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Mensch vor Profit: Ärzte-Appell im stern schlägt hohe Wellen - auch die Politik reagiert

"Rettet die Medizin" fordern 215 Ärzte im aktuellen stern und machen sich gegen das Diktat der Ökonomie in Kliniken stark. Zahlreiche Mediziner schließen sich den Forderungen an. 

Ärzte-Appell im stern: Eine Liste zeigt eine Auswahl der Ärztinnen und Ärzte, die den Appell unterstützen

Eine Auswahl der Ärztinnen und Ärzte, die den Appell im stern unterstützen - die Namen werden unten aufgeführt

In der aktuellen stern-Titelgeschichte fordern 215 Ärzte eine grundlegende Reform des Krankenhauswesens. Hinter dem Appell "Rettet die Medizin! Gegen das Diktat der Ökonomie an unseren Krankenhäusern" steht auch ein breites Spektrum von Organisationen, darunter ärztliche Berufsverbände und Fachgesellschaften wie die  "Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin  e.V." (DGIM). Die Kritik am bestehenden System hat für eine große Medienresonanz gesorgt, unter anderem der WDR, Spiegel Online und das Ärzteblatt berichteten. Zahlreiche Mediziner schließen sich den Forderungen an. Mittlerweile hat die Diskussion auch die Politik erreicht.

Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, spricht von einem "starken Appell der Ärztinnen und Ärzte". Er zeige, dass eine Reform der Krankenhausfinanzierung überfällig sei. "Die Gesundheitsversorgung muss sich nach dem Bedarf der Patientinnen und Patienten und nicht nach betriebswirtschaftlichen Anreizen richten", erklärte Klein-Schmeink in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Bundestagsabgeordneten Kirsten Kappert-Gonther. "Die Vergütung muss sich zudem stärker als bisher nach der Qualität der Leistungen richten, finanzielle Fehlanreize müssen abgebaut werden."

Karin Maag, die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, warnte in der "Ärzte Zeitung" vor einem grundsätzlichen Wechsel des Abrechnungssystems: "Wesentlich ist nicht die Art der Abrechnung, sondern wie manche Kliniken sie missbrauchen." 

Der Ärzte-Appell im stern kritisiert finanzielle Fehlanreize, die durch das "Fallpauschalen-System" und ökonomischen Druck an Kliniken geschaffen werden. Das bestehende System gruppiert Patienten in "Fallgruppen", die pauschal vergütet werden. "Patienten rechnen sich - egal, wie krank sie  sind - in diesem System vor allem, wenn an ihnen viele "Prozeduren",  also medizinische Eingriffe jeglicher Art, durchgeführt werden", sagt stern-Autor Bernhard Albrecht. "Belohnt wird  Aktionismus vor dem so wichtigen Beobachten und Nachdenken über die beste Therapie."

"Die aktuellen Zustände schaden den Patienten"

"Der Arzt lernt, Patienten schon bei der Notaufnahme nicht nur nach dem medizinischen Bedarf zu  klassifizieren, sondern ob sie Gewinn versprechen", sagt der Medizinethiker Giovanni Maio, einer der Unterzeichner des Appells. Zu den weiteren Unterstützern gehören der Vorsitzende des Vorstandes des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, die Vorsitzende des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB), Christiane Groß, und die Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, Christiane Woopen.

Ärztinnen und Ärzte, die den Appell im stern unterstützen - viele aus der täglichen Praxis, andere in führenden Positionen in Fachgesellschaften, Ärztekammern und Verbänden   Oberste Reihe:  Mira Faßbach (Urologin, Bündnis junge Ärzte), Justus Hilpert (Anästhesist und Allgemeinarzt), Peter Hoffmann (Anästhesist, VDÄÄ), Theodor Windhorst (Ärztekammer Westfalen-Lippe), Matthias Thöns (Palliativmediziner und Buchautor), Miriam Vosloo (Gefäßchirurgin), Bernd Hontschik (Chirurg und Buchautor)  Zweitoberste Reihe:  Ingeborg Krägeloh-Mann (Kinderärztin, DGKJ), Jana Aulenkamp (Medizinstudentin, BVMD), Giovanni Maio (Medizinethiker), Ulrich Fölsch (Internist, DGIM), Christiane Groß (Ärztliche Psychotherapeutin, DÄB), Karl-Walter Jauch (Chirurg, Ärztlicher Direktor), Friederike Sixel-Döring (Neurologin)  Zweitunterste Reihe:  Christiane Woopen (Europäischer Ethikrat), Hanna Neumann (Unfallchirurgin, Mezis), Maike Manz (Frauenärztin), Jan Peter Chabiera (Medizinstudent, BVMD), Arndt Dohmen (Internist), Elsbeth Fischer* (Unfallchirurgin, Name geändert), Matthias Anthuber (Chirurg, DGCH)  Unterste Reihe:  Michael de Ridder (Internist und Autor), Karl-Heinz Wehkamp (Medizinethiker), Christiane Fischer (Deutscher Ethikrat), Achim Schneider (Gynäkologe), Günther Jonitz (Ärztekammer Berlin), Pedram Emami (Ärztekammer Hamburg), Katharina Thiede (Allgemeinärztin, Verein #twankenhaus)

