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Fitness: Fett weg!

Viele Übergewichtige nehmen eisern ab - und wenige Monate später sind die Pfunde wieder da. Auch Stephan Bartels kämpft seit Jahren gegen den Jo-Jo-Effekt. Jetzt will er endgültig gewinnen: mit viel Sport und ausgewogener Ernährung. Begleiten Sie ihn auf seiner Diät-Mission.

Von Torben Müller

Stephan Bartels reicht's, er hat endgültig zu viel. Zu viel Masse an Beinen, Armen und vor allem am Bauch. Bei fast jeder Bewegung kann der 38-Jährige die überschüssigen Kilo spüren. Wie ein fleischgewordenes schlechtes Gewissen trägt er das Übergewicht seit Jahren mit sich herum - und muss zunehmend mehr schleppen. Jetzt soll endlich Schluss sein damit: Das Fett muss weg.

April 2006: In Turnhose und Fußballtrikot steht Bartels auf der Waage im Institut für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg und schiebt das Ausgleichsgewicht des Geräts ganz langsam nach rechts. 104, 105, 106 Kilo - die beiden Nasen am Rand des mechanischen Gewichtmessers bewegen sich aufeinander zu, doch noch immer klafft eine Lücke zwischen ihnen. Waagen sind gnadenlos. Bartels weiß das, deshalb hatte der Journalist mit seiner eigenen monatelang einen Waffenstillstand geschlossen: Sie ließen sich gegenseitig in Ruhe.

"16 Kilo zu viel"

Das Gewicht rutscht weiter nach rechts. Erst als es bei 108 Kilogramm einrastet, bilden die Nasen eine gerade Linie. "16 Kilo zu viel", sagt Bartels. Er will innerhalb eines halben Jahres die 92 schaffen. Warum ausgerechnet 92 Kilogramm? "Das ist mein Hochzeitsgewicht, und das bin ich meiner Frau schuldig. Die hat mich nämlich nicht so dick gekauft."

Viele Jahre musste sich Bartels über sein Gewicht kaum Gedanken machen. "Kräftig bin ich schon immer gewesen", sagt er. Aber durch Fußball, Volleyball und Radfahren blieb der ehemalige Sportstudent unter der 90-Kilo-Marke. Als er 1992 seine heutige Frau kennen lernte, wog der 1,76 Meter große Mann 83 Kilogramm.

Dann kam 1993 sein Sohn auf die Welt. "Kind, Sport und auch noch nachts ein Studentenjob bei der Post, das ging jetzt nicht mehr", sagt Bartels. Weil Familie und Geldverdienen Vorrang hatten, strich er das Training - "ein schwerwiegender Fehler". Denn statt die Energie wie gewohnt beim Sport zu verbrennen, speicherte der Körper sie in immer größeren Fettdepots. Innerhalb von sieben Jahren legte er auf 115 Kilogramm zu. Es musste etwas passieren.

Eine Diät? "Habe ich ausprobiert. Mehrmals." Dabei hat Bartels kräftig abgespeckt - allerdings nur kurzfristig. Beim ersten Versuch im Jahr 2000 nahm er dank Sport und Weight Watchers 27 Kilogramm in sechs Monaten ab, beim zweiten Mal vor seiner Hochzeit 2004 verlor er 16 Kilogramm Gewicht. Doch jedes Mal verflog der Biss schnell, die Sportsachen blieben im Schrank, und alte Essgewohnheiten schlichen sich wieder ein. Rauf, runter, rauf - das Jo-Jo-Leben hat Spuren hinterlassen. Auch in Bartels Kleiderschrank. Dort lagert das komplette Sortiment von M bis XXL, für jedes Gewicht die passende Größe.

Bartels fühlt sich wie ein Wrack

"So geht das nicht weiter", sagt Bartels. "Ich will wieder meine Muskeln spüren, nicht nur das Fettgewebe darüber - und das dauerhaft." Er weiß, was sein Körper am dringendsten braucht: Bewegung. Deshalb ist er ins Hamburger Institut für Sport- und Bewegungsmedizin gekommen. Er will wissen, wie trainingstauglich er überhaupt ist. Sportarzt Dirk Howaldt bescheinigt ihm eine schiefe Halswirbelsäule, einen Beckentiefstand und Knorpelreiben unter der rechten Kniescheibe. Bartels fühlt sich wie ein Wrack. Doch sein Kreislauf ist in Ordnung, Herz und Lungen arbeiten tadellos - keine Chance für Ausreden.

Lediglich die Arthrose in den Knien beunruhigt Howaldt etwas: "Das könnte Probleme geben." Er trägt Bartels deshalb gezieltes Krafttraining für die schlaffe vordere Oberschenkelmuskulatur auf, um die Gelenke zu entlasten. Das geht sogar morgens und abends im Badezimmer: mit einbeinigen Kniebeugen beim Zähneputzen.

Wichtigster Bestandteil des Fett-weg-Trainings ist jedoch der Ausdauersport. Weil Laufen die Knie zumindest am Anfang zu sehr belastet, soll Bartels die Kilos lieber mit Radfahren, Schwimmen und Walken killen. Körperlich spricht nichts dagegen: Beim Fitnesstest auf dem Fahrradergometer attestieren ihm die Ärzte "eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit". Auf Basis einer individuellen Herzfrequenzanalyse empfehlen sie, rund 70 Prozent des Radtrainings mit einem Puls von rund 135 Schlägen pro Minute zu absolvieren. Der Lohn der Arbeit: rund 13 verbrannte Kilokalorien pro Minute.

Die XXL-Klamotten in die Altkleidertonne

"Bei regelmäßigem Training kann man erfahrungsgemäß mit einem Kilo Gewichtsabnahme pro Woche rechnen", sagt Howaldt. Regelmäßig, das heißt drei bis fünf Einheiten in der Woche. Auf diese Weise würde Bartels innerhalb eines halben Jahres sogar rund 25 statt 16 Kilogramm abnehmen. Das wäre schön, müsste aber gar nicht unbedingt sein. "Das Hochzeitsgewicht zu erreichen und vor allem zu halten ist das vorrangige Ziel", sagt er. Im Erfolgsfall könnte auch endlich einmal seine Garderobe abspecken. Bartels: "Dann kommen die XXL-Klamotten endgültig in die Altkleidertonne, und im Schrank ist wieder Platz."

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