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Café Einstein: So lässt sich Krebs besiegen

Fast jede Minute erhält in Deutschland ein Patient die Diagnose Krebs, Tendenz steigend. 208.000 Patienten verlieren jedes Jahr den Kampf gegen die Krankheit. Doch Krebs ist besiegbar. Auf die drei Grundregeln der Vorsorge weist Prof. Manfred Kaufmann, Präsident des Deutschen Krebskongresses, zum Auftakt der Veranstaltung im stern.de-Interview hin.

"Krebs ist keine unheilbare Krankheit", sagt Manfred Kaufmann, Präsident des größten Deutschen Krebskongresses, der heute in Berlin beginnt. Immer mehr Menschen könnten geheilt werden - durch bessere Vorsorge, neue Therapien und Medikamente. Laut Kaufmann ist Krebs eine gewisse Alterserkrankung. "Wir wissen, dass die Menschen immer älter werden", sagt der Medizinprofessor. Ein Mädchen, das heute geboren werde, habe eine Lebenserwartung von etwa 100 Jahren. Das Durchschnittsalter einer Frau liege bei 81. Die Männer seien eher schlechter dran, sie sterben im Durchschnitt sechs Jahre früher, viele von ihnen an Krebs.

"Männer halten sich für unsterblich"

Die häufigsten Krebserkrankungen bei Männern sind Prostatakrebs mit 58.570 Fällen und Darmkrebs mit 37.250 Fällen. Bei Frauen sind es Brustkrebs mit 57.230 und Darmkrebs mit 36.000 Fällen im Jahr. "Die Männer halten sich alle für unsterblich, das mag eine Rolle spielen", sagt Kaufmann. Aber wie die neuen Krebsstatistiken zeigten, bestehe der ernorme Zuwachs an Neuerkrankungen darin, dass vermehrt Prostatakrebs auftrete. Kostenfreie Vorsorgeuntersuchungen würden von etwa 50 Prozent der Frauen und vielleicht von 30 Prozent der Männer wahrgenommen.

Mit neuen Methoden an die Öffentlichkeit

Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin rechnet Kaufmann mit großartigen Ergebnissen. Bis Sonntag werden mehr als 7500 Teilnehmer erwartet, darunter mehr als 1000 namhafte Referenten mit zum Teil bislang unveröffentlichten Daten. Der Kongress soll den neuesten Kenntnisstand bei der Vermeidung, Früherkennung, Behandlung und Nachsorge von Tumorerkrankungen einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen. "Man kann den Tumor jetzt einfach besser charakterisieren und hat auch schon die ersten Medikamente, die dann gezielt den Tumor angreifen können."

Die drei Grundregeln der Prävention

Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse belegen auch einen Zusammenhang zwischen der Lebensweise auf der einen Seite und der Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung auf der anderen. "Man kann schon Prävention betreiben", sagt Kaufmann. Wichtig sei vor allem, sich körperlich zu bewegen, Sport zu machen. "Wir werden ja alle zu dick, die Bevölkerung nimmt an Gewicht ständig zu, das mag auch ein Krebsfaktor sein." Der Mediziner nennt drei Grundregeln der Prävention: "Ernähre Dich gesund, das heißt: Iss viel Obst und Gemüse und treibe Sport. Trinke Alkohol in Maßen und versuche, Dich der Sonne nicht ständig ungeschützt auszusetzen." Kaufmann, im Hauptberuf Gynäkologe in Frankfurt am Main, sieht einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Tumorbildung: "An bestimmten Krebsarten erkranken dicke Menschen häufiger als dünne, beispielsweise bei Brustkrebs. Es kann auch bei Darmkrebs eine Rolle spielen."

Organkrebszentren sind lange Anreisen wert

Im Falle einer Erkrankung rät der Präsident des 28. Deutschen Krebskongresses, sich an eines der Organkrebszentren zu wenden, um die bestmögliche Behandlung zu erhalten: "Es gibt heute viele Möglichkeiten, dass man hervorragend behandelt wird", sagt Kaufmann. Leider sei in Deutschland keine flächendeckende, gleich gute Behandlung möglich. "Das hat dazu geführt, dass wir für bestimmte Krebsarten, für bestimmte Organe, so genannte Organkrebszentren entwickeln", erklärt er. Bislang seien 163 Brustkrebszentren und 43 Dramkrebszentren zertifiziert. Auf dem Kongress würden die ersten 12 Prostatakrebszentren zertifiziert. "Leider sind die nicht immer wohnortnah, aber ich glaube, die Deutschen reisen so viel, dass man für eine gute Behandlung auch mal 20 oder 50 Kilometer fahren kann."

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