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Pflegekräfte und Ärzte: Tausende unbesetzte Stellen - Personalnot in deutschen Kliniken immer schlimmer

Drei von vier Krankenhäusern suchen Ärzte, 17.000 Pflegestellen sind vakant: Das Deutsche Krankenhausinstitut hat sein Krankenhaus-Barometer veröffentlicht - mit dramatischen Zahlen.

Personalmangel: Medizinisches Personal versorgt in einem Krankenhaus einen Patienten.

Die Zahl der unbesetzten Pflegestellen in Krankenhäusern ist stark gestiegen

DPA

Viele Kliniken in Deutschland haben Schwierigkeiten Pflegestellen zu besetzen. Bundesweit sind rund 17.000 Pflegestellen vakant, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervorgeht. Vier von fünf Krankenhäusern hätten aktuell Probleme, Stellen im Pflegedienst auf den Allgemeinstationen zu besetzen. Je größer die Klinik ist, desto größer ist demnach das Problem. Zudem suchen drei von vier Krankenhäusern Ärzte.

Fast jedes Krankenhaus ab 600 Betten kann der Umfrage zufolge derzeit offene Pflegestellen nicht besetzen. Ähnlich dramatisch wie auf den Allgemeinstationen seien die Probleme in der Intensivpflege.

Stark zugenommen hat demnach auch die Beschäftigung von Leih- oder Zeitarbeitskräften. Jedes zweite Krankenhaus stellte sie auf Allgemeinstationen ein, ihr Anteil hat sich im Vergleich zum Jahr 2015 nahezu verdoppelt. Die Fluktuation von Pflegekräften stieg vor allem in großen Krankenhäusern.

Gesperrte Betten

"Die Situation verschärft sich dramatisch", erklärte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß. "Die Politik muss dringend wirksame Gegenmaßnahmen zur Entlastung des Personals ergreifen, sonst steuern wir auf eine ernste Versorgungskrise hin." So müsse die Bürokratielast endlich konsequent abgebaut werden.

Der Fachkräftemangel habe bereits dazu geführt, dass vielerorts Dienstleistungen nicht mehr angeboten werden können. In jedem dritten Krankenhaus mussten demnach zeitweise Intensivbetten gesperrt und einzelne Fachbereiche vorübergehend von der Notfallversorgung abgemeldet werden.

"Wir brauchen die Unterstützung der Politik, um diese immense Aufgabe bewältigen zu können", betonte Gaß. Die Kliniken versuchten mit vielfältigen Maßnahmen schon seit einiger Zeit, mehr Auszubildende zu gewinnen und Pflegende im Beruf zu halten. "Auch wenn mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen, wird dies nicht reichen, um den künftigen Bedarf an Pflegekräften zu decken", sagte der DKG-Präsident. "Wir brauchen dringend mehr Möglichkeiten der Delegation und Substitution von Pflegeleistungen auf Pflegehilfskräfte."

Die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna, erklärte: "Der Personalnotstand in den Krankenhäusern ist nicht vom Himmel gefallen." Er habe seine Ursache in einem "politisch gewollten Kostenwettbewerb und einer ständig steigenden bürokratischen Überlast".

Die Politik müsse "endlich für bessere Rahmenbedingungen sorgen", forderte Johna. Die Vakanzen in der Pflege seien auch Ausdruck von mangelnder Wertschätzung: "Der Pflegeberuf braucht mehr Anerkennung. Das muss sich auch in einer besseren Vergütung niederschlagen."

Gefährdete Patienten?

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte davor, dass durch die Unterversorgung mit Pflegepersonal und Ärzten "die Patientengesundheit zunehmend gefährdet" wird. Er forderte neben einer besseren Bezahlung von Pflegekräften die schnelle Einführung einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. "Nur so werden wir genügend Menschen für den Pflegeberuf gewinnen können", sagte Lauterbach dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstagsausgabe).

Collage: Operationssaal, Stern-Reporter Bernhard Albrecht

Das jährlich erstellte, repräsentative Krankenhaus-Barometer wird im Auftrag der Träger des DKI erstellt, das sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und der Verband der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK). Schriftlich befragt wurden Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten. Es beteiligten sich insgesamt 268 Kliniken.

ikr / AFP

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