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Irreführende Lebensmittelwerbung So tricksen Hersteller mit Gesundheitsslogans


Selbst für Zucker- und Fettbomben werben Lebensmittelhersteller mit den tollsten Gesundheitsversprechen. Dabei nutzen sie ein Schlupfloch im Gesetz. Foodwatch prangert die fragwürdigsten Fälle an.
Von Daniel Bakir

Um den Kunden im Supermarkt zu ködern, versuchen Lebensmittelfirmen gerne Produkte mit zweifelhaften Gesundheitsslogans zu vermarkten. Dem wollte die EU vor einem Jahr eigentlich einen Riegel vorschieben: Die Health-Claims-Verordnung vom Dezember 2012 verbietet alle gesundheitsbezogenen Werbeaussagen, die sich nicht in einem strengen Zulassungsverfahren als stichhaltig erwiesen haben. Für die Verbraucher eigentlich eine gute Sache.

Doch die Lebensmittelhersteller reagierten auf die neuen Spielregeln mit einem simplen Trick: Gesundheitsversprechungen, die sich nicht belegen ließen, änderten sie so ab, dass die Aussage an sich nicht mehr angreifbar ist, aber weiterhin ein Gesundheitsversprechen suggeriert. So wurde etwa bei Nestlés Joghurt LC1 aus "Stärkung natürlicher Abwehrkräfte" der Spruch "Für Ihr Wohlbefinden", weiterhin mit Verweis auf das zugesetzte Calcium. Die reichlich fettige und salzige Salami Ferdi Fuchs bewirbt sich mit zugesetzten Vitaminen als Beitrag zur gesunden Ernährung. "Selbst Süßigkeiten dürfen mit Gesundheits-Claims beworben werden - wenn ihnen Vitamine zugesetzt sind. Eine ausgewogene Ernährung wird so eher verhindert als gefördert", beklagt die Verbraucherorganisation Foodwatch.

Foodwatch hat zum einjährigen Jubiläum der Verordnung einige zweifelhafte Fälle zusammengetragen, die die Kunden auf die falsche Fährte locken. Darunter sind die Energy-Drinks von Red Bull ebenso wie Produkte von Unilever, Nestlé und Danone. Die genannten Firmen reagierten auf Anfrage von stern.de überrascht auf die Vorwürfe und wiesen Irreführung der Verbraucher zurück.

Obwohl viele Hersteller mit ihren Slogans bei der Europäischen Lebensmittelbehörde Efsa nicht durchgekommen sind, ist die Health-Claims-Verordnung nach Ansicht von Foodwatch gescheitert. Die Organisation fordert ein grundsätzliches Verbot von gesundheitsbezogenen Werbeaussagen auf Lebensmitteln.


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