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Abstimmung im Parlament: In Großbritannien kann ein Kind drei Eltern haben

Ein Kind, zwei Mütter, ein Vater? In Großbritannien wird das wohl bald möglich sein. Das britische Parlament stimmte für diese Methode der künstlichen Befruchtung. Das Verfahren ist umstritten.

Wie geht ein Kind damit um, wenn es erfährt, dass es von zwei Müttern abstammt?

Wie geht ein Kind damit um, wenn es erfährt, dass es von zwei Müttern abstammt?

Als einziges Land der Welt hat Großbritannien am Dienstag das sogenannte Drei-Eltern-Baby erlaubt. Bei der vom Parlament mit großer Mehrheit genehmigten Methode wird bei einer befruchteten Eizelle eines Elternpaares die mitochondriale Erbsubstanz der Frau durch die einer anderen weiblichen Eizelle ersetzt.

Das so mittels künstlicher Befruchtung entstehende Kind wird die Charakteristika seiner Mutter und seines Vaters aufweisen, weil der von der fremden Frau stammende Anteil an den Erbanlagen nur gering ist: Die DNA einer Mitochondrie macht nur ein Prozent der gesamten DNA in einer menschlichen Zelle aus. Die Veränderung des Erbgutes wird aber von Generation zu Generation weitergegeben.

Ethisch umstritten

Durch die Methode soll erreicht werden, dass Gendefekte, die schwere Erbkrankheiten verursachen oder eine Geburt unmöglich machen können, nicht weitergegeben werden. Die Erlaubnis des Parlaments beschränkt sich auf Eltern, bei denen der Gendefekt nachgewiesen wurde - gegenwärtig wenige Dutzend Paare in Großbritannien. Dennoch ist die Methode hoch umstritten.

Befürworter der Methode machten deutlich, die Mitochondrien als Kraftwerke in der menschlichen Erbsubstanz - außerhalb des Zellkerns gelegen - enthielten keine charakterbildenden Erbinformationen. Das Leiden vieler Familien könne gelindert werden.

Gegner, darunter die anglikanische Kirche von England, machten ethische Bedenken geltend. Ärzte seien so in der Lage, in die Natur einzugreifen und Designerbabys zu kreieren. Außerdem werde eine Schleuse geöffnet.

Im Parlament stimmten 382 Abgeordnete dafür, 128 votierten dagegen. Die für den 23. Februar geplante Abstimmung im Oberhaus gilt als reine Formsache. Eine ähnliche Methode war in den USA bereits einmal legalisiert, 2002 aber wieder verboten worden.

lea/DPA/AFP / DPA
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