VG-Wort Pixel

stern-Report Krankenhaus "Schlechte Qualität muss Konsequenzen haben"


Wie erkenne ich als Patient, ob ein Krankenhaus gut ist? Bis jetzt ist das nicht leicht. Wir müssen Qualität nicht nur messen, sondern die Ergebnisse auch verständlich darstellen, fordert ein Experte.

Was tun gegen die Mängel in deutschen Krankenhäusern? Am 9. Januar wurde in Berlin ein "Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen" gegründet (IGTIG). Eine seiner Hauptaufgaben wird es sein, die Qualität der Krankenhausbehandlungen besser messbar und vergleichbar zu machen. Der neue IQTIG-Leiter Dr. Christof Veit weiß, dass viel Arbeit vor ihm liegt:

"Wir haben viele sehr gute Krankenhäuser in Deutschland, aber es gibt auch Häuser, mit deren Qualität wir nicht zufrieden sein können – jedenfalls in einigen Abteilungen. Das kann an Personalmangel liegen. Wenn Sie gute Qualität liefern und die Patienten nicht gefährden wollen, brauchen Sie erst einmal genügend Ärzte, Schwestern und Pfleger. Aber: Das alleine reicht nicht. Alle, die sich um die Patienten kümmern, müssen gut im Team arbeiten. Sie müssen reibungsfrei miteinander kommunizieren, die Patienten und die Qualität ihrer Behandlung müssen für sie das allerwichtigste sein. Das ist eine Frage der Kultur, da haben die Vorgesetzten einen sehr großen Einfluss. Manchmal kann man an den Daten sehen, wie sich die Behandlungsqualität verbessert, nachdem ein neuer Chefarzt angetreten ist.

Bis jetzt ist es so, dass Experten die Daten der Krankenhäuser überprüfen. Wenn ein Haus negativ auffällt, gibt es Gespräche um herausfinden, wo das Problem ist, ob in dem Haus vielleicht einfach besonders schwierige Patienten lagen. Wenn nötig, wird besprochen, wie die Qualität verbessert werden kann. Aber manchmal muss man feststellen, dass sich trotzdem nichts bewegt – und das hat dann kaum Konsequenzen. Das Krankenhaus darf weiter all seine Behandlungen anbieten und abrechnen. Das muss sich ändern: Schlechte Qualität muss Konsequenzen haben.

Zumal der Patient es ja nicht leicht hat, die Mängel zu erkennen. Zwar veröffentlichen alle Krankenhäuser regelmäßig Qualitätsberichte, die findet man auf ihren Webseiten. Aber sie sind sehr schwer verdaubar. Wir müssen in Zukunft Qualität nicht nur messen, sondern die Ergebnisse auch allgemein verständlich darstellen. Das ist eine der Aufgaben des neu gegründeten Instituts, das ich leite. Wir werden anhand der Behandlungsdaten die Qualität der Kliniken erfassen und das Ergebnis veröffentlichen - aber auch die Patientenerfahrungen interessieren uns. Mussten sie lange warten, war das Aufklärungsgespräch ausführlich, ist ihnen geholfen worden, sich nach der Entlassung zu Hause wieder zurecht zu finden?

Das Ziel ist nicht, am Ende ein Ranking vorzulegen. Aber wenn Daten veröffentlicht werden, hat das eine Wirkung. Sieht man, dass irgendwo die Anforderungen bei einer bestimmten Behandlung dauerhaft nicht erfüllt werden, dann muss das dazu führen, dass diese Behandlung dort nicht mehr erbracht wird. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass Patienten sich noch mehr als bisher darauf verlassen können, in jedem deutschen Krankenhaus gut versorgt zu werden.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker