HOME

Medizin-Foschung: Eisgekühlt und operiert: US-Mediziner versetzen schwerst verletzte Patienten in Kälteschlaf

US-Ärzte der Universität Baltimore haben erstmals schwerst verletzte Patienten in eine Art Kälteschlaf versetzt, um sie zu operieren. Zwei Stunden später holten sie sie zurück ins Leben.

OP-Werkzeug liegt für ein Ärzteteam im Operationssaal bereit

Erstmals haben US-Mediziner schwerst verletzte Patienten in eine Art Kälteschlaf versetzt, um sie zu operieren. (Symbolfoto)

Picture Alliance

Medizinern der University of Maryland School of Medicine ist etwas gelungen, was wir bisher nur aus Science-Fiction-Filmen wie "Passengers" (2016) oder "Forever Young" (1992) kannten. Wie der renommierte "New Scientist" berichtet, schaffte es ein Team von US-Ärzten um Professor Samuel Tisherman erstmals schwer verletzte Patienten in eine Art Kälteschlaf zu versetzen, sie zu operieren und erfolgreich wieder zurück ins Leben zu holen. Und zwar, ohne dabei das Gehirn der Patienten zu schädigen. 

Er sei auch für ihn "etwas surreal" gewesen, beschreibt Professor Tisherman in einem Interview den Moment, als sein Team den ersten Patienten in den sogenannten künstlichen Scheintod versetzte. Die Operationsmethode "Notfallkonservierung und Wiederbelebung", kurz EPR, sei zuvor schon an Tieren getestet worden, schreibt das Blatt weiter. Tisherman übertrug das spektakuläre Verfahren nun zum ersten Mal auf Menschen. Allerdings unter strengen Auflagen. Denn Tishermann testete die EPR-Methode nur Menschen, die mit akuten Traumate, wie Schuss- oder Stichwunden sowie massivem Blutverlust ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Ihr Herz hatte bereits aufgehört zu schlagen und die Überlebenswahrscheinlichkeit wurde mit weniger als fünf Prozent bewertet.  

Körpertempertur bei zehn Grad

Doch wie genau funktioniert nun das Verfahren? Zunächst tauschten die Ärzte das Blut des Patienten gegen eine eiskalte Salzlösung aus, um die Körperkerntemperatur binnen Minuten auf bis zu zehn Grad zu drücken. Die Folge: Das Herz stellt seinen Dienst ein und das Gehirn kann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. Ein Zustand, bei dem Patienten gewöhnlich für tot erklärt werden. Nicht in Baltimore. Denn genau hier setzt die Idee des Kälteschlafs an. Tisherman nutzt für sein Verfahren die Gesetze der Physik, denn Kälte wirkt dem Zellzerfall entgegen. Und genau deshalb soll das Gehirn der Patienten während des zweistündigen Kälteschlafs nicht geschädigt werden. So lange hat das OP-Team nach bisherigen Erkenntnissen höchstens Zeit, um die Patienten mit ihren lebensbedrohlichen Verletzungen erfolgreich zu operieren. Schlussendlich bekommen sie ihr Blut zurück, werden aufgewärmt und das Herz beginnt wieder zu schlagen. 

Organspende: "Ich versuche jetzt durchzuhalten" – Gerd wartet auf ein Herz

Kälteschlaf: Zeit kaufen, um Leben zu retten

Die Mediziner verschaffen sich durch das "Einfrieren" der Patienten ein größeres Zeitfenster, um Menschenleben zu retten. "Wir versuchen uns mehr Zeit zu kaufen", sagt Tisherman. Bisher hätten viele Patienten überlebt, die nach konventionellen Eingriffen gestorben wären, so der Professor. Nach Angaben der US-Mediziner ist die Forschungsreihe noch nicht beendet. Professor Tisherman kündigte an, die Ergebnisse seiner Studie im kommenden Jahr zu veröffentlichen.

Quelle: "New Scientist"

js

Wissenscommunity