Ärztinnen und Ärzte, die den Appell im stern unterstützen - viele aus der täglichen Praxis, andere in führenden Positionen in Fachgesellschaften, Ärztekammern und Verbänden 

Oberste Reihe:

Mira Faßbach (Urologin, Bündnis junge Ärzte), Justus Hilpert (Anästhesist und Allgemeinarzt), Peter Hoffmann (Anästhesist, VDÄÄ), Theodor Windhorst (Ärztekammer Westfalen-Lippe), Matthias Thöns (Palliativmediziner und Buchautor), Miriam Vosloo (Gefäßchirurgin), Bernd Hontschik (Chirurg und Buchautor)

Zweitoberste Reihe:

Ingeborg Krägeloh-Mann (Kinderärztin, DGKJ), Jana Aulenkamp (Medizinstudentin, BVMD), Giovanni Maio (Medizinethiker), Ulrich Fölsch (Internist, DGIM), Christiane Groß (Ärztliche Psychotherapeutin, DÄB), Karl-Walter Jauch (Chirurg, Ärztlicher Direktor), Friederike Sixel-Döring (Neurologin)

Zweitunterste Reihe:

Christiane Woopen (Europäischer Ethikrat), Hanna Neumann (Unfallchirurgin, Mezis), Maike Manz (Frauenärztin), Jan Peter Chabiera (Medizinstudent, BVMD), Arndt Dohmen (Internist), Elsbeth Fischer* (Unfallchirurgin, Name geändert), Matthias Anthuber (Chirurg, DGCH)

Unterste Reihe:

Michael de Ridder (Internist und Autor), Karl-Heinz Wehkamp (Medizinethiker), Christiane Fischer (Deutscher Ethikrat), Achim Schneider (Gynäkologe), Günther Jonitz (Ärztekammer Berlin), Pedram Emami (Ärztekammer Hamburg), Katharina Thiede (Allgemeinärztin, Verein #twankenhaus)

Die zunehmende Erlösorientierung "habe das Gesundheitssystem in eine falsche Richtung getrieben", erklärte die DÄB-Vorsitzende im Ärzteblatt. "Die aktuellen Zustände schaden den Patienten. Sie belasten auch Ärzte, deren Anspruch ja darin besteht, zum Wohle kranker Menschen zu arbeiten." Der DÄB fordere unter anderem mehr Zeit für Gespräche und Zuwendung. Kritik am Ärzte-Appell kam von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG): "Der Wunsch, die Krankenbehandlung von der Finanzierung des Krankenbehandlungssystems zu entkoppeln, mag sozial ethisch ehrenwert sein, er führt in der Realität, wie viele staatsfinanzierte Gesundheitssysteme zeigen , aber zu keiner besseren Versorgung“, sagte der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum in einer Mitteilung.

Weitere Ärztinnen und Ärzte können sich dem Appell anschließen. Die vollständige Liste wird auf stern.de veröffentlicht. Bislang erreichten den stern weit über 600 Zuschriften.

Sind Sie Ärztin oder Arzt?

Falls Sie den Mediziner-Appell (hier zum Nachlesen) namentlich unterstützen wollen, schreiben Sie uns bitte an aerzteappell@stern.de. Die Liste der Unterzeichner wird auf stern.de veröffentlicht. Um überprüfen zu können, dass Sie wirklich Ärztin oder Arzt sind, benötigen wir von Ihnen folgende Angaben (nur Punkt 1-3 wird veröffentlicht):

1. den vollständigen Namen

2. Facharztbezeichnung und Funktion

3. Arbeitsort

4. Arbeitgeber

5. E-mail von einem verifizierbaren Account (z.B. Ihre Praxis, Ihr Arbeitgeber)

6. Hilfreich: Website-Auftritt Ihrer Praxis oder Ihres Arbeitsgebers mit Angaben zu Ihnen

Sollten Sie Beispiele beobachten, die zeigen, wie wirtschaftliche Zwänge ärztliche Entscheidungen beeinflussen, schreiben Sie uns gern auch dies. Wir nehmen dann vertraulich Kontakt zu Ihnen auf.

ikr

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