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Daten aus UK Schwangerschaft und Delta: Studie gibt Hinweise auf schwerere Krankheitsverläufe

Coronavirus Schwangerschaft Impfung: Eine schwangere Frau sitzt in einem Bett
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Corona-Impfung in der Schwangerschaft nicht pauschal – aber unter bestimmten Bedingungen
© AleksandarNakic / Getty Images
Laut einer britischen Studie erkranken Schwangere mittlerweile häufiger schwer an einer Corona-Infektion als noch vor einigen Monaten. Die Daten untermauern auch, wie sehr Schwangere von Impfungen profitieren. 

Eine Schwangerschaft inmitten der Pandemie: Frauen stellt das unweigerlich vor die Frage, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen sollen oder nicht. Eine pauschale Empfehlung seitens der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es bislang nicht. Allerdings kann die Impfung Schwangeren unter bestimmten Bedingungen angeboten werden – etwa wenn sie bestimmte Vorerkrankungen haben oder wenn sie sich aufgrund ihrer Lebensumstände nicht optimal vor einer Ansteckung schützen können. Verwendet wird dann ein sogenannter mRNA-Impfstoff ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. 

Ob eine Impfung pauschal für bestimmte Bevölkerungsgruppen empfohlen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie sicher und verträglich ist der Impfstoff? Wie groß ist sein Nutzen? Und wie schwerwiegend sind Verläufe mit der Erkrankung, die der Impfstoff verhindern soll? Zu der letzten Frage liefert eine aktuelle Studie aus Großbritannien weitere Informationen.

Häufiger schwere Krankheitsverläufe unter Schwangeren

Die als Preprint veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Schwangere mittlerweile häufiger schwer an Covid-19 erkranken als noch vor einigen Monaten. Die Beobachtung fällt mit der Ausbreitung neuer Virusvarianten wie Alpha und Delta zusammen.

Für die Studie wertete das Forscherteam um Nicola Vousden (University of Oxford) Daten von 3371 schwangeren Frauen aus Großbritannien aus. Sie alle waren nachweislich mit dem Coronavirus infiziert und zeigten Symptome. Nicht bei allen war die Corona-Erkrankung der Grund für den Krankenhausaufenthalt – bei einigen erkrankten Frauen stand die Niederkunft bevor. 

Der Anteil an Frauen, der moderate bis schwere Symptome entwickelte, nahm mit der Verbreitung neuer Virusvarianten "signifikant" zu, schreiben die Forschenden. Da nicht für jede Frau Informationen vorlagen, an welcher Virusvariante sie erkrankt war, orientierten sich die Wissenschaftler an Zeiträumen, in denen einzelne Virusvarianten besonders dominant waren.

So folgerten sie, dass sich Frauen, die zwischen Anfang März und Ende November 2020 im Krankenhaus behandelt wurden, sehr wahrscheinlich mit der Ursprungsvariante des Coronavirus infiziert hatten, dem sogenannten Wildtyp. Den Zeitraum ab Anfang Dezember 2020 bis Mitte Mai 2021 brachten die Forscher mit Alpha-Infektionen in Verbindung; die Wochen ab Mitte Mai bis einschließlich 11. Juli 2021 schließlich mit der als besonders ansteckend geltenden Delta-Variante

Zu Beginn der Untersuchung (Wildtyp-Zeitraum) lag der Anteil moderat bis schwer erkrankter Frauen bei 24,4 Prozent und stieg während des Alpha-Zeitraums auf 35,8 Prozent. Zuletzt kletterte der Wert auf 45 Prozent (Delta-Zeitraum). Verglichen mit dem Wildtyp-Zeitraum benötigten Schwangere im Alpha-Zeitraum zudem häufiger Unterstützung beim Atmen (27,2 vs. 20,3 Prozent), sie bekamen häufiger eine Lungenentzündung (27,5 vs. 19,1 Prozent) und mussten häufiger auf der Intensivstation (11,3 vs. 7,7 Prozent) behandelt werden. 

Schwangere, die während des Delta-Zeitraums eingeliefert wurden, entwickelten zudem noch einmal etwas häufiger Lungenentzündungen – in 36,8 Prozent der Fälle verglichen mit 27,5 Prozent in der Alpha-Phase. Bei all diesen Prozentzahlen ist allerdings zu beachten, dass sie sich nicht auf die Gesamtheit aller infizierten Schwangeren beziehen, sondern auf die in der Studie untersuchten Frauen, die ohnehin Symptome zeigten und in einem Krankenhaus behandelt wurden. 

Auffallend war zudem: Zwischen Anfang Februar 2021 und Mitte Juli 2021 wurde keine vollständig geimpfte Schwangere mit einer Coronavirus-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert. Aussagen über einen früheren Zeitraum sind nicht möglich, da erst ab Anfang Februar damit begonnen wurde, Informationen zu dem Impfstatus zu erheben.

Gesamtrisiko für Schwangere "gering"

In Großbritannien wird die Corona-Impfung allen Schwangeren bereits seit einigen Monaten empfohlen. Als Risikofaktoren für schwere Verläufe gelten unter anderem bestimmte Vorerkrankungen wie eine Immunschwäche, Diabetes, Bluthochdruck und Asthma. Auch Übergewicht und ein Alter über 35 Jahren werden von der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) als Risikofaktoren aufgeführt.

Zwar sei das Covid-19-Gesamtrisiko für Schwangere und deren Kinder "gering", betont die Behörde. Dennoch seien infizierte Schwangere gefährdeter als gleichaltrige Frauen, die nicht schwanger sind. Insbesondere in den letzten Schwangerschaftswochen könnten erkrankte Frauen auf eine Behandlung im Krankenhaus angewiesen sein.

Andrew Shennan, Professor für Geburtshilfe am King’s College London, sprach gegenüber dem "Science Media Centre" von einer "wichtigen Studie". Dass keine geimpfte Frau in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, unterstreiche die Bedeutung der Impfung auch in der Schwangerschaft, so Shennan. Es sei zudem "wahrscheinlich", dass die Virusvarianten auch in anderen Bevölkerungsgruppen zu schwereren Verläufen führten. In dieser Studie sei jedoch nur der Krankheitsverlauf bei Schwangeren untersucht worden.

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Bei der Interpretation der Daten ist jedoch Vorsicht angebracht. Zum einen handelt es sich um eine sogenannte Preprint-Studie – die Ergebnisse wurden also noch nicht von unabhängigen Experten geprüft. Zum anderen können die Forschenden nicht zweifelsfrei ausschließen, dass einzelne Schwangere nicht doch mit anderen Virusvarianten infiziert waren oder dass weitere Faktoren die Krankheitsschwere oder die Behandlung beeinflusst haben könnten, zum Beispiel veränderte Aufnahmekriterien der Kliniken. 

Das Forscherteam kontrollierte mehrere dieser potenziellen Faktoren, darunter auch bestehende Vorerkrankungen der Frauen. "Sie kamen jedoch zu dem Schluss, dass die in der Studie berücksichtigten Frauen gleich behandelt worden seien und dass es die späteren Varianten waren, die zu den schwereren Verläufen geführt hatten", betont Shennan. 

Quellen: Preprint-Studie / Science Media Centre

ikr

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