HOME

Kleinkind stirbt an Masern: Dieser Tod hätte nicht sein müssen

In Berlin ist ein Kleinkind an Masern gestorben. Dabei sollte und könnte die Krankheit längst ausgerottet sein. Der Tod des kleinen Jungen ist daher nicht nur tragisch, sondern unnötig.

Ein Kommentar von Lea Wolz

Ab circa einem Jahr können Kleinkinder gegen Masern geimpft werden

Ab circa einem Jahr können Kleinkinder gegen Masern geimpft werden

In Berlin ist ein Kleinkind an Masern gestorben. Anderthalb Jahre alt war der Junge, der den Komplikationen der Infektionskrankheit erlag. Wie er sich angesteckt hatte, ist nicht bekannt. Sicher aber ist, dass die Ursache für den tragischen Fall letztlich die beunruhigend großen Impflücken in Deutschland sind - und die Skepsis der Impfgegner. Sie wollen ihr Kind vor den vermeintlich hohen Risiken der Impfung schützen und ignorieren dabei, dass sie damit andere in Gefahr bringen. Der Preis für ihre Skepsis ist zu hoch.

Denn gegen Masern gibt es seit etlichen Jahrzehnten eine gut verträgliche und sichere Impfung. Ab etwa einem Jahr können die meisten Kinder geimpft werden. Auch Erwachsene, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht immunisiert sind, sollten dies nachholen. Und das nicht nur zum eigenen Schutz, sondern zum Schutz aller. Der greift erst wenn ausreichend Menschen geimpft sind: 95 Prozent der Bevölkerung gelten als Ziel. Dann spannt sich gleichsam ein Regenschirm auf, unter dem auch die Zuflucht finden, die schutzlos sind.

Wer nicht impft, gefährdet alle

Wer sich nicht gegen Masern impfen lässt, gefährdet nämlich nicht nur sich. Er setzt auch diejenigen einem Risiko aus, die sich nicht selbst helfen können. Sei es, weil sie als Säuglinge zu jung sind, um geimpft zu werden. Oder weil sie an einer Vorerkrankung - etwa Leukämie - leiden, und daher die Impfung nicht vertragen. Sie haben keine Wahl. Die längst widerlegten Argumente, die Impfgegner noch immer verbreiten und mit denen sie für Verunsicherung sorgen, gefährden diese Menschen. Die verantwortungslose Entscheidung weniger kann für sie tödlich enden.

Anders als nicht ansteckende Krankheiten sind Masern eben keine Sache, die nur einen selbst betrifft. Die Viren sind hoch ansteckend und verteilen sich leicht. Sie schwächen das Immunsystem und können zu einer Gehirn- oder Lungenentzündung führen. Wer daran erkrankt, kann sterben. Dagegen stehen die geringen Risiken einer Impfung: Auch hier können Kinder zwar Impf-Masern entwickeln, bei etwa zwei Prozent der Geimpften ist dies der Fall - doch die Symptome sind viel leichter als bei einer echten Erkrankung. Und das Risiko, eine Hirnentzündung zu entwickeln, ist deutlich geringer.

Wer also immer noch glaubt, dass Masern eine Kinderkrankheit sind, die man einfach mal durchmachen müsste und dass Impfen eine persönliche Sache ist, sollte dies angesichts der aktuellen Ereignisse in Berlin noch einmal überdenken. Der Fall des verstorbenen Kleinkindes zeigt: Die Angst vor Impfungen schützt Kinder nicht – sondern bringt schlimmstenfalls ihr Leben in Gefahr.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity