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Omikron Kommt bald der Booster-Booster gegen Corona? Das sagen Experten

Booster-Impfung Coronavirus: Eine Spritze gegen das Coronavirus wird vorbereitet
Geboostert wird mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna 
© Oliver Berg / DPA
Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland hat die Booster-Impfung gegen Corona bereits bekommen. Braucht es womöglich bald schon eine vierte Impfdosis? 

Israel ist dieser Tage im Kampf gegen die Pandemie einen Schritt voraus, mal wieder. Der Neun-Millionen-Einwohner-Staat war nicht nur das erste Land, das bereits Ende 2020 eine breite Impfkampagne gegen das Coronavirus startete. Seit kurzem werden in Israel auch vierte Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht – quasi ein Booster nach dem Booster. Mehr als 610.000 Menschen haben die vierte Dosis bereits erhalten. Unter ihnen sind vor allem über 60-Jährige, Immungeschwächte und medizinisches Personal. Für sie gilt in Israel bereits seit einiger Zeit eine entsprechende Empfehlung.

Ein israelischer Expertenrat hat diese nun ausgeweitet – auf alle Personen ab 18 Jahren. Das Gesundheitsministerium folgt dem Rat bislang aber nur teilweise. Als nächste Gruppen sollen nun zunächst Erwachsene mit Vorerkrankungen an der Reihe sein; sowie jene, die aufgrund ihres Berufs ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben. Voraussetzung ist, dass die dritte Impfung mindestens vier Monate zurückliegt, teilte das Ministerium am Mittwochabend mit. Neben Israel setzen noch einige wenige andere Staaten auf die vierte Impfdosis. Dänemark zum Beispiel. Oder Ungarn.

In Deutschland wird dagegen bislang nur einfach geboostert – mit Impfdosis Nummer Drei. 52,2 Prozent der Gesamt-Bevölkerung haben die Auffrischimpfung bereits erhalten. Das entspricht etwas mehr als 43.400.000 Impfdosen. Mit Blick Richtung Israel fragen sich aber auch hierzulande viele: Wird schon bald eine vierte Impfdosis nötig?

Vierte Impfdosis: Experten raten derzeit von allgemeiner Empfehlung ab

Deutsche Experten halten das zum aktuellen Zeitpunkt für unwahrscheinlich – zumindest für den Großteil der Bevölkerung mit gesundem Immunsystem. Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die vierte Impfdosis aktuell nicht – wohl aber einen Booster, also eine dritte Impfung. Und das für alle Personen ab zwölf Jahren. 

Das israelische Gesundheitsministerium ist indes vom Nutzen der vierten Impfdosis mit den vorhandenen Impfstoffen überzeugt: Der Schutz vor Infektion soll demnach doppelt so gut sein wie nach der dritten Impfung, teilte das Ministerium diese Woche mit. Der Schutz vor einer schweren Erkrankung sogar drei- bis fünfmal so hoch.

Dennoch wurden auch bereits bei Menschen mit doppeltem Booster Covid-19-Erkrankungen festgestellt, kaum weniger als in einer Kontrollgruppe, die keinen zweifachen Booster erhalten hatte, wie eine israelische Untersuchung zeigte. Ob der Nutzen der vierten Impfung groß genug ist, um eine Empfehlung für die allgemeine Bevölkerung auszusprechen, wird unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daher aktuell noch kontrovers diskutiert, auch in Israel.

Bei den Zahlen ist zu beachten: In Israel wird vor allem der Impfstoff von Biontech/Pfizer verwendet. Das Impfschema ist damit homogener als in Deutschland, wo zur Erst- und Zweitimpfung auch andere Impfstoffe zum Einsatz kamen. Die Daten dürften damit nicht eins zu eins übertragbar sein. 

Der Berliner Impfstoffexperte Leif Erik Sander (Charité) hält eine Empfehlung für die allgemeine Bevölkerung derzeit nicht für sinnvoll, wie er vergangene Woche bei einem Gespräch des Science Media Center sagte. Dennoch riet er zum Abwägen – auf Basis des eigenen Risikoprofils. Die vierte Impfdosis könnte seiner Ansicht nach für Hochrisikopatienten nach individueller ärztlicher Beratung infrage kommen. Als Beispiel nannte er Patienten, deren Immunsystem medikamentös unterdrückt wird.

Ähnlich sieht es die Münchener Virologin Ulrike Protzer. Sie hält derzeit ebenfalls nichts von einer pauschalen Empfehlung, rät aber auch zu einem individuellen Ansatz. Es gebe sicherlich Gruppen, bei denen es sinnvoll sei, "auch jetzt schon an eine vierte Impfung zu denken", so Protzer. Als Beispiele nannte sie ältere Menschen, die eine Tumorbehandlung hinter sich haben, sowie Personen, die Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. Bei ihnen könne eine vierte Impfung "durchaus sinnvoll" sein, so Protzer. 

Was in der aktuellen Situation wichtig ist

Geboosterte und ansonsten immungesunde Menschen sind in der aktuellen Omikron-Welle nach Ansicht der Experten dagegen gut geschützt. "Die Grundimmunität mit am besten drei Injektionen schützt sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen, die zur Krankenhauseinweisung oder gar zum Tod führen", so Sander. Es sei daher weiterhin wichtig, sich auch mit den jetzt existierenden und zugelassenen Impfstoffen impfen zu lassen. 

Wie es mit den Impfstoffen in den kommenden Monaten weitergeht, könne man nicht mit Sicherheit beantworten, so Sander. Grundsätzlich sieht der Experte verschiedene mögliche Szenarien: Denkbar sei einerseits, dass sich Geboosterte und ansonsten gesunde Menschen, deren Krankheitslast durch die Grundimmunität massiv reduziert sei, durch wiederholten Kontakt mit dem Virus boostern werden.

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Fraglich sei aber, ob man diese Durchbruchsinfektionen auch bei älteren Personen tolerieren könne. Sander verwies auf das höhere Risiko für schwere Verläufe, das in dieser Altersgruppe doch noch einmal eine Auffrischimpfung notwendig machen könnte – möglicherweise auch mit einem angepassten Impfstoff.

Vielleicht, so Sander, brauche es aber auch noch einmal eine Runde Auffrischimpfungen in der Allgemeinbevölkerung. Man wisse einfach noch nicht genug über die Variabilität des Virus und der Varianten, die noch kommen könnten.

Die gute Nachricht ist: Zumindest in der aktuellen Omikron-Welle dürfte diese nicht mehr nötig sein. 

ikr

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