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Bluthochdruck Wie hilfreich sind Magnesium-Präparate?

Besteht kein nachgewiesener Magnesiummangel, kann der Bedarf für gewöhnlich mit Vollwertkost gedeckt werden
Besteht kein nachgewiesener Magnesiummangel, kann der Bedarf für gewöhnlich mit Vollwertkost gedeckt werden
© Colourbox
Studien zeigen, dass sich bei magnesiumreicher Kost seltener Bluthochdruck entwickelt. Doch können Magnesium-Präparate vor Hypertonie schützen?
Von Nicole Heißmann

Wer von Wadenkrämpfen geplagt wird, greift oft zu Magnesiumtabletten. Der Mineralstoff kann jedoch mehr als Krämpfe lösen: Bei 300 biochemischen Reaktionen in unserem Inneren mischt er mit. Er kontrolliert die Signalübertragung in den Nervenzellen, stärkt die Knochen und hält den Herzschlag im Takt. Außerdem entspannt Magnesium die Muskelfasern in den Wänden der Adern, die sich dadurch weiten und mehr Blut passieren lassen. Aus diesem Grund werden magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel auch zur Vorbeugung und Behandlung der Hypertonie angepriesen.

Tatsächlich legen Untersuchungen einen Zusammenhang nahe: Sowohl bei Tieren als auch bei Menschen geht ein Magnesiummangel oft mit hohem Blutdruck einher. Umgekehrt zeigen Ernährungsstudien, dass sich bei magnesiumreicher Kost seltener Hypertonie entwickelt. Allerdings wurde dabei allgemein der Verzehr von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten erfasst. Diese liefern aber auch reichlich Ballaststoffe oder Kalium, was wohl ebenfalls den Blutdruck senkt. Ursachenforschung in der Ernährung ähnelt oft der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen - und lässt in diesem Fall nicht den eindeutigen Schluss zu, dass es das Magnesium war, das vor hohem Druck in den Adern bewahrte.

Mal hilfreich, mal nicht

Nicht sehr aussagekräftig sind auch die Ergebnisse aus Patientenstudien, in denen man Gesunden oder Hypertonikern Magnesiumpräparate verabreichte und sie mit Probanden verglich, die den Mineralstoff nicht erhielten: Mal schien Magnesium den Blutdruck zu senken, mal nicht.

Forscher fassen die Studienlage eher vorsichtig zusammen: Eine kanadische Arbeitsgruppe hält die Blutdrucksenkung durch Magnesiumpräparate für nicht überzeugend und empfiehlt sie weder zur Vorbeugung noch zur Behandlung von Bluthochdruck. Eine koreanische Auswertung stellte bei Gesunden und Hypertonikern eine lediglich geringe Blutdrucksenkung fest. Auch britische Wissenschaftler, die zwölf Studien an insgesamt 545 Probanden sichteten, zogen ein ernüchterndes Fazit: Die blutdrucksenkende Wirkung von Magnesium sei vermutlich auf verzerrende Effekte in einigen Untersuchungen zurückzuführen und, wenn überhaupt, nur schwach. Ob die Einnahme der Substanz Vorteile für die Gesundheit hat, man dadurch länger lebt oder eher von Herzinfarkt oder Schlaganfall verschont bleibt, wurde im Übrigen noch nicht untersucht.

Für Patienten mit nachgewiesenem Magnesiummangel können Präparate sinnvoll sein. Manche Hypertoniker, die Entwässerungsmittel nehmen, gehören dazu. Gesunde können den Bedarf aber gewöhnlich mit Vollwertkost decken. Wer viel Wert auf Magnesium legt, setzt einfach öfter Spinat, Nüsse, Bohnen, Erbsen oder Vollkornprodukte auf den Speiseplan. Auf diese Weise läuft man auch kaum Gefahr, sich durch eine Überdosis Magnesium harmlose, aber unnötige Durchfälle einzuhandeln.

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