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Kunstwerke mit Nebenwirkungen : Wie gefährlich sind Tattoos?

Von den 16- bis 29-Jährigen in Deutschland ist jeder Vierte tätowiert, bei Fußballprofis dürfte die Quote noch höher liegen. Doch ganz ungefährlich ist dieser Modetrend nicht.

Eine Tätowierung auf einem Oberarm eines Mannes

Schnell mal im Urlaub ein Tattoo stechen lassen? Wer das vor hat, sollte ein gutes Studio von einem schlechten unterscheiden können.

Tätowierungen sind mittlerweile ein weit verbreitetes Phänomen: Verschiedenen Schätzungen zufolge tragen in Deutschland acht bis zehn Millionen Menschen ein Tattoo. Aber die Kunstwerke auf der Haut sind nicht ohne Risiko. Um mögliche Gefahren jedoch so weit wie möglich auszuschließen, startete der für gesundheitlichen Verbraucherschutz zuständige Bundesminister Christian Schmidt (CSU) in Berlin die Informationskampagne "Safer Tattoo".

Schmidt drängt auf strengere Regelungen in der Tattoo-Branche. "Wer so eine sensible Arbeit macht und damit Einfluss auf die Gesundheit der Verbraucher hat, muss sein Handwerk nachweisbar beherrschen", sagte Schmidt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er unterstütze die Forderung zur Einführung von "Befähigungsnachweisen". Der Berufszugang solle geregelt, die chemischen Stoffe in der Tätowierfarbe europaweit festgelegt und die Hygiene verbessert werden.

Welche Risiken gibt es beim Tätowieren?

Das Stechen eines Tattoos verursacht eine Wunde, die sich infizieren kann. Zudem können bei dem Vorgang Viren wie Hepatitis und HIV übertragen werden, wenn bestimmte Hygiene-Standards nicht eingehalten werden. Eine Gefahr bergen auch die verwendeten Farben. Einige stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Als problematisch gelten vor allem Farben, die sich aus dem Ausland besorgen.

Wie können sich die Verbraucher schützen?

Das Ministerium rät potenziellen Kunden dazu, das Tattoo-Studio zunächst einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Grundvoraussetzungen sind unter anderem ein separater, sauberer Raum zum Tätowieren, in dem Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe und sterile Nadeln bereitstehen. Zudem sollte der Laden einen Gewerbeschein haben. Nur dann prüft das Gesundheitsamt die Sauberkeit des Studios.

Was will das Ministerium tun?

Schmidt will einen Befähigungsnachweis für Tätowierer einführen. Bislang handelt es sich dabei nämlich nicht um einen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf. Grundsätzlich darf sich also jeder, der eine Tätowiermaschine bedienen kann, auch als Tätowierer bezeichnen. "Ein Bockwurstverkäufer auf dem Weihnachtsmarkt muss mehr Regeln einhalten als ein Tätowierer", spottet Daniel Krause vom Bundesverband Tattoo. In einigen Nachbarländern wie Österreich und Frankreich gelten deutlich strengere Ausbildungsvorschriften. Vor einer möglichen Neuregelung in scheint es innerhalb der Bundesregierung aber noch erheblichen Abstimmungsbedarf zu geben. Schmidt sagte, bis zum nächsten Jahr wolle er darüber Klarheit haben.

Was soll noch geregelt werden?

Schmidt plant ein europaweites Einfuhrverbot für Farben mit kritischen Inhaltsstoffen sowie strengere Hygienevorschriften auf EU-Ebene. Auf diesem Wege sollen auch deutsche Touristen geschützt werden, die sich im Urlaub ein Tattoo stechen lassen. Allerdings warnt Schmidt ausdrücklich vor Tattoos, die spontan aus einer Urlaubslaune heraus entstehen: "Sie sind ein Souvenir, das einem ein Leben lang erhalten bleibt." 

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lea/DPA/AFP