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Coronavirus-Update Masken, Immunität, Quarantäne: Drosten meldet sich mit XXL-Podcast-Folge zurück

Sandra Ciesek und Christian Drosten
Neue Expertin für den Podcast das "Coronavirus-Update": Neben dem Berliner Virologen Christian Drosten wird künftig auch Sandra Ciesek (l.), Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, ein regelmäßiger Gesprächsgast sein. Drosten und Ciesek wollen sich wochenweise abwechseln. 
© DPA
Neue Forschung zu Corona, Alltagsmasken und die erste nachgewiesene Re-Infektion mit dem Coronavirus: Über diese und weitere Themen hat Christian Drosten in der ersten Folge seines Podcasts nach der Sommerpause gesprochen. 

Die Sommerpause ist vorbei: Nach rund zwei Monaten hat sich der Berliner Virologe Christian Drosten in einer neuen Folge des NDR-Podcasts "Das Coronavirus-Update" zu Wort gemeldet. Offenbar gibt es viel Redebedarf: In mehr als 100 Minuten Gesprächszeit reißt Drosten gleich mehrere aktuelle Themen rund um das Coronavirus an. Die Sendezeit nutzte der Virologe auch, um über den Nutzen von Alltagsmasken aufzuklären.

Das Maskenthema sei "ein komplexes Thema", betonte Drosten. Tröpfchen, etwa durch eine feuchte Aussprache, würden "offensichtlich von einer Maske abgefangen". Gleichzeitig gäbe es eine Schwäche von Masken: Tröpfchen in der ausgeatmeten Aerosol-Luft seien so fein, dass sie sich nicht in dem Stoff einer schlecht sitzenden Maske fangen würden. Sie würden an einer Maske vorbei ein- und ausgeatmet. Bei einem kurzen Gespräch mit einem Infizierten können sie die Infektionsgefahr dennoch senken. Drosten nutzte ein Alltagsbeispiel zur Veranschaulichung.

Man möge sich vorstellen, man unterhalte sich mit jemandem, der Mundgeruch hat, nannte Drosten ein Beispiel. "Dieser Mundgeruch - das sind Aerosole." Wenn beide Gesprächspartner Masken tragen, könne man den Mundgeruch nicht mehr bemerken, so Drosten. Diese "Nicht-Bemerken" könne man auch folglich übersetzen mit: "Da werde ich mich eher nicht mehr so schnell infizieren."

Immunität nach Corona-Erkrankung?

Fast alle Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, sind nach Einschätzung des Virologen zudem für eine gewisse Zeit vor einer erneuten schweren Erkrankung geschützt. Zumindest für den Zeitraum der gegenwärtigen Pandemie dürfte die Immunität anhalten, sagte der Virologe von der Berliner Charité im NDR-Podcast. "Da bin ich sehr zuversichtlich." Im Ausnahmefall könne es möglicherweise bei erneutem Kontakt mit dem Virus zu einer neuerlichen, oberflächlichen Infektion kommen, eine schwere Lungenentzündung dürfte daraus aber nicht werden. Aufgrund der geringeren Viruskonzentration in solchen Fällen sollten daraus auch keine Infektionsketten mehr entstehen.

Die in den vergangenen Tagen berichteten Fälle von neuerlichen Infektionen bezeichnete Drosten als "Raritäten". Sie würden wahrscheinlich epidemiologisch, für die Verbreitung und für die Gefährlichkeit, nicht ins Gewicht fallen. Wissenschaftler würden von solchen Fällen in Mitteilungen berichten, Medien das aufgreifen und zahlreiche Fragen daraus ableiten, etwa hinsichtlich der Immunität oder der Wirksamkeit von Impfstoffen. "Das ist alles nur Aufmerksamkeits-Geheische", sagte Drosten. "Das beschreibt nicht die medizinische Realität und den Normalfall."

Verkürzte Quarantäne-Zeit

In der neuen Folge sprach er sich auch für eine Verkürzung der Quarantänezeit für Menschen mit Verdacht auf eine Coronainfektion von 14 auf 5 Tage aus. Mit diesem Vorschlag gehe er "bis an die Schmerzgrenze der Epidemiologie". "Das ist schon, sagen wir mal, eine steile These, dass man sagt, nach fünf Tagen ist eigentlich die Infektiosität vorbei", so Drosten. Die Überlegung sei aber: "Was kann man denn in der Realität machen, damit man nicht einen de-facto-Lockdown hat?", erklärte er. "Es nützt ja nichts, wenn man alle möglichen Schulklassen, alle möglichen Arbeitsstätten unter wochenlanger Quarantäne hat."

Drosten regte zudem an, die fünf Tage nicht für Tests zu "verschwenden", sondern erst nach Ablauf zu testen, ob die Betroffenen infiziert waren und noch infektiös sind.

Mehr als 50 Folgen des NDR-Podcasts gibt es bereits. Künftig wird Christian Drosten aber nicht mehr der alleinige Experte in dem wöchentlich erscheinenden Format sein. Unterstützung bekommt er von Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Drosten und Ciesek wollen sich alle zwei Wochen abwechseln. 

Untätig war der Virologe trotz Podcast-Pause in den vergangenen Wochen aber keineswegs, wie er in der aktuellen Folge verriet: "Das war ein sehr arbeitsreicher Sommer für mich." Im Prinzip habe er nur zwei Wochen Urlaub gehabt und zuletzt zwei Studien auf den Weg gebracht. Eine drehe sich um die Frage "Verändert sich das Virus?", die andere beschäftige sich mit dem Mers-Virus, einem weiteren Coronavirus. Auch viel Beratungsbedarf habe es in den letzten Wochen gegeben.

Hier können Sie sich die aktuelle Folge anhören.

ikr, mit Agentur DPA

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