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Corona-Pandemie "Experimente mit unseren Kindern": Chefarzt warnt vor anstehenden Schulöffnungen

Chefarzt Michael Wünning richtet sich mit einem Appell an Jens Spahn
Chefarzt Michael Wünning ist mit den Hygiene-Konzepten an Deutschlands Schulen nicht zufrieden
© Marienkrankenhaus.org
Die Schulen öffnen wieder und viele Eltern jubeln. Michael Wünning, Chefarzt in Hamburg, zeigt sich dagegen beunruhigt über den anstehenden Schulstart – und warnt vor Experimenten zulasten der Gesundheit von Kindern. 

Der Norden hat es vorgemacht und bald folgen auch weitere Bundesländer: Nach den Sommerferien werden die Schulen in ganz Deutschland trotz der anhaltenden Corona-Pandemie wieder öffnen – Regelbetrieb lautet das Stichwort. Doch dass eben nichts "normal" ist oder der Regel folgt, zeigen zwei aktuelle Fälle aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort mussten zwei Schulen wegen Corona-Infektionen bei einer Lehrerin und einem Schüler bereits in der ersten Woche nach Unterrichts-Start schließen.

Um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, gibt es Hygiene-Konzepte, die je nach Bundesland mal mehr, mal weniger streng ausfallen. Darunter: Maskenpflicht auf den Gängen und Singen nur im Freien. Michael Wünning, Chefarzt am Hamburger Marienkrankenhaus, gehen die Vorgaben oft nicht weit genug. Die anstehenden Schulöffnungen beobachtet er deshalb mit Sorge, wie er in der aktuellen Folge des Podcasts "stern Nachgefragt" verrät.

Hier können Sie sich die Folge anhören:

In der Folge warnt er vor "Risiken" und "Ungeklärtheiten", die letztendlich zu der Gefahr einer zweiten Welle führen könnten. Deutschland könne sich aber keinen zweiten Lockdown leisten, so Wünning. Dieser würde nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Schulen treffen und zu einem noch größeren Bildungsdefizit führen.

Zu dem Thema Kinder und Corona gibt es nach Wünnings Auffassung noch viele offene Fragen. So sei die Ansteckungsgefahr, die von Kindern ausgehe, nach wie vor nicht geklärt. Vor diesem Hintergrund sieht er unter anderem Masken-Ausnahmen für Grundschüler kritisch.

Die Studienlage zu der Rolle von Kindern in der Pandemie sei "indifferent", so Wünning. Er appelliert daher, in den Schulen mehr auf den Faktor Sicherheit zu setzen und warnt vor "Experimenten" zulasten der Gesundheit von Kindern. "Wir wissen doch noch gar nicht, was Langzeitfolgen von Covid-19 sind", so Wünning.

Lehrer – eine Risikogruppe?

Irritiert zeigt er sich über den Umgang mit Lehrern, die zur Hochrisikogruppe gehören, im Vergleich zu den Maßnahmen, die in den Schulen gelten sollen. Gefährdete Lehrer können sich von der Arbeit freistellen lassen. "Also entweder sind sie (die Kinder, Anm.d.Red.) infektiös, dann müssen wir auch konsequent gucken, dass wir uns an die Klasseneinteilung und die Abstandsgebote halten und gegebenenfalls auch schon unter zehn Jahren mit Masken beschulen. Oder sie sind es nicht. Dann müssen wir aber auch nicht Lehrer als hochrisikogefährdet einstufen", so Wünning. 

In der aktuellen Folge des stern-Podcast "nachgefragt" spricht Host Florian Güßgen neben Michael Wünning mit der Berliner Schuldirektorin Miriam Pech über die Lage an ihrer Schule und die Situation in der Hauptstadt allgemein.

ikr

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