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Nahrungsergänzung: A-C-E-Vitamine in Pillenform bringen nichts

Wer nicht viel Obst und Gemüse isst, meint vielleicht, sich etwas Gutes zu tun, indem er Vitaminpräparate zu sich nimmt. Doch vor allem Pillen mit den Vitaminen A, C und E sind überflüssig.

Von Nicole Heißmann

Vitaminpräparate ersetzen echtes Obst und Gemüse keineswegs

Vitaminpräparate ersetzen echtes Obst und Gemüse keineswegs

Ständig umschwirren uns chemische Bösewichte: aggressive Formen von Sauerstoff, oft als "freie Radikale" bezeichnet. Sie entstehen, wenn wir an einer Zigarette ziehen oder unsere Haut dem UV-Licht der Sonne aussetzen, aber auch als unvermeidliches "Abfallprodukt", wenn unser Körper Energie erzeugt. Die reaktionsfreudigen Sauerstoffteilchen stürzen sich bevorzugt auf Membranen, Eiweiße und das Erbgut unserer Körperzellen und stehen im Verdacht, Krebs auszulösen.

Verlockend scheint da die Idee, den Körper gegen solche Attacken chemisch aufzurüsten: mithilfe von "Antioxidantien", die die freien Radikale abfangen und unschädlich machen sollen.

In Supermärkten, Drogerien und Apotheken findet sich dazu ein riesiges Angebot an Kapseln, zischenden Brausetabletten und Pülverchen. Besonders oft enthalten solche Nahrungsergänzungsmittel die Vitamine C und E, außerdem Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A, und das Spurenelement Selen.

Isoliert haben die Vitamine keine oder nur geringe Effekte

In Reagenzglasversuchen schienen Antioxidantien Zellen und Gewebe wirksam vor chemischen Angriffen zu schützen. Tiere lebten oft länger, wenn man sie im Experiment mit hoch dosierten Vitaminen gefüttert hatte. Und auch viele Beobachtungen an Menschen lieferten entsprechende Hinweise, wie zum Beispiel dass leidenschaftliche Obst- und Gemüse-Esser eher selten an Krebs erkranken. Ein Effekt, der den reichlich enthaltenen Antioxidantien zugeschrieben wurde.

Doch inzwischen sind Ärzte und Ernährungsexperten zurückhaltender, was die Empfehlung isolierter A-C-E-Vitamine angeht: Zu oft hatten die Mittel gar keine oder nur geringe Effekte, wenn Ärzte sie in Studien gezielt verabreichten. Patienten lebten praktisch genauso lange und bekamen ähnlich häufig Krebs wie die Probanden in Vergleichsgruppen, die nur ein Placebo geschluckt hatten. Manchmal starben die Teilnehmer aus der Vitamingruppe sogar früher.

Kritisch sehen Experten inzwischen Präparate mit Beta-Carotin: Bei Rauchern scheint dieses Vorvitamin das Lungenkrebsrisiko zu erhöhen. Vielleicht schützen Selenpräparate vor bestimmten Tumoren in Magen und Darm, aber die Studienbasis für diese Vermutung ist extrem wackelig.

Keine Alternative zu Obst und Gemüse

Und so scheint es derzeit zwar sinnvoll, oft Obst und Gemüse zu essen, die teuren Pillen kann man sich und seinem Portemonnaie aber getrost ersparen.

Unter Umständen basiert der lebensverlängernde Effekt von Obst und Gemüse ohnehin nicht auf ausgewählten Chemikalien, sondern auf der bunten und gut verdaulichen Mischung von Vitaminen, Ballaststoffen und anderen Substanzen, wie sie ein Apfel oder eine Karotte enthalten. An diesen Cocktail kommt bisher keine Brausetablette auch nur ansatzweise heran. Vom Geschmack einmal ganz abgesehen.

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