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Pressekonferenz zur Corona-Lage "Insgesamt infizieren sich immer noch zu viele Menschen" – die wichtigsten Aussagen von Spahn und Wieler

Gibt es Licht am Ende des Tunnels? Erstmals seit Oktober liegt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland unter der 100er-Marke. Ein positives Signal, aber noch kein Grund, sich zurückzulehnen – so Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler. Die Pressekonferenz zum Nachlesen.

Die Corona-Zahlen in Deutschland gehen zurück. Trotzdem hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Bürgerinnen und Bürger auf weitere harten Wochen angesichts des knappen Impfstoffs eingestimmt. Gemeinsam mit RKI-Chef Lothar Wieler und dem Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, äußerte er sich in Berlin zur aktuellen Corona-Lage. Per Skype zugeschaltet war zudem Marylyn Addo, die Leiterin der Sektion Infektiologie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Erstmals seit drei Monaten ist die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen in Deutschland wieder unter 100. RKI-Chef Wieler sprach angesichts dieser Entwicklung bereits vergangene Woche von einem "leicht positiven Trend". Doch auch heute mahnte er: "Insgesamt infizieren sich immer noch zu viele Menschen." Durch die Knappheit des Impfstoffs werde man "noch durch mindestens zehn harte Wochen" gehen, so Gesundheitsminister Spahn und dämpfte die Hoffnungen auf baldige Lockerungen.

Lesen Sie hier alle wichtigen Aussagen aus der Pressekonferenz nach. 

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Corona-Lage in Deutschland: die Pressekonferenz mit Spahn und Wieler zum Nachlesen

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Die Pressekonferenz ist nun beendet, wir melden uns an dieser Stelle ab. Natürlich werden wir Sie weiterhin auf www.stern.de über alle wichtigen Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie informieren. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

  • Leonie_Scheuble
    • Leonie_Scheuble

    Die letzte Frage: Hätte Deutschland mehr sequenzieren müssen?

    RKI-Präsident Wieler: "Mit der neuen Verordnung und den neuen Technologien ist das jetzt wirklich ein Durchbruch. Das war im Frühjahr noch gar nicht möglich." Nachwievor sei die Einhaltung der Maßnahmen wichtig: Abstand halten, Maske tragen, Hygieneregeln. "Das ist das A und O. Diese Maßnahmen helfen gegen alle Virusvarianten. Nächste Woche werden wir einen Bericht über die Varianten in Deutschland veröffentlichten. Eventuell werden punktiert die Maßnahmen auch nochmal verschärft. Ich wünsche mir auch ZeroCovid, aber 10 pro 100.000 wäre ein gutes Ziel."

  • Leonie_Scheuble
    • Leonie_Scheuble

    Frage an Herr Spahn: Wie wollen Sie weiterhin alle Bürger mitnehmen?

    Spahn: "Alle wissen, dass wir gerade unter viel Stress schwierige Entscheidungen treffen müssen. Wir sind gemeinsam in dieser Situation. Wenn es etwas zu besprechen gibt, besprechen wir es."

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Die Impfreihenfolge ist beweglich, so Gesundheitsminister Spahn. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse könnten stets zur Veränderung führen – etwa, wenn neue Hinweise in Bezug auf Vorerkrankungen vorliegen würden.

  • Leonie_Scheuble
    • Leonie_Scheuble

    Die nächste Frage geht an Gesundheitsminister Spahn: Hätte man mehr Impfstoff bestellen müssen? Muss sich die Strategie ändern?

    "Natürlich hätte man am Ende immer auch früher bestellen können, aber diese Debatte ist ja nun nicht neu und hilft auch nicht weiter", weist Spahn die Kritik entschieden zurück. "Mein größtes Bestreben ist es, dass schnellstmöglich so viele Dosen wie möglich für Deutschland zu Verfügung stehen. Am Ende sind aber nicht die Pharmaunternehmen die Gegner - das Virus ist der Gegner. "
    Natürlich werde man nochmal nachbestellen und man sei auch in Verhandlungen mit dem US-Hersteller Novavax.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    In Pflegeheimen werde mittlerweile "deutlich umfassender" getestet, als dies noch vor Monaten der Fall war, so Gesundheitsminister Spahn. Im Oktober habe man dafür finanziell und rechtlich die Grundlagen geschaffen. Spahn appelliert an die Pflegeheime, diese auch vermehrt zu nutzen, um die Testkapazitäten auszureizen.

  • Leonie_Scheuble
    • Leonie_Scheuble

    Die Infektionszahlen gehen runter, die Anzahl der Corona-Toten ist jedoch weiter hoch. Wie kommen diese hohen Todeszahlen zustande?

    RKI-Chef Wieler: "Die meisten Menschen sterben nicht auf Intensivstationen. Offensichtlich sterben viele Menschen außerhalb des Krankenhauses, besonders viele ältere Menschen in Pflegeheimen. (...)
    Im Vergleich zum Frühjahr sterben nun leider viel mehr Ältere. Wir haben immer noch die höchste Inzidenz bei über 90-Jährigen, bei über 80-Jährigen."

