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Bahnbrechender Gesetzesentwurf: 24 Millionen Pfund jährlich: In Schottland wird es Tampons bald kostenlos geben

Seit dem 1. Januar werden Tampons und Binden in Deutschland ermäßigt besteuert. Die schottische Regierung geht einen Schritt weiter und will jährlich 24 Millionen Pfund in die Hand nehmen, um Hygieneprodukte für Menstruierende umsonst anbieten zu können.

Tampons in einem Supermarkt in Glasgow

Schottland als Vorreiter: Hier soll es Tampons und Binden an öffentlichen Orten bald umsonst geben.

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Wir haben es zwar in gefühlt 100 Artikeln bereits erwähnt, aber genau wie bei den Dalmatinern hält 101 vielleicht einfach besser als 100: Die Periode ist unausweichlich. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung wird für im Schnitt rund 40 Jahre ihres Lebens einmal im Monat menstruieren. Mal drei Tage lang, mal zehn Tage lang, vielleicht auch wegen Stress oder anderer Faktoren mal ein paar Monate gar nicht, aber die Unausweichlichkeit der Menstruation lässt sich nicht bestreiten. Ein Grund dafür, dass die ermäßigte Besteuerung von Periodenprodukten, die seit dem 1. Januar endlich auch in Deutschland gilt, ein so wichtiger und symbolträchtiger Schritt in Sachen Gleichberechtigung ist.

Ein Land, welches uns allerdings mal wieder meilenweit voraus ist, ist Schottland. Hier hatte man bereits 2018 einen 5,2-Millionen-Pfund-Plan erstellt, um rund 395.000 Schüler*innen und Student*innen an Schulen und Universitäten freien Zugang zu Tampons, Binden etc. zu ermöglichen. Warum? Weil, selbst wenn einige Menschen gern "SO TEUER IST DAS DOCH GAR NICHT" brüllen, eine Umfrage ergeben hatte, dass jede*r vierte Menstruierende in Schottland bereits einmal Probleme hatte, die finanziellen Mittel für Periodenprodukte aufzubringen.

Tampons sollen an öffentlichen Orten frei zugänglich werden

Nun ist man noch einen Schritt weiter gegangen: Am Dienstag stimmten laut der Medienagentur Reuters 112 der 113 mitstimmenden Mitglieder des schottischen Parlaments für den sogenannten "Period Products (Free Provision) Scotland Bill", der dafür sorgen soll, dass Menstruationsprodukte an öffentlichen Orten wie Stadtteilzentren oder Jugendclubs umsonst erhältlich sein werden. Nun muss der Gesetzesentwurf noch eine zweite Stufe durchlaufen, in der Parlamentsmitglieder Änderungsvorschläge abgeben können. Sollte er in seiner jetzigen Form verabschiedet werden, würde das Programm die schottische Regierung etwa 24 Millionen Pfund im Jahr kosten.

Petition

Abgeordnete Monica Lennon, die den Gesetzesentwurf eingebracht hatte, sagte während der Debatte, die Verabschiedung würde einen "Meilenstein in der Normalisierung der Periode in Schottland" bedeuten und "ein Signal an die Menschen dieses Landes schicken, wie ernst die schottische Regierung das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter nimmt". Ihre Kollegin Alison Johnstone fragte: "Wie kann es sein, dass Toilettenpapier im Jahre 2020 als Notwendigkeit angesehen wird, aber Periodenprodukte nicht? Wegen körperlicher Funktionen finanziell benachteiligt zu werden, ist nicht gerecht."

Wir wollen hier niemanden zu irgendwas nötigen oder zu arg mit dem Zaunpfahl winken, aber die Worte "Man muss ja auch nicht sein eigenes Klopapier mitbringen, wenn man in der Öffentlichkeit aufs Klo will", sind in der Debatte um die Besteuerung von Periodenprodukten in Deutschland auch schon gefallen …

Quelle: Reuters, "The Guardian"

jgs

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