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Ratgeber Alternativmedizin: Erstaunliche Versprechen

Etliche Nahrungsergänzungsmittel werden als Abnehmhilfen beworben. Fast immer fehlen brauchbare Belege.

Von Edzard Ernst

Für die meisten Präparate liegen so gut wie keine klinischen Studien vor

Für die meisten Präparate liegen so gut wie keine klinischen Studien vor

Alle Jahre wieder nach der Weihnachtszeit stellen viele von uns entsetzt fest, dass ihr Körper ein erhebliches Übergewicht in Form von wenig attraktiven Fettpolstern angesammelt hat. Zum Jahresbeginn werden dann meist ehrenwerte Vorsätze gefasst: Von nun an sollen mehr Sport und Bewegung ins Leben sowie weniger Essen und Trinken. Dass das Ganze nicht so einfach ist, wie es sich anhört, finden wir dann noch im Laufe des Januars heraus.

Einige Wochen später kapitulieren dann die meisten, und es stellt sich die bange Frage: Gibt es denn sonst noch Möglichkeiten? Viele schauen ins Internet und sind überwältigt von der Vielzahl der Mittel, die dort zum mühelosen, risikofreien Abnehmen angeboten werden. Die Versuchung, das eine oder andere Präparat auszuprobieren, ist groß - aber helfen solche Mittel wirklich?

Mangel an Belegen

Seit vielen Jahren läuft an meinem Lehrstuhl hierzu ein intensives Forschungsprogramm. Unser Ziel ist es festzustellen, für welche dieser als Nahrungsergänzungsstoffe vermarkteten Abnehmhilfen tatsächlich Belege der Wirksamkeit vorliegen.

Das erste, was einen bei diesem Unterfangen beeindruckt, ist die Tatsache, dass für die allermeisten Präparate so gut wie keine klinischen Studien vorliegen. Die zweite Überraschung: Trotz dieses Mangels an Belegen werden die erstaunlichsten Versprechungen gemacht. Man gewinnt rasch den Eindruck, dass da wirklich das Blaue vom Himmel gelogen wird.

Studien von sehr schlechter Qualität

Für einige Mittel immerhin gibt es inzwischen solche Studien. Wichtig erscheint es hier, dieses Material in der Gesamtschau aller zur Verfügung stehenden Daten zu betrachten und sich nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen zu picken. Wir tun das häufig in Form von Analysen, die sämtliche publizierten Studien zu einem Inhaltsstoff zusammenfassen. Der Fachmann nennt das ein "systematisches Review". Mittlerweile liegen solche Reviews zu einer Reihe von angeblichen Schlankmachern vor.

Natürlich sollte man diese Daten immer kritisch analysieren. Wenn wir das tun, dann stellen wir meist fest, dass die Studien von sehr schlechter Qualität sind. Das ist ärgerlich, denn es bedeutet, dass man ihren Ergebnissen nur bedingt trauen kann. Ferner muss betont werden, dass die mittlere Gewichtsreduktion häufig kaum der Rede wert ist. Eine Abnahme von 1,5 Kilo im Verlauf von einem Jahr ist zum Beispiel zu wenig, um klinisch relevant zu sein. Wir alle wissen, dass unser Körpergewicht um mehr als diesen Betrag variiert, ohne dass wir irgendein Mittel zu uns nehmen.

Verschwendung von Zeit und Geld

Und schließlich dürfen wir die Risiken nicht außer Acht lassen. Viele der Mittel haben Nebenwirkungen, und in einigen Fällen können diese durchaus ernster Natur sein. Aber das ist nicht alles. Die Einnahme unwirksamer Mittel lenkt uns von einer effektiven Therapie ab. Das heißt, wir vertun wertvolle Zeit, in der wir Sinnvolles gegen unser Übergewicht unternehmen könnten. Und wir verschwenden natürlich nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Viele Abnehmhilfen sind ganz schön teuer - und da sie ausnahmslos über Monate eingenommen werden müssen, kann sich das ordentlich summieren.

So gesehen ist vielleicht die Umstellung des Lebensstils nicht so unattraktiv wie oben dargestellt. Sie kostet nichts, sondern spart im Gegenteil Geld! Nicht nur dass sie risikofrei ist, sie ist sogar gesundheitsförderlich. Und das Allerbeste: Sie bringt tatsächlich effektiv die Fettpolster zum Verschwinden.

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