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Diät-Mythen: Von Pu-Erh-Tee und Negativkalorien

Macht "light" wirklich schlank? Kann man den Speck in der Sauna einfach wegschwitzen? Und macht Fett nun dünn oder dick? Die zehn hartnäckigsten Diät-Mythen werden hier entlarvt.

Von Angelika Unger

Wer schlank werden will, muss Diät halten.
Im Gegenteil - Diäten machen nicht etwa dünn, sondern dick. Und eigentlich weiß das auch jeder, der schon einmal eine Diät ausprobiert hat: Da wurden die lästigen Pfunde in wochenlanger Enthaltsamkeit mühsam abgehungert - danach einmal richtig zugeschlagen, und schwupp, ist der Speck wieder auf den Hüften.

Warum das so ist? Als unsere Vorfahren noch im Lendenschurz durch die Wälder hüpften, mussten sie jagen und sammeln, was da war. Und oft genug gab es einfach nicht genug, um satt zu werden. Ihr Körper reagierte auf solche Situationen, indem er den Grundumsatz senkte: Er stellte sich darauf ein, auch mit weniger Kalorien satt zu werden, und nutzte die vorhandenen Nährstoffe besonders gut aus. Und in guten Zeiten? Da legte er Fettpolster an, von denen er zehren konnte.

Dieses Notprogramm der Urmenschen funktioniert noch heute. Deshalb Finger weg von 1000 Kilokalorien am Tag und lieber langfristig die Ernährung umstellen.

Light-Produkte machen schlank.

Millionen Amerikaner sind der traurige lebende Gegenbeweis für die These. Light-Produkte enthalten zwar weniger Fett, aber dafür meist umso mehr Zucker. Denn Fett ist ein Geschmacksträger - ohne Fett schmecken viele Lebensmittel einfach langweilig. Hinzu kommt, dass viele Menschen dazu neigen, mal eben eine Scheibe Light-Käse mehr aufs Brot zu legen - "ist ja gesund".

In der Sauna schwitzt man das Fett einfach weg.

Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält - und tatsächlich zeigt die Waage nach einem Besuch in der Sauna weniger an als vorher. Das liegt jedoch leider nicht daran, dass die Hitze die Fettverbrennung ankurbelt, sondern am Schweiß, der aus den Poren rinnt. Und der besteht nun einmal nicht aus Fett, sondern zum allergrößten Teil aus Wasser.

"Negative Kalorien" sind ein Geheimtipp, wenn man abnehmen will.

Sellerie soll dazugehören, Spargel und Grapefruit - zu den Nahrungsmitteln, die dem Körper weniger Kalorien zuführen, als für ihre Verdauung verbraucht werden. Tatsächlich ist diese Behauptung aber grober Unsinn: Es gibt schlicht keine Lebensmittel mit "negativen Kalorien".

Wer abnehmen will, darf kein Fleisch essen.

Warum denn nicht? Fleisch enthält wichtige Nährstoffe wie Eisen und Zink und viel Eiweiß; deshalb sind fettarme Fleischarten wie Rinderfilet oder Hähnchenbrust perfekt für alle, die sich gesund ernähren wollen. Hackfleisch oder Eisbein hingegen fallen nicht unbedingt unter die Kategorie Slim Food - aber das gilt schließlich ebenso für vegetarische Kalorienbomben wie Pommes, Schokoladentorte oder Nudeln in Käse-Sahne-Sauce.

Pu-Erh-Tee ist ein Wundermittel gegen den Speck.

Wenn es nur so einfach wäre! Aber leider kann man überzählige Kilos mit Pu-Erh-Tee genauso wenig wegzaubern wie mit allen anderen vermeintlichen "Geheimtipps". Dass der Tee nicht wirkt, ist aber nicht wirklich tragisch - denn ganz ehrlich: Er schmeckt fürchterlich!

Fett macht dick.

Viele Menschen glauben, dass Kalorien aus Fett gleich auf die Hüften wandern, im Gegensatz zu denen aus Eiwiß oder Kohlenhydraten. Das stimmt aber nicht, denn dem Körper ist es völlig egal, woher die Kalorien stammen - wer mehr futtert, als er verbraucht, nimmt zu.

Richtig ist allerdings: Ein Gramm Fett enthält neun Kilokalorien und damit doppelt so viel wie ein Gramm Eiweiß oder Kohlenhydrate. Bereits eine halb so große Portion liefert also den gleichen Nährwert.

Fett macht dünn.

Es war der amerikanische Arzt Robert Atkins, der die Antithese zum Low-Fat-Wahn formulierte und sich damit einen Platz in den Herzen all derer sicherte, die zum Frühstück auf fetttriefende Spiegeleier mit Bacon stehen: Esst so viel Fett und Eiweiß, wie ihr wollt, Hauptsache, ihr verzichtet auf Kohlenhydrate.

Dumm nur, dass es bei der Atkins-Diät zu Mangelerscheinungen kommen kann und Studien zufolge auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Und auch dass sie schlank macht, gilt in Expertenkreisen als ausgesprochen fraglich.

Fünf Mahlzeiten sind besser für die schlanke Linie als drei.

Die Empfehlungen zu diesem Thema sind widersprüchlich: Einige Experten raten zu nur drei Mahlzeiten täglich, da der Körper nach jeder Mahlzeit Insulin ausschüttet und ein hoher Insulinspiegel den Abbau von Fett blockiert. Andere Ratgeber wiederum empfehlen fünf Mahlzeiten, da der Blutzuckerspiegel dann nie ganz in den Keller geht und dadurch Heißhungerattacken ausbleiben.

Fakt ist aber: Wer zusätzlich zu drei normal großen Hauptmahlzeiten noch zwei kleine isst, muss sich nicht wundern, wenn er zu- statt abnimmt. Die Theorie kann nur funktionieren, wenn man mit fünf Mahlzeiten insgesamt nicht mehr Kalorien zu sich nimmt als mit drei. Studien haben aber gezeigt, dass viele Menschen die Kalorien gerade bei Snacks oft unterschätzen. Die Regel "Fünf am Tag" darf kein Hintertürchen sein, um zweimal am Tag zu naschen - erlaubt sind nur gesunde Snacks wie Obst oder Salat.

Vielen Menschen fällt es außerdem schwer, mit dem Essen aufzuhören, wenn sie einmal angefangen haben. Für sie ist es leichter, wenn sie nur dreimal täglich in Versuchung geführt werden.

Wer abnehmen will, sollte auf das Abendessen verzichten.

Ach ja, der Dinner-Cancelling-Mythos. Auch wenn es schwer zu glauben ist: Entscheidend ist nicht, wann man isst, sondern was und wie viel. Wenn Sie also zu den Menschen gehören, die ohne Abendessen nicht schlafen können, quälen Sie sich nicht mit knurrendem Magen. Essen Sie - maßvoll, versteht sich.

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