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Schmierinfektion Coronavirus: Sind Griffe und Türklinken eine Gefahr?





Das Coronavirus hat viele Menschen in Deutschland für das Thema Hygiene sensibilisiert, besonders auf regelmäßiges und gründliches Händewaschen wird hingewiesen. Was häufig vergessen wird: Unsere Smartphones sind regelrechte Keimschleudern und Träger von Viren und Bakterien. Ein schockierender Vergleich: Auf einem Smartphone befinden sich etwa zehnmal mehr Bakterien als auf einer Toilettenbrille. In diesem kurzen Video zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihr Smartphone richtig reinigen und desinfizieren.
Bevor Sie anfangen, ist es zunächst wichtig, Ihr Smartphone auszuschalten. Um die Oberflächen zu reinigen, eignet es sich ein sauberes, faserfreies Tuch zu befeuchten und anschließend auszuwringen. Nun das Smartphone ordentlich von allen Seiten abwischen. Besonders die Frontseite sollte mehrfach und besonders gründlich gereinigt werden. Wichtig: Glasreiniger und Spülmittel sollten auf keinen Fall verwendet werden, weil so nämlich die fett- und schmutzabweisende Beschichtung beschädigt werden könnte.
Um das Smartphone zu desinfizieren, sollte man entweder zu speziellen Hygienetüchern oder zur Desinfektion ohne Alkohol greifen. Denn Alkohol kann die Schutzschicht des Smartphones angreifen. Das Mittel sollte anschließend nicht direkt auf den Bildschirm, sondern zunächst auf ein Tuch gesprüht werden, mit dem das Gerät von allen Seiten gründlich desinfiziert wird.
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Das Coronavirus überlebt bis zu drei Tage auf Plastik und Edelstahl-Türklinken, heißt es in einer Studie. Sollte man deshalb permanent Handschuhe tragen? Nicht unbedingt, meint Virologe Christian Drosten. Er hält eine andere Maßnahme für wichtiger.

Um eine Infektion mit dem Coronavirus zu vermeiden, setzen einige Menschen auf die Kombination von Atemmaske über Mund und Nase und übergestülpten Handschuhen. Der Mundschutz soll vor hustenden Mitbürgern schützen, die Handschuhe eine versehentliche Schmierinfektion von Türklinken, Klingeln oder dem Haltegriff in Straßen- und U-Bahnen verhindern.

Auf Kupfer seien lebensfähige Coronaviren bei Labortests bis zu vier Stunden, auf Pappe bis zu 24 Stunden und auf Plastik und rostfreiem Stahl sogar bis zu drei Tage nachweisbar gewesen, hieß es vor wenigen Tagen in einer Studie der Universität Princeton, die in Windeseile die sozialen Netzwerke eroberte.

Doch wie aussagekräftig ist diese Untersuchung überhaupt? Der Virologe Christian Drosten (lesen Sie hier ein Porträt über ihn) von der Charité in Berlin meint: nicht besonders.

Drosten hält Aussagekraft für gering

In seinem Podcast "Das Coronavirus-Update", der vom NDR produziert wird, erklärt Drosten, dass bei der Studie einige Fragen offen seien und es schwierig sei, aus den Daten konkrete Ableitungen für die Praxis zu ziehen. "Es ist gar nicht klar, wie viel Virus in welcher Form auf diese Testoberflächen aufgetragen wurde", sagt er. "Da steht einfach nur, da wurde Virus auf die Oberfläche gegeben. Aber es ist ein großer Unterschied, ob dieses Virus in einem großen oder in einem kleinen Flüssigkeitstropfen ist - oder in einem Tropfen, der fast gar kein Volumen hat", führt er weiter aus.

Handschuhe sind in der Coronakrise nicht zwingend für alle Menschen nötig, regelmäßiges Händewaschen und Abstandhalten sind in der Regel ausreichend.
Handschuhe sind in der Coronakrise nicht zwingend für alle Menschen nötig, regelmäßiges Händewaschen und Abstandhalten sind in der Regel ausreichend.
© Getty Images

Dann geht Drosten ins Detail: "Egal, welche Oberfläche mit Virus belegt wurde, schon nach acht Stunden - also zwischen acht und 24 Stunden - gibt es keinen Messwert mehr. In diesem Intervall fällt das Virus in seiner Infektiosität ganz rapide ab, und zwar praktisch auf allen Oberflächen gleich oder ähnlich." Sein Verdacht sei, dass die Oberfläche gar nicht die Ursache dafür sei, sondern dass die acht Stunden jener Zeitraum seien, bevor das Flüssigkeitströpfchen mit Virus komplett durchgetrocknet sei.

Abstand vermeiden ist wichtiger

Mit einer realen Situation sei der Vorgang nicht vergleichbar, führt er fort. "Wenn wir uns zum Beispiel in die Hand husten, klebt Virus an der Hand. Wenn wir dann auf eine Türklinke fassen, ist der Flüssigkeitsfilm, der dann auf der Türklinke kleben bleibt, fast nicht mehr zu messen. Der trocknet vielleicht viel schneller durch als dieses Tröpfchen, das man da im Labor auf die Oberfläche bringt."

Zusammengefasst sagt Drosten, man müsse mit solchen wissenschaftlichen Daten vorsichtig sein. "Die sind nicht falsch. Aber sie sind so simpel, dass die reale Infektion damit wahrscheinlich nicht abgebildet wird."

Statt also penibel darauf zu achten, dass man keinen Türgriff mehr berührt und keinen Fahrstuhlknopf mehr drückt, sollte man sich einfach regelmäßig die Hände waschen - und genügend Abstand zu seinen Mitmenschen wahren und wenn möglich Sprechkontakt mit nahen Personen zu vermeiden. 

cf

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