen gibt es unter anderem bereits in Stuttgart. "Wir verzichten auf die weihnachtliche Beleuchtung am Stuttgarter Rathaus und den Adventskalender an den Rathaus Fenstern", erklärt Sven Matis, Pressesprecher der Stadt. Zudem würden die Beleuchtungszeiten an den Weihnachtsbäumen in der Innenstadt reduziert. Als Beispiel nennt Matis den Schlossplatz, wo die Bäume in diesem Winter statt der rund 450 Stunden nur 240 Stunden leuchten werden.

Beleuchtung über Nacht ausschalten

Schon seit Jahren versuchen die Weihnachtsmärkte Strom zu sparen, fast überall sind sämtliche Stände bereits auf LED-Technik umgestiegen. In Dortmund wurde so beispielsweise der Verbrauch von 998.000 Kilowattstunden auf 655.000 Kilowattstunden gesenkt – was in etwa dem Jahresverbrauch von 187 Drei-Personen-Haushalten entspricht. "Wir achten darauf, ob eine Licht- oder Stromquelle von Nöten ist", versichert ein Sprecher von Arens Veranstaltungen, dem Organisator des Weihnachtsmarktes. Derzeit werde aber geprüft, ob die Deko-Elemente ab 22 Uhr abgeschaltet und der Weihnachtsmarkt eine Stunde später geöffnet werde.

Auch in Köln gibt es bereits Überlegungen, wie man trotz des Einsatzes von LED-Lampen noch weiter Energie sparen kann. "Wir planen, den großen Baum, das Lichterzelt und alle verzichtbaren Lichtquellen bis zur Eröffnung des Marktes am nächsten Morgen auszuschalten, sodass sich der Energieverbrauch an dieser Stelle halbiert", heißt es auf stern-Anfrage. Auch weitere Möglichkeiten zum Stromsparen würden geprüft. Berechne man den Stromverbrauch pro Besucher, sei dieser aber ohnehin sehr gering. Bei rund vier Millionen Besuchern des Weihnachtsmarkts am Kölner Dom liege der Verbrauch pro Besucher bei 0,043 Kilowattstunden – unter einem Prozent des täglichen Stromverbrauchs einer Person.

Lübeck plant Maßnahmenkatalog zum Strom sparen

Auch in kleineren Gemeinden sind die Möglichkeiten des Stromsparens auf den Weihnachtsmärkten ein Thema. Bereits im Juli kündigte Rendsburg, eine Kleinstadt in Schleswig-Holstein an, dass es auf dem Weihnachtsmarkt in diesem Jahr keine Eisbahn geben würde. Die Kühlaggregate der Bahn würden zu viel Strom fressen, heißt es in der Begründung. Gleiches gilt auch in Offenburg. Die Eisbahn auf dem Markt in der baden-württembergischen Stadt verbrauche jährlich zwischen 12.000 und 13.000 Kilowattstunden Strom, die die Stadt nun sparen könne, erklärte Stadtmarketingchef Stefan Schürlein in einer Mitteilung.

Diese vier Haushaltsgeräte werden über Nacht zu wahren Stromfressern

In Lübeck seien die Betreiber bereits in den vergangenen Jahren dazu angehalten worden, auf energiesparende Kühlschränke, und Heizmöglichkeiten umzusteigen. In diesem Jahr will die Stadt zudem mit den Betreibern ein Maßnahmenpaket zum weiteren Stromsparen entwickeln. Die Außengastronomie auf den Marktflächen soll dann unter anderem nicht mehr beheizt werden, lautet die schriftliche Antwort.

Kosten könnten an die Verbraucher weitergegeben werden

Wegen der steigenden Energiepreise ist es gut möglich, dass die Standbetreiber freiwillig auf energiesparende Maßnahmen setzen. Denn in keiner der 15 vom stern befragten Großstädte werden die Energiekosten der Märkte übernommen. Nur für allgemeine Lichtelemente, etwa bei der Baumbeleuchtung, kommen einige der befragten Städte auf – wie beispielsweise in Leipzig und Dresden. Die Kosten der Standbeleuchtung müssen aber die Betreiber übernehmen. Eine Sonderregelung gibt es zudem in Lübeck. Dort verzichtet die Stadt auf 50 Prozent der Standgebühren. In München und Nürnberg ist dagegen noch nicht abschließend geklärt, wer die Stromkosten übernimmt.

Was die steigenden Energiekosten für Glühwein und Co. bedeuten, lässt sich aktuell noch nicht sicher sagen. Fest steht aber: "Preissteigerungen können aufgrund gestiegener Einkaufspreise für Lebensmittel und Energie nach Angaben der Schausteller:innen für die kommenden Veranstaltungen nicht ausgeschlossen werden", erfuhr der stern etwa aus Bremen.

Der Weihnachtsmarktbesuch könnte also in diesem Jahr teurer ausfallen.

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