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Essstörungen: Die Haare offenbaren die Wahrheit

Essgestörte sind oft Meister im Leugnen und Verheimlichen. "Ich esse genug, aber ich nehme einfach nicht zu", ist ein oft bemühter Satz. In Zukunft könnten jedoch schon ein paar Haare reichen, um diese Lüge aufzudecken.

Haaranalysen könnten in Zukunft bei der Diagnose von Essstörungen helfen: Forscher aus den USA haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Magersucht und Ess-Brech-Sucht anhand der genauen Zusammensetzung der Kopfhaare mit einer hohen Zuverlässigkeit festgestellt werden können.

Da viele Betroffene Essstörungen leugnen oder verheimlichen würden, könnte diese Methode einen objektiven Hinweis für das Vorliegen einer solchen Störung liefern, sagen die Forscher. Über das Analyseverfahren berichten Kent Hatch von der Brigham Young University in Provo und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Rapid Communications in Mass Spectrometry".

Verräterische Stickstoffatome

Haare bestehen hauptsächlich aus Eiweißverbindungen, die ihnen ihre typische Stabilität verleihen. In den so genannten Haarfollikeln, aus denen die Haare herauswachsen, wird dabei ständig von unten neues Eiweiß an das wachsende Haar angelagert. Die Zusammensetzung dieser Proteine spiegelt die Ernährungsgewohnheiten eines Menschen wider, sagen die Forscher.

Da Haare fortwährend wachsen, repräsentiere ihr Proteinaufbau eine Art Tagebuch des jeweiligen Ernährungszustands, in dem Essstörungen ihre charakteristischen Spuren hinterlassen, schreiben die Wissenschaftler. So baut der Körper beispielsweise mehr Stickstoffatome mit einer ungewöhnlich hohen Masse in die Haarproteine ein, wenn er Gewicht verliert. Genau diese typischen Spuren können Hatch und seine Kollegen nun mit ihrem Analyseverfahren nachweisen. Dabei reichen den Forschern schon fünf Haarproben aus, um bei Betroffenen eine Essstörung mit einer Trefferquote von 80 Prozent zu diagnostizieren.

Endlich unverfälschte Daten

Bislang sind Ärzte hauptsächlich auf die Angaben der Betroffenen bei der Diagnose von Magersucht und Ess-Brech-Sucht, auch Bulimie genannt, angewiesen. Diese Informationen sind meist subjektiv und erfordern Eingeständnisse und Ehrlichkeit von den Patienten. Das Testverfahren könnte nun künftig helfen, objektive Daten für die Diagnose von Essstörungen zu liefern. Genaue Zahlen zur Häufigkeit von Essstörungen gibt es nicht, Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass ein bis fünf Prozent aller jungen Frauen betroffen sind. Nach Aussagen der Forscher muss das Testverfahren allerdings noch weiter verfeinert werden, bis es routinemäßig zum Nachweis von Essstörungen eingesetzt werden kann.

DDP / DDP

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