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Gesundheitsförderung: Millionenbeträge versickern in nutzlosen Programmen

Gesundheitsförderung bringt nichts, meint der Psychologe und Ernährungsexperte Christoph Klotter. Das Ergebnis seiner aktuellen ausführlichen Untersuchung: Die Millionen, die die Krankenkassen für Diät-Kurse und andere Programme ausgeben, sind eine massive Fehlinvestition.

"Statt grundlegende Rätsel der Ernährungsmedizin zu lösen, versickern Millionen in Programmen, die ihr erklärtes Ziel nicht erreichen.", sagte Klotter im Interview mit dem stern. Der Psychologe verfügt über langjährige Erfahrungen mit der praktischen Durchführung einschlägiger Diät-Programme, die aus Beitragsmitteln der gesetzlichen Krankenversicherung gefördert werden.

Eine ausführliche Untersuchung der wissenschaftlichen Literatur zeige, so Klotter, dass die Programme überwiegend völlig ungenügende Erfolgsnachweise aufwiesen. Während der Recherche für sein neues Buch stieß er auf einige Ungereimtheiten, die ihn schließlich dazu veranlassten, sein Buch nicht wie geplant: "So funktioniert Gesundheitsförderung", sondern schließlich: "Warum wir es schaffen nicht gesund zu bleiben" zu nennen.

In der Eigendarstellung der Gesundheitsförderer gebe es zuhauf "wolkige Formulierungen", aber kaum "konkrete Anhaltspunkte für den Erfolg". Die Gesundheitsförderer gäben den Patienten das Gefühl, die Gesellschaft zu schädigen und so wie sie sind "falsch" zu sein. Dadurch entwickelten viele Patienten eine Art Trotz und täten die "verbotenen Sachen" erst recht. Nur wer aus sich selbst gesünder zu leben verstehe schaffe es auch - wolle man der Bevölkerung eine gesunde Lebensweise aufdrängen, erscheint dies in letzter Konsequenz wie eine Art "Gesundheitspolizei", die zum Scheitern verurteilt ist, betonte Klotter.

Wesentlich wirksamer seien gesellschaftlich akzeptierte ordnungspolitische Maßnahmen, wie beispielsweise das Rauchverbot in Gaststätten, das bereits jetzt erwiesene Gesundheitsgewinne erbringe. Ebenfalls wirksam sei der Abschreckungseffekt hoher Preise für Tabakwaren und Alkohol. Nach Angaben der OECD beträgt der Anteil der Kosten von Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland etwa 3,3 Prozent. Extreme sind Kanada mit etwa 6 Prozent und Island mit 0,6 Prozent. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Höhe der Ausgaben und der Volksgesundheit allgemein ist nicht nachgewiesen.

Lena Nugent/ck

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