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Gesundheit: Tödliche Killer

Die Grippe-Viren sind Künstler der Wandlung. So kann ein harmloses Influenza-Virus schnell zu einem Killer mutieren, befürchten Forscher.

Wissenschaftler der University of Wisconsin-Madison haben nachgewiesen, dass ein kleiner genetischer Unterschied Grippe-Viren bösartig macht. auf einem der zehn Gene des Grippe-Virus dafür verantwortlich ist, dass manche Stämme besonders bösartig sind. Die Entdeckung des Teams um Yoshihiro Kawaoka liefert die Erklärung dafür, warum 1997 die Grippe-Epidemie in Hong Kong zu ungewöhnlich vielen Todesfällen geführt hat.

"Wir haben herausgefunden, dass eine bestimmte Anzahl sehr kleiner genetischer Änderungen in einem spezifischen Gen namens PB2 einen großen Effekt auf die Virulenz des Influenza-Virus haben kann", berichtet Dr. Kawaoka vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID). "Weil das Influenza-Virus ständig mutiert und weil nur wenige Änderungen nötig sind um ein nicht-pathogenes Virus schädlich werden zu lassen, sollten wir davon ausgehen, dass jeder Ausbruch eines neuen Viren-Strangs oder -Subtyps potenziell gefährlich für Menschen ist."

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Zwei Stämme: einer tödlich, einer harmlos

Bei ihren Untersuchungen konzentrierten sich die Wissenschaftler auf Proben des H5N1-Virus, das bei der Epidemie in Hong Kong eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Die Forscher fanden heraus, dass eine besonders aggressive Form des Virus, die bei einigen Menschen zum Tode geführt hatten, auch die Mäuse tötete. Hingegen rief eine mildere Variante von H5N1, die von Patienten mit schwächeren Symptomen isoliert worden war, bei den Mäusen ebenfalls nur schwächere Symptome hervor. In der Folge wurden die H5N1-Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe, die bei den Mäusen zu tödlichen Infektionen führte, und eine relativ harmlose.

In einem nächsten Schritt schuf Kawaoka mittels gentechnischer Verfahren Influenza-Viren. Dem systematischen Tausch von schädlichen und harmlosen Viren folgte der Test der neugeschaffenen Viren an den Versuchstieren. Dabei stellte sich heraus, dass das Virus seine Virulenz PB2 verdankt. Durch weitere Tests mit Viren, die Variationen dieses Gens enthielten, wurde schließlich eine winzige Veränderung an einer RNA des Gens als Auslöser für seine Bösartigkeit identifiziert. Die genaue Funktion von PB2 ist derzeit noch nicht erforscht. Laut Kawaoka kodiert das Gen ein Enzym, das eine entscheidende Rolle bei der vermehrten Virenproduktion in den Wirtszellen spielt.

Wilde Wasservögel gelten als natürliche Träger des Influenza-Virus. Sie übertragen das Virus auf Schweine oder Hühner, die es ihrerseits an den Menschen weitergeben. Beim Ausbruch des Virus H5N1 in Hongkong gelang es erstmals, die direkte Übertragung von Hühnern auf den Menschen zu belegen. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurde in der Folge mehr als eine Million Tiere getötet.

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