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Theorie zum Ausbruch: Forscher: Coronavirus könnte aus Fledermaus-Labor auf Fischmarkt in Wuhan gelangt sein

Stammt das neuartige Coronavirus womöglich doch aus einem Labor? Was Verschwörungstheoretiker schon länger vermuten, sehen zwei chinesische Forscher zumindest als eine mögliche Theorie. Allerdings mit einem anderen Hintergrund.

Coronavirus - Fischmarkt Wuhan - Labor

Ein mit Schutzmaske ausgestatteter Sicherheitsmann bewacht den Fischmarkt in Wuhan, der als mutmaßlicher Ausbruchsort des Coronavirus gilt (Archivbild)

AFP

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Coronavirus (Covid-19) steigt weltweit noch immer an. Allein in China haben sich seit dem Ausbruch mehr als 70.000 Menschen angesteckt, das Land verzeichnete bis Montag rund 1770 Todesfälle, wie die Gesundheitskommission in Peking mitteilte. Besonders schwer betroffen ist die 60 Millionen Einwohner zählende Provinz Hubei, zu der auch die Millionenstadt Wuhan gehört. In der weitgehend abgeschotteten Krisenregion sind 58.000 Infektionen und 1696 Todesfälle bestätigt worden. Experten befürchten jedoch eine hohe Dunkelziffer. 

Obwohl Fachleute vermuten, dass die Quelle des Coronavirus ein Wildtier auf einem Fischmarkt in Wuhan war, kursieren unverändert zahlreiche Verschwörungstheorien (hier können Sie besonders abstruse Falschinformationen und Gerüchte nachlesen), wonach Covid-19 seinen Ursprung unter anderem in einem mit Biowaffen experimentierenden Labor haben könnte. Dieses Labor-Gerücht, wenn auch ohne Biowaffen-Hintergrund, wird nun auch durch eine Theorie zweier Wissenschaftler aus China genährt, wie zunächst "t-online.de" berichtete. 

Forscher: Sicherheitslücke in Labor könnte Virus freigesetzt haben

Dem Bericht zufolge halten es die Forscher Botao Xiao und Lei Xiao für möglich, dass das Virus aus einem weniger als 300 Meter vom verdächtigen Fischmarkt gelegenen Labor stammen könnte, in dem auch an Fledermäusen geforscht wird. Die Tiere gelten neben Flughunden als mögliche Überträger neuer Coronaviren – auf dem Markt in Wuhan wurden Fledermäuse bisherigen Erkenntnissen zufolge jedoch nicht angeboten.

Ihren Verdacht, Covid-19 könne aufgrund einer Sicherheitslücke des Labors auf den Markt gelangt sein, äußerten die Wissenschaftler laut "t-online" bereits am vergangenen Freitag in einem Beitrag auf der Forschungsdatenbank "researchgate.net". Demnach hatten sich die Forscher mit möglichen Ursprüngen des Virus beschäftigt und waren dabei der Frage nachgegangen, ob und wo in Wuhan mit Viren in Fledermäusen geforscht wird. Ihr Ergebnis: Neben einem weiteren Labor geschehe dies auch im Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention, das gerade einmal 280 Meter entfernt vom mutmaßlichen Ausbruchsort gelegen ist.  

Beitrag nachträglich von Forschungsdatenbank gelöscht

Belastbare Beweise für ihre Theorie liefern Botao Xiao, Professor an der South China University of Technology , und sein Co-Autor nicht. Vielmehr seien weitere Studien nötig, um einen möglichen Zusammenhang nachweisen zu können. Ob es also tatsächlich eine Panne in dem Labor gab, ist völlig unklar. Was jedoch verwundert: Der Beitrag ist seit Samstag nicht mehr auf dem Forschungsportal zu finden, ebenso ist Xiaos Profil verschwunden. Eine entsprechende Anfrage von "t-online" ließ Xiao dem Bericht zufolge unbeantwortet, auch habe das Zentrum für Seuchenbekämpfung und -prävention keine Auskunft zu dem Sachverhalt erteilt.

Zeitlich fällt die Löschung des Beitrags dem Bericht zufolge auf eine laut chinesischen Medien ebenfalls am Samstag herausgegebenen Erklärung des Wissenschaftsministeriums, wonach die Sicherheit in mit Viren arbeitenden Laboren erhöht werden müsse. Ob da ein Zusammenhang besteht: ebenfalls unklar. Fest steht indes, dass Xiaos nachträglich entfernter Beitrag von der National Natural Science Foundation of China gefördert wurde, einer Organisation, die dem chinesischen Staatsrat, dem höchsten Verwaltungsorgan der Volksrepublik, direkt angeschlossen ist. Vor dem Hintergrund, dass sich China in Sachen proaktiver Informationspolitik in den vergangenen Wochen nicht besonders positiv hervorgetan hat, hinterlässt dies zumindest einen Beigeschmack.

Quellen: "t-online.de" / Bericht auf "reaserachgate.net" (archivierte Version)

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