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Migräne: Blitze vor den Augen

Migräne ist eine unheilbare Erbkrankheit. Sie äußert sich nicht nur in Kopfschmerzen, sondern auch in Übelkeit, Erbrechen, Flimmern vor den Augen, Sprach- und Gefühlsstörungen.

Migräne ist ein Attackenkopfschmerz, an dem rund 14 Prozent aller Frauen und acht Prozent der Männer leiden. Erwachsene zwischen 35 und 45 Jahren sind nach Angaben der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) am stärksten betroffen - Frauen in dieser Altersgruppe drei Mal häufiger als Männer. Insgesamt sind Migräneattacken bei Frauen länger und intensiver als beim männlichen Geschlecht.

Der pulsierend-pochende Schmerz tritt in der Regel in nur einer Kopfhälfte auf und wird meist von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Beginnend in der Nackenregion breitet sich der Schmerz über Kopf, Schläfen und Gesicht aus. Er verstärkt sich bei körperlichen Aktivitäten. Eine Migräne-Attacke kann zwischen vier und 72 Stunden andauern.

Störungen beim Sehen, Sprechen, Fühlen

Bei 15 Prozent der Betroffenen wird die Migräne von einer Aura begleitet. Auren sind neurologische Ausfälle, die meistens visuelle Symptomen haben: d.h. Flimmern vor den Augen oder Ausfälle des Sehens. Es kann aber auch zu Sprach- oder Gefühlsstörungen bis zu Lähmungen in einer Körperhälfte kommen. "Bei solchen Symptomen bekommen die Patienten meistens Panik", erklärt Ulrike Bingel von der Kopfschmerzambulanz des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg. Nach 15 bis 30 Minuten lösen starke Kopfschmerzen die Aura ab.

Migräne ist eine Erbkrankheit. Das Robert Koch-Institut bezeichnet sie in seiner "Gesundheitsberichterstattung des Bundes" als Funktionsstörung des Gehirns, das dadurch auf innere und äußere Reize besonders empfindlich reagiert. Diese Überreizung führt zu einer Entzündung an den Blutgefäßen von Gehirn und harter Hirnhaut. So kommt es zu den Schmerzen.

"70 Prozent der Migränepatienten gehen zum Arzt", weiß Professor Cornelius Weiller, Leiter der Neurologischen Klinik des UKE. "Nur bei 40 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer stellen die Ärzte eine richtige Diagnose". Besonders bei Männern und Kindern wird die Erkrankung verkannt. Migräne gilt immer noch als eine Frauen-Krankheit. Deswegen gehen viele Ärzte davon aus, dass Männer nicht Migräne haben können. Kinder haben hingegen häufig untypische Symptome – zum Beispiel erbrechen sie sich statt über Kopfschmerzen zu klagen. "Dabei haben 15 Prozent der Kinder Migräne", sagt Weiller.

Unheilbare Erbkrankheit

Da Migräne nicht heilbar ist, kann eine Therapie nur die Symptome der Erkrankung behandeln oder vorbeugend wirken. Bei einer Attacke helfen nur noch Medikamente. Die DMKG empfiehlt Triptane, spezielle Migränemittel, die beim Spannungskopfschmerz unwirksam sind. Auch herkömmliche Schmerzmittel können leichte und mittelschwere Migräneanfälle mildern. Erbrechen und Übelkeit verhindern, dass die Medikamente richtig wirken. Deshalb rät die DMGK den Patienten zusätzlich Magen-Darm-Mittel zu schlucken. Außerdem hilft Bettruhe in dunklen, ruhigen Räumen und ein Eisbeutel auf der Stirn. "Neuere Studien zeigen, dass Akupunktur wohl nicht wirkt – außer bei einzelnen Patienten", ergänzt Weiller.

Wie beim Spannungskopfschmerz auch, gibt es bestimmte Auslöser für Migräneattacken, so genannte Triggerfaktoren. Die sind jedoch von Mensch zu Mensch verschieden. Außerdem wirken häufig mehrere Faktoren zusammen. "Für die Behandlung ist es wichtig diese zu identifizieren", erläutert Bingel. Die DMGK zählt einige häufig vorkommende Auslöser auf: Hormonschwankungen, Änderungen im Wach-Schlaf-Rhythmus, das Wetter und Stress. "Deswegen haben auffallend viele Schichtarbeiter und Workaholics Probleme mit Migräne", ergänzt Bingel. Aber auch bestimmte Nahrungsmittel können als Trigger wirken. Dazu gehören Alkohol, vor allem Rotwein, Käse, Schokolade und Nüsse.

Sport kann Migräneattacken vorbeugen. Nach Meinung von Bingel sollten Patienten zwei- bis dreimal die Woche aeroben Ausdauersport treiben, zum Beispiel Fahrrad fahren oder Jogging. Die vorbeugende Wirkung ist wissenschaftlich belegt. Das Gleiche gilt für Entspannungsübungen: "Bei Migräne hilft progressive Muskelentspannung nach Jacobson", ergänzt Bingel. Wenn Migräne häufig und besonders stark auftritt, sollte der Betroffenen eine medikamentöse Prophylaxe mit Beta-Blockern machen. Beta-Blocker sind eigentlich Blutdruck-Senker, helfen aber auch bei Migräne. Das Gleiche gilt für Epilepsie-Medikamente. "Eine Prophylaxe reduziert die Auslösewelle, d.h. die Attacken treten seltener auf", sagt Bingel. Sie empfiehlt außerdem eine "Prophylaxe light" mit Magnesium. "Das hilft gut bei vielen Patienten". Neuere Studien wiesen darauf hin, dass auch pflanzliche Präparate mit Pestwurz oder Mutterkraut vorbeugend wirken.

Irena Güttel