Hirschhausens Sprechstunde Geheimes Diätgesetz

Da haben wir den Salat: Diät-Tipps haben meistens einen Haken
Da haben wir den Salat: Diät-Tipps haben meistens einen Haken
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Immer wieder ärgert sich unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen über falsche Abnehm-Versprechen. Nun reicht's ihm: Er löst für uns das Gewichtsrätsel und macht so alle Schaumschläger arbeitslos.

Schlank im Schlaf" funktioniert. Theoretisch. Ich stehe nur immer zu früh wieder auf. Man müsste einfach mal fünf Monate durchhalten und im Bett bleiben. Bei den Bären geht das ja auch. Die ziehen sich mit einer dicken Fettschicht zum Winterschlaf in eine Höhle zurück und kommen schlank wieder raus. Dabei haben sie noch nicht mal das Buch gelesen. Was ich am meisten bewundere, ist der Titel, der einem vorgaukelt, man müsse außer schlafen nichts weiter tun, und - zack - wacht man auf und ist dünner. Ein Traum!

Vor allem für den Autor, der sogleich ein Buch für Berufstätige hinterhergeschoben hat. Fehlt nur noch: "Schlank im Büroschlaf", die ultimative Beamtendiät. Jetzt hat er noch ein Buch zum Abnehmen nach Hormontypen geschrieben. Warum nicht gleich nach Haarfarbe? Verstoffwechseln Blonde denn Butter nicht ganz anders als Brünette? Und sollten diese nicht vielleicht mehr braune Butter zu sich nehmen? Oder ausgelassene Butter unbedingt auslassen?

Mal sind es Blutgruppen, dann Männer und Frauen oder Äpfel und Birnen. Es erinnert an den Witz: Was sind die schwierigsten Phasen einer Diät? Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Diättipps haben genauso Dauerkonjunktur wie Sextipps. Warum? Weil keiner davon funktioniert. Neulich kaufte ich eine Frauenzeitschrift, weil auf dem Cover die ultimativen Tipps für Outdoor-Abenteuer angekündigt wurden. Drin stand: "Nehmen Sie eine Decke mit!" Darauf wäre ich echt nicht gekommen.

Irgendein Haken ist immer dabei

Nach solchen Tipps fühlt man sich regelmäßig schlechter als vorher. Wieder ist man reingefallen und hat gedacht, es gebe etwas sensationell Neues - bei einer Tätigkeit, die seit hunderttausend Jahren auf dem Planeten praktiziert wird. Mit der gleichen unerschütterlichen Naivität kaufen wir Bücher und leichtgewichtige Zeitschriften, welche die "Jetzt-aber-endlich-Superdiät, bei der Sie alles essen dürfen" versprechen. Und dann steht da: "Sie dürfen alles essen - nur nicht runterschlucken." Irgendein Haken ist doch immer dabei!

Neulich im Fernsehen bei Frau Maischberger erhob der Arzt Gunter Frank die Stimme der Vernunft mit einer ziemlich spannenden These: Nicht was wir essen, macht uns dick, sondern wie. Es gibt Menschen, die unter Stress abnehmen, die meisten aber nehmen unter Stress zu.

Stressabbau, Lebensfreude und Entspannung helfen

Wer ständig mit schlechtem Gewissen herumläuft, tut sich darum keinen Gefallen, im Gegenteil. Gefallen am Essen zu finden, herauszuschmecken, was dem Körper gut tut, unabhängig von Diäten und Ideologien, lautet die einfache und zugleich revolutionäre Lösung - statt ewig darüber zu diskutieren, was denn nun gesünder sei, drei Vierkornbrötchen oder vier Dreikornbrötchen. Stressabbau, Lebensfreude und Entspannung helfen am besten, wenn die Bauchdecke spannt.

Seit Jahrmillionen Evolution gibt es ein ehernes Gesetz: Man nimmt ab, wenn man weniger frisst und sich mehr bewegt. Das dürfen Sie aber nicht weitersagen. Wenn sich das herumspricht, sind Millionen Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr. Und Zeitschriftenauflagen in einem Gesamtgewicht, das noch über dem zu verlierenden Übergewicht der Deutschen liegen dürfte.

Was ich noch sagen wollte: Meine nächsten Bücher habe ich zwar noch nicht geschrieben, aber die Titel stehen schon fest: "Klavierspielen lernen beim Händewaschen", "Bauchmuskeltraining durch Popeln" und "Schönheitsoperationen in der Dusche". Die Reihe wird bestimmt ein Hit. Ach so, eins fehlt noch: "Schlank im Hirn. Wie Sie durch Nicht-Denken bis zu 1,5 Kilo unförmige graue Masse verlieren können - für immer!"

Eckart von Hirschhausen print

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