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Das große stern Diät-Duell: So gelingt der Start in ein bewegtes Leben

Man müsste ja eigentlich mal - mit dem Laufen anfangen, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und mal wieder ins Fitness-Studio gehen. Doch wie kommt man in Schwung? Eine Fitness-Expertin gibt Tipps.

Wer sich bewegt, nimmt gesund ab. Da sind sich die Forscher einig. Wenn es nur nicht so schwer wäre, mit alten Gewohnheiten zu brechen und zumindest mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf ein neues, gesünderes Programm umzuschalten: Sportstudio statt Sofa. Joggen statt Milchkaffee und Kuchen. Es gibt ein paar Tricks, die es erleichtern, den alten Schlendrian aufzugeben und loszulegen. Sie stammen aus der Hirnforschung und dienen dazu, sich selbst besser zu verstehen - und manchmal auch zu überlisten.

stern.de sprach im Rahmen des großen Diät-Duells mit Kathrin Adlkofer, Neurowissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Hamburger Fitness-Studios "Mei:do". Sie empfiehlt, nur den Sport auszuüben, der wirklich Spaß macht.

Frau Adlkofer, was ist der erste Schritt, sich in Bewegung zu bringen?

Ganz wichtig: Man sollte Sport nicht alleine machen, sondern im Team. Deshalb ist auch ein Personal Trainer durchaus sinnvoll. Er kostet Geld. Und wenn der in der Tür steht, kann man nicht sagen: Ach nö, ich hab jetzt keine Lust. Wenn man sich den nicht leisten kann oder will, können Freunde die gleiche Funktion erfüllen. Ich will mich auch nicht alleine durch ein Center quälen.

Ist es gut, überall zu verkünden, dass man jetzt Sport macht?

Oh ja, das kann funktionieren. Das ist wie mit dem Rauchen aufhören. Nach außen kommunizieren ist der erste Schritt zur Veränderung.

Und dann?

Man muss sich ein Ziel setzen. Das können ganz banale Dinge sein. Vielleicht ist mein echtes Ziel, auf der Party einen Mini-Rock zu tragen oder den Bikini am Strand. Oder ich will nackt gut aussehen, möchte vor dem Spiegel stehen und sagen, "Hallöchen", das gefällt mir, was ich hier sehe.

Was mache ich, wenn der Weg dorthin doch steiniger ist als gedacht?

Man sollte nicht nur das große Fernziel im Augen haben, sondern unbedingt kleine Etappensiege feiern. Jeder Fortschritt, den ich mache, kann ein Grund zum Feiern sein. Auch hier heißt das Zauberwort Motivation. Herauszufinden, was mich intrinsisch, also im Innersten, motiviert. Das ist ein Prozess, den man lernen kann. Es geht darum, Hürden zu erkennen und die Ziele den persönlichen Möglichkeiten anzupassen. Was nützt mir die Zielvorstellung, einen Marathon laufen zu wollen, wenn ich nur ein Mal in der Woche Zeit habe zu trainieren. Aber vielleicht schaffe ich ja den Halbmarathon. Man muss immer die Gesamtsituation im Blick haben. Was will, was kann ich durch Sport erreichen?

Viele starten mit großem Elan, halten dann aber doch nicht lange durch. Gibt es Tricks, diese Falle zu umgehen?

Man sollte wissen, dass bei den meisten dieser Durchhänger irgendwann kommt. Es ist sinnvoll, diesen Zustand für einen Moment zu akzeptieren und sich dann einen neuen Startpunkt zu setzen. Ganz wie zu Anfang mit allen Zielvorgaben. Auf keinen Fall jeden Tag am eigenen Unvermögen leiden.

Was kann helfen, erneut durchzustarten?

Es gibt viele kleine technische Helfer, über die sich meine sportliche Aktivität und meine Fortschritte messen lassen. Sie sind ganz einfach am Handgelenk zu tragen und messen zum Beispiel, wie viele Schritte ich gemacht oder wie viele Kalorien ich verbraucht habe. Ich kann Tagesziele einstellen und werde gefeiert, wenn ich die erreicht habe. Das Gute daran, man kann auch kleine Fortschritte in der Bewegung sofort ablesen. Die Motivation über technische Geräte ist nicht zu unterschätzen, denn man sieht, was man geleistet hat. Das ist ein wichtiger Punkt.

Nach welchen Kriterien soll ich meine sportliche Betätigung auswählen?

Brain runs on fun. Man kann sich nur für Dinge motivieren, die einem Spaß bringen. Nur dann werden Glückshormone ausgestoßen. Je weniger Spaß man beim Sport hat, desto kürzer hält man das durch. Deshalb ist ja auch die soziale Interaktion so wichtig. Warum nicht einen Event daraus machen? Gemeinsam mit Freunden ins Fitness-Studio oder zum Laufen verabreden und hinterher geht man noch ein Glas Wein trinken. Oder einen Tee. Suchen Sie sich die richtigen Leute aus, mit denen Sie gerne Zeit verbringen. Dann bringt auch der gemeinsame Sport Spaß.

Ist sportliche Betätigung die Grundvoraussetzung für ein langes, gesundes Leben?

Noch steht nicht fest, ob das wirklich so ist. Dieses Dogmatische finde ich auch völlig falsch. Ich finde es okay, wenn jemand ohne Sport ein erfülltes Leben führt. Vielleicht reicht es zum Glücksein, sich mit Menschen zu treffen, die man mag. Vielleicht kann man sich auch ganz anders bewegen. Wer genug Zeit hat, könnte sich einen Hund anschaffen und lange Spaziergänge machen. Der Hund ist auch eine Art Personal Trainer. Da kann ich auch nicht sagen, ich habe heute keine Lust. Das Tier muss raus und sich bewegen. Und der Halter muss mitmachen.

Ein Tier als Sportpartner?

Warum nicht? Da sind wir wieder bei der Motivation. Sie ist das "A" und "O" für meine Bereitschaft, etwas zu verändern.

Tatsache ist, dass wir in einer körperbetonten Zeit leben. Nur der superschlanke, auf Idealmaß getrimmte Körper verheißt persönliches Glück und Anerkennung.

Wirklich schade, dass wir nicht in der Rubens-Zeit unterwegs sind. Dann hätten wir jetzt ein echt entspanntes Leben. Damals waren Kurven total hip. Aber das, was uns als Idealkörper da in den Medien präsentiert wird, entspricht häufig auch nicht der Realität. Diese 45-Jährigen, die aussehen, als seien sie 25, verdanken ihre Makellosigkeit der modernen Computertechnik. Auch Stars haben Zellulitis, aber wir leben halt im digitalen Zeitalter, wo uns Dinge suggeriert werden, die einfach nicht stimmen. Um so wichtiger ist es, Frieden zu schließen mit sich selbst und auf keinen Fall unerreichbaren Idealen hinterher zu hecheln.

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Interview: Irmgard Hochreither
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