VG-Wort Pixel

Nachlassende Immunantwort Biontech-Mitgründerin Türeci hält dritte Corona-Impfdosis für wahrscheinlich nötig

Özlem Türeci Biontech
Özlem Türeci, Mitgründerin des Mainzer Corona-Impfstoff-Entwicklers Biontech
© Bernd von Jutrczenka / DPA
Mit zwei Pieksen ist es wohl langfristig nicht getan: Erst äußerte sich Pfizer-Chef Albert Bourla über eine mögliche dritte Corona-Impfdosis – jetzt zieht Biontech-Mitgründerin Özlem Türeci nach. Im US-Fernsehen verwies sie auf einen bekannten Mechanismus des Immunsystems.

Zwei Impfdosen im Abstand von bis zu sechs Wochen: Das Corona-Vakzin "Comirnaty" von Biontech/Pfizer zählt zu den meistgenutzten Corona-Impfstoffen weltweit. Özlem Türeci, Mitgründerin des Mainzer Biotech-Unternehmens Biontech, sagte am Mittwoch im Gespräch mit dem US-Fernsehsender CNBC, dass Menschen wahrscheinlich eine dritte Dosis des Corona-Impfstoffs benötigen werden. Als Grund nannte Türeci, dass die Immunantwort des Körpers mit der Zeit nachlasse.

"Wir sehen dieses Nachlassen der Immunantworten auch bei Menschen, die gerade erst infiziert waren, und wir erwarten es auch mit dem Impfstoff", sagte die medizinische Geschäftsführerin. Türeci stellte zudem jährliche Corona-Impfungen in Aussicht, ähnlich denen gegen die saisonale Influenza. Jedes Jahr oder alle zwei Jahre könnte dann eine Impfung nötig werden.

Pfizer-Chef hält dritte Dosis für "wahrscheinlich" nötig

Türecis Aussagen decken sich weitgehend mit der Einschätzung von Pfizer-Chef Albert Bourla. Dieser hatte bereits Mitte April – ebenfalls im Gespräch mit CNBC – betont, dass "wahrscheinlich" eine dritte Dosis innerhalb eines Jahres nötig sei. Ein "wahrscheinliches Szenario" sei demnach eine dritte Dosis binnen sechs bis zwölf Monaten und danach jährliche Auffrischungsimpfungen, so Bourla.

Unklar ist derzeit, wie lange der Immunschutz nach einer vollständigen Immunisierung anhält. Pfizer veröffentlichte diesen Monat eine Studie, wonach sein Covid-19-Impfstoff bis zu sechs Monate nach der zweiten Dosis mehr als 91 Prozent wirksam gegen eine Infektion und mehr als 95 Prozent wirksam gegen schwere Krankheitsverläufe war. Daten, die längere Zeiträume abdecken, gibt es bislang allerdings nicht.

Nachlassende Immunantwort: Biontech-Mitgründerin Türeci hält dritte Corona-Impfdosis für wahrscheinlich nötig

Studienergebnisse liegen auch für den Corona-Impfstoff aus dem Hause Moderna vor. Probanden, die zwei Dosen des "Covid-19 Vaccine" erhalten hatten, hätten sechs Monate nach der zweiten Impfung in allen Altersklassen ein weiterhin hohes Niveau an Antikörpern gegen Covid-19 gezeigt, heißt es im "New England Journal of Medicine". Der Impfstoff von Moderna ist wie das Biontech/Pfizer-Vakzin ein mRNA-Impfstoff – er enthält einen Bauplan für das Spike-Protein des Virus.

Corona-Impfungen in Deutschland

In Deutschland wurden nach RKI-Angaben bislang rund 23.660.000 Impfstoffdosen gegen das Coronavirus verabreicht – mehr als 17.930.000 Erstimpfungen und 5.720.000 Zweitimpfungen. Mindestens 21,6 Prozent der Bevölkerung haben damit eine Erstimpfung erhalten. Der Anteil vollständig immunisierter Personen liegt bei 6,9 Prozent.

Den größten Anteil macht dabei das Vakzin "Comirnaty" von Biontech/Pfizer mit rund 17,4 Millionen verabreichten Dosen aus. An zweiter Stelle folgt "Vakzevria", der Vektorimpfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens Astrazeneca (5 Millionen Dosen). Von Modernas "Covid-19 Vaccine" wurden bislang knapp 1,3 Millionen Dosen verwendet.

ikr

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker