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Cholesterin: Das zweischneidige Schwert

Der Körper braucht Cholesterin zum Leben - zu viel davon lässt jedoch die Gefäße verkalken und kann sogar einen Herzinfarkt auslösen. stern.de erklärt die wichtigsten Fakten rund um den Gefäßkiller.

Von Angelika Unger

Was ist Cholesterin eigentlich und wofür braucht es der Körper?

Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, der lebenswichtig für den Menschen ist. "Jede Zelle im Körper benötigt Cholesterin, damit die Zellwand stabil bleibt", sagt Achim Weizel, Internist und Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen.

Weiterhin spielt Cholesterin eine Rolle bei der Produktion der Gallensäuren in der Leber. Cholesterin hilft außerdem, Vitamin D zu produzieren - wichtig für den Aufbau von Knochen. Auch an der Produktion von Geschlechtshormonen wie Testosteron und Östrogen ist Cholesterin beteiligt.

Wie kommt das Cholesterin in den Körper?

"Unser Körper produziert selbst täglich etwa ein Gramm Cholesterin", sagt Weizel. Der in der Leber gebildete Stoff deckt den Eigenbedarf des Körpers auch bei einer völlig cholesterinfreien Ernährung. Außerdem nimmt der Körper Cholesterin über die Nahrung auf - vor allem über tierische Fette.

Was sind HDL und LDL?

Weil Cholesterin schlecht wasserlöslich ist, lässt es sich nur schwer im Blut transportieren. Der Körper verpackt deshalb das Cholesterin in Eiweißhüllen, die im Blut schwimmen. Diese Verpackungen heißen Lipoproteine. Hierbei unterscheidet man zwischen Lipoproteinen mit niedriger Dichte (LDL = low density lipoproteins), und Lipoproteinen mit hoher Dichte (HDL = high density lipoproteins).

Mittlerweile weiß man, dass der Gesamtcholesterinwert nicht sehr viel aussagt. Wichtiger ist es, zwischen LDL und HDL zu unterscheiden: ein hoher LDL-Wert ist gefährlich fürs Herz, ein hoher HDL-Wert gesund.

Wieso haben so viele Menschen zuviel Cholesterin im Blut?

"In Deutschland gibt es schätzungsweise zehn Millionen Menschen, die einen behandlungsbedürftigen, zu hohen Cholesterinspiegel im Blut haben", sagt Weizel.

Für die erhöhten Werte kann es mehrere Gründe geben: Bei einigen Menschen ist der Fettstoffwechsel durch eine genetische Besonderheit gestört. Oft aber ist falsche Ernährung mit zu vielen tierischen Fetten und Cholesterin verantwortlich für zu hohe Cholesterinwerte.

Ein hoher Cholesterinspiegel kann auch auf eine andere Krankheit hindeuten, beispielsweise der Schilddrüse, der Nieren oder der Leber.

Warum ist ein hoher LDL-Wert gefährlich?

Die LDL-Hüllen transportieren das Cholesterin zu den Organen. Dort wird es an speziellen Aufnahmestellen, den so genannten Rezeptoren, in die Zellen geschleust und weiterverarbeitet.

"Ist zu viel LDL im Blut vorhanden, neigt es dazu, sich in den Arterienwänden abzulagern und die Blutgefäße zu verstopfen", sagt Weizel. Die Gefäße werden immer enger und enger, das Blut kann nicht mehr richtig fließen - es kommt zu Atherosklerose - Arterienverkalkung. Deshalb sollte der Wert für LDL-Cholesterin möglichst niedrig sein.

Warum ist ein hoher HDL-Wert gesund?

In HDL-Hüllen verpacktes Cholesterin ist "gutes" Cholesterin. Denn die HDL-Moleküle nehmen Cholesterin auf, das sich bereits in der Gefäßwand eingelagert hat, und transportieren es ab. Sie bringen es in die Leber, wo es verarbeitet und abgebaut wird.

HDL wirkt also der Arterienverkalkung entgegen: Je höher der HDL-Wert, desto besser.

Was sind Triglyceride?

Triglyceride werden auch Neutralfette genannt. Sie werden mit der Nahrung aufgenommen und gelangen über die Darmwand von der Nahrung ins Blut.

Aus den Triglyceriden bildet der Körper Fettdepots - sie dienen als Energiespeicher für den Körper, quasi "für schlechte Zeiten". Ein zu hoher Trigylcerid-Wert im Blut erhöht das Risiko einer Arterienverkalkung.

Was können die Folgen eines hohen Cholesterinspiegels sein?

"In einer Untersuchung, die 14 Studien mit insgesamt 90.000 Patienten ausgewertet hat, konnte eindeutig ein Zusammenhang zwischen hohem Cholesterin und einem erhöhten Herzinfarktrisiko gezeigt werden", sagt Weizel.

Denn ist der Cholesterinspiegel über längere Zeit erhöht, lagert sich überflüssiges Cholesterin an den Gefäßwänden ab. Diese Ablagerungen werden auch "Plaques" genannt. Durch die verengten Adern kann das Blut nicht mehr richtig fließen.

Besonders oft entstehen solche Plaques in den Herzkranzgefäßen - das sind die nur wenige Millimeter dicken Adern, die das Herz mit Blut versorgen. Durch die verengten Gefäße (auch Koronararterien genannt) gelangt nicht mehr ausreichend Blut und Sauerstoff zum Herzen - die Folgen: koronare Herzkrankheit, kurz KHK. Wer unter KHK leidet, erlebt immer wieder sind Herzschmerzen und ein schmerzhaftes Engegefühl in der Brust, die so genannte Angina Pectoris.

Im schlimmsten Fall reißt die Abdeckung einer Plaques-Schicht: Dann ergießt sich die fetthaltige Cholesterinmasse ins Blut und bildet binnen weniger Sekunden ein Blutgerinnsel, das die Ader komplett verstopft. Es kommt zu einem Herzinfarkt.

Wie kann man den Cholesterinspiegel senken?

"Durch Ausdauersport kann man das LDL-Cholesterin um 10 bis 20 Prozent senken, das HDL-Cholesterin um 10 bis 20 Prozent erhöhen", sagt Professor Gerd Assmann, Direktor des Instituts für Arterioskleroseforschung der Universität Münster. Zwar habe sich dann der Gesamtcholesterinwert nur minimal verändert, dennoch sei das Risiko von Arterienverkalkung deutlich gesunken.

Eine weitere wirkungsvolle Möglichkeit, den Cholesterinspiegel zu senken: gesunde Ernährung. "Es gibt Personen, die ihr LDL-Cholesterin um 20 bis 30 Prozent durch Ernährungsumstellung allein reduzieren können", sagt Assmann. Man müsse jedoch austesten, wie gut der einzelne Patient auf eine gesunde Ernährung anspricht. "Wenn bei Risikopatienten LDL-Zielwerte durch Ernährungsumstellung und Sport nicht erreicht werden können, ist eine Behandlung mit Statinen sinnvoll."

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