Albert Hofmann Vater des LSD ist gestorben


Es war gedacht für die medizinische Forschung und entwickelte sich zu einer der prominentesten Drogen der Hippie-Generation: LSD. Sein Entdecker Albert Hofmann starb am Dienstag im Alter von 102 Jahren in seinem Haus in Burg.

Im Jahre 1938 ahnte Albert Hofmann nicht, was er da entdeckt hatte. Nach seinem Chemiestudium arbeitet Hofmann beim Pharmakonzern Sandoz. Dort suchte er eigentlich nach einem Mittel, das den Kreislauf stimulieren sollte. Aus einem Getreidepilz, dem Mutterkorn, synthetisierte er erstmals den Wirkstoff Lysergsäurediäthylamid, der später unter der Abkürzung LSD berühmt werden sollte. Da es im Tierversuch allerdings keine der gewünschten Wirkungen zeigte, verlor Hofmann das Interesse und legte es erst einmal zur Seite.

Erst am 16. April 1943 wiederholte Hofmann die Synthese von LSD und stieß dabei zufällig auf die erstaunliche Wirkung der Droge: Er hatte etwas LSD über die Haut aufgenommen. Ganz bewusst experimentierte Hofmann anschließend in Selbstversuchen mit der Wunderdroge und beschrieb zum ersten Mal die bewusstseinserweiternde Wirkung des Halluzinogens: "Alles im Raum drehte sich, und die vertrauten Gegenstände und Möbelstücke nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an. ... Kaleidoskopartig sich verändernd, drangen bunte, fantastische Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schließend, in Farbfontänen zersprühend."

Hofmann entdeckte, dass LSD eine ähnliche chemische Struktur hat wie die Wirkstoffe in mexikanischen Drogenpilzen, die von Indianern für religiöse Zeremonien benutzt wurden. Delhalb nahm die Medizin an, der Wirkstoff könnte als Mittel zur Behandlung psychischer Krankheiten dienen. Und tatsächlich verkaufte Sandoz LSD 25 anfänglich unter der Bezeichnung Delysid. "Ich stellte die Substanz als eine Medizin her", sagte Hofmann viele Jahre später. "Es ist nicht meine Schuld, dass die Leute das missbraucht haben."

"Turn on, tune in, drop out"

Ende der 50er und Anfang der 60er wurde der Wirkstoff von dem Harvard-Professor Timothy Leary populär gemacht. Die Kultfigur der Hippies warb für die psychedelischen Wirkungen der Droge mit dem Slogan: "Turn on, tune in, drop out" und stellte eine ganze Generation auf den Kopf. Sogar der legendäre Beatles-Song: Lucy in the Sky with Diamond, dessen Anfangsbuchstaben LSD ergeben, sollen eine Anspielung auf die Wunderdroge sein - obwohl dies von den Beatles selbst stets bestritten wurde.

Schon bald zeigte sich, dass die Wunderdroge auch eine dunkle Seite besaß: Menschen berichteten von Horrortrips und nicht wenige erlitten schwere psychische Schäden. 1966 wurde LSD in den USA verboten, viele andere Länder folgten.

Hofmann kritisierte die Verbote und forderte, LSD solle für die medizinische Verwendung weiter zugelassen sein. In seinem Buch "LSD - mein Sorgenkind" räumte er aber ein, dass die Droge gefährlich sei, wenn sie in die falschen Hände gerate. 1971 ging er in den Ruhestand, zeigte zunehmendes Interesse an philosophischen und religiösen Fragen und verbrachte viel Zeit mit Reisen und Vorträgen. Er hinterließ zwei von vier Kindern.

Heute ist LSD wieder interessant für Ärzte und Psychotherapeuten: Die Schweizer Regierung hat vor zwei Jahren eine Pilotstudie bewilligt. Ziel ist herauszufinden, ob LSD bei der Psychotherapie von schwer kranken Patienten ohne Risiko eingenommen werden kann.

DPA/AP AP DPA

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