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Was könnten Einreisebeschränkungen mit Blick auf das Infektionsrisiko bringen? Brauchen wir sie?

    RKI-Präsident Wieler: "Prinzipiell sind alle Reisen, die nicht gemacht werden, hilfreich, die Verschleppung des Virus zu unterdrücken." Mobilität sei ein "Treiber" der Ausbreitung der Pandemie. Soll wohl heißen: Einreisebeschränkungen würde das RKI prinzipiell nicht ablehnen.

  • Leonie_Scheuble
    • Leonie_Scheuble

    Eine Frage von NBC: Gibt es eine Zusammenarbeit des Paul-Ehrlich-Instituts mit dem russischen Hersteller des Sputnik-Impfstoffs?

    Nein, eine konkrete Zusammenarbeit gibt es nicht, sagt der Institutspräsident Cichutek. Man berate jedoch die russischen Kollegen, solche Kontakte laufen. Zudem gäbe es Gespräche über mögliche Produktionsstätten in Europa.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Warum werden nicht mehr Proben der Coronavirus-Mutation von Hausärzten zur Analyse genutzt?


    "Das denke ich mir ja nicht in meinem Büro aus", so Gesundheitsminister Spahn. Man verlasse sich auf die Einschätzung der Wissenschaft, also unter anderem des Robert Koch-Instituts (RKI). Und gibt die Frage an eben diesen weiter. Wieler räumt ein, dass die angestrebte Sequenzierung noch nicht erreicht sei. Man gehe aber davon aus, dass der Anreiz, der für die Labore geschaffen wurde, dafür sorgen wird, dass das Ziel erreicht wird. Wichtiger als Masse sei Repräsentativität, so Wieler.

  • Leonie_Scheuble
    • Leonie_Scheuble

    Die nächste Frage geht direkt an den Gesundheitsminister, welche Auswirkungen haben die Lieferverzögerungen von AstraZeneca?
    Spahn: "Wir rechnen Stand heute mit 12 Millionen Dosen Pfizer Biontech bis Ende des Quartals. Damit können wir dem Großteil der Prio-Gruppe-1 ein Impfangebot bis Quartalsende machen. Wenn AstraZeneca heute zugelassen wird können wir zusätzlich mit drei Millionen Dosen für Deutschland rechnen. Natürlich werden wir auch die Empfehlungen der Stiko und der EMA bezüglich der Wirksamkeit bei den Ü-65-Jährigen abwarten und dementsprechend bei den Impfungen vorgehen."
    Prof. Addo schließt sich den Äußerungen des Gesundheitsministers an und wirft ein, dass man nicht davon ausgehen könne, dass der Astrazeneca-Impfstoff bei Älteren weniger wirksam sei. Fakt ist, bisher gebe es schlichtweg zu wenige Daten über diese Altersgruppe, so Addo.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Sollte die Impfreihenfolge geändert werden, wenn der Astrazeneca-Impfstoff tatsächlich nur bei Menschen unter 65 Jahren wirksamer sein sollte?


    Gesundheitsminister Spahn: "Ich kann nur dafür werben, die Reihenfolge einzuhalten." Gemeint: Zunächst gebe die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) eine Empfehlung ab. Daraufhin werde man sehen, wie stark gegebenfalls die Hinweise sind und die Zulassung verändern könnten. Anschließend werde die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Empfehlung aussprechen – und könnte "gegebenenfalls" die Impfverordnung in Deutschland anpassen. Sachlich und prozessual sollte man an diesem Weg festhalten, so Spahn. Das sei wichtig für das Vertrauen in den Impfstoff.

  • Leonie_Scheuble
    • Leonie_Scheuble

    Als nächstes kommt eine Frage zur Verteilung der Corona-Medikamente auf Antikörperbasis. Diese hätten zuerst nur an ambulante Patienten verteilt werden sollen, sind mittlerweile jedoch auch in Kliniken im Einsatz.
    Der Gesundheitsminister sagt dazu: "Diese Medikamente werden verteilt - nicht nur in den Uni-Kliniken, aber unter Beobachtung macht es Sinn sie auch dort einzusetzen. Mit jeder Anwendung werden weitere Erkenntnisse gewonnen."

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Gesundheitsminister Spahn äußert sich erneut zur Entnahme von mehren Impfdosen aus einer Ampulle. Er kritisiert, dass dieser Umstand in den USA – wo dies zeitlich später passiert sei als in der EU – als Erfolg dargestellt werde, in der EU und in Deutschland aber kritische Berichte zur Folge hätten. Ohne diese Maßnahme hätte man die aktuellen 400.000 Zweitimpfungen vermutlich nicht erreicht, so Spahn.

  • Florian Schillat
    • Florian Schillat

    Die Eingangsstatements sind nun beendet. Nun geht es in die Fragerunde.

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