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Mückenallergie: Attacken im Dunkeln

Sie surren, stechen, saugen - und bringen viele um den Schlaf. Das wechselhafte Wetter lässt die Zahl der Mücken steigen. Ihr Stich ist nicht nur unangenehm - einige reagieren darauf allergisch.

Saugende Mücke: Wenn es juckt, ist es meistens schon zu spät

Saugende Mücke: Wenn es juckt, ist es meistens schon zu spät

Jeder kennt das: Wenn es juckt, ist es meistens schon zu spät. Dann ist die Mücke bereits fort auf dem Weg zum nächsten Wirt. Zurück bleibt eine rote juckende Stelle. „Ein solches Knötchen ist normalerweise nicht größer als drei bis fünf Millimeter“, sagt Torsten Zuberbier, Professor für Allergologie an der Berliner Charité.

Menschen mit einer Mückenallergie reagieren heftiger: Bei ihnen schwillt die Einstichstelle stark an. Es entsteht eine juckende, wassergefüllte Blase. Diese Quaddel kann so groß wie ein Zwei-Euro-Stück werden - und größer. „Das ist zwar in den meisten Fällen harmlos, aber sehr quälend für die Betroffenen. Sie können dann nicht mehr schlafen und sind am nächsten Tag wie gerädert“, sagt Torsten Zuberbier. Zwar ist eine Mückenallergie längst nicht so gefährlich wie eine Allergie auf das Gift einer Biene oder Wespe. Bei besonders empfindlichen Menschen können viele Mückenstiche auf einmal zu stärkeren körperlichen Beschwerden führen, selten auch zu Fieber, Erbrechen, Atemnot oder Kreislaufproblemen. „Wer solche Symptome verspürt, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen“, rät Torsten Zuberbier.

Medikamente helfen

Gegen die nächtlichen Quaddeln empfiehlt der Experte allen Mückenallergikern Medikamente: Nicht müde machende Antihistaminika nehmen den Juckreiz und lassen die Bläschen abschwellen. Außerdem rät er zu Geduld: Ähnlich wie durch eine Hyposensibilisierung gingen die heftigen Reaktionen bei vielen Allergikern Stich für Stich zurück. „Bei manchen verschwindet die allergische Reaktion auf Mückengift sogar ganz“, sagt Torsten Zuberbier.

Mücken fliegen auf Milchsäure

Noch besser ist es natürlich, sich gar nicht erst stechen zu lassen. Das ist leichter gesagt als getan, denn manche Menschen sind für Mücken extrem attraktiv. „Das liegt vor allem am Duftcocktail auf unserer Haut“, sagt Martin Geier, Mückenforscher an der Universität Regensburg. Milchsäure, bestimmte Fettsäuren und Amine aus unserem Schweiß lassen die Mücken auf uns fliegen. Dabei kann der von Mücken begehrte Duftmix von Art zu Art durchaus unterschiedlich sein. Häufiges Waschen oder Parfum nutzen nur begrenzt, weil der körpereigene Duft trotzdem durchdringt.

Schutz bietet lange, helle Kleidung, die möglichst den gesamten Körper bedeckt. Hilfreich sind auch sogenannte Repellents - das sind Wirkstoffe in Cremes oder Sprühflaschen, welche die Mücken nicht sehr schätzen. Besonders wichtig: „Die Substanzen wirken nur an den Hautstellen, die auch tatsächlich damit benetzt sind“, sagt Martin Geier. Das sei ähnlich wie bei einem Sonnenschutzmittel: Wo man vergessen habe zu cremen, ist die Haut ungeschützt.

Arnd Schweitzer

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