HOME

Krebszentrum in Kanada: Bestatter wirbt auf Krankenhaus-Schranke: "Das ist seelen- und herzlos"

Als Lori Waltenbury krebskranke Angehörige zur Behandlung ins Krankenhaus begleitete, war sie fassungslos: Auf der Schranke des Parkplatzes prangte Werbung für ein Bestattungsunternehmen. Ihrem Ärger machte sie auf Facebook Luft – und traf damit einen Nerv.

Ein Bestattungsunternehmen wirbt auf der Parkplatzschranke eines kanadischen Krankenhauses. Lori Waltenbury war entsetzt, als sie das sah.

Ein Bestattungsunternehmen wirbt auf der Parkplatzschranke eines kanadischen Krankenhauses. Lori Waltenbury war entsetzt, als sie das sah.

Ein Krankenhaus ist ein Ort, den wohl niemand freiwillig aufsuchen dürfte. Die meisten Patienten kommen, weil sie müssen. Sie lassen Befunde abklären, werden untersucht oder unterziehen sich einer bestimmten Behandlung. All das ist mit Unsicherheit, manchmal sogar Ängsten behaftet.

So war es auch im Fall von Lori Waltenbury. Ihr Vater, aber auch ihre Tante waren an Krebs erkrankt und unterzogen sich im Royal Victoria Regional Health Center in Barrie, Ontario, einer Chemotherapie. Als Lori sie zu einem Termin begleitete, warnte ihre Tante sie vor einem Schild, das an der Parkplatzschranke des Krankenhauses prangte.

"Adams Bestattungsunternehmen und Krematorium", stand dort in Großbuchstaben. "Mitfühlend – Anteilnehmend – Professionell."

"Jeder dachte, dass wir wohl verrückt wären"

Lori Waltenbury war fassungslos. "Das hat uns komplett runtergezogen. Das ist vollkommen taktlos", erklärte die junge Frau gegenüber der "Washington Post". "Die Patienten leiden und kämpfen jeden Tag um ihr Leben. Doch dieses Schild sagt, wenn man den Kampf nicht aufnehmen möchte oder ihn sogar verliert, haben wir einen Platz für dich. Das ist ein wenig zu weit gedacht."

Waltenbury beschloss, die Mitarbeiter des Krankenhauses auf das Schild anzusprechen. Sie redete mit einem halben Dutzend Mitarbeiter, doch niemand konnte ihr Anliegen nachvollziehen. "Jeder dachte, dass wir wohl verrückt wären", sagte sie der "Washington Post".

Also beschloss die junge Frau zu handeln. Sie fotografierte das Schild und postete es auf Facebook. An das Krankenhaus gewandt, schrieb sie darunter: "Was ich gerne wissen würde: Warum erachten Sie es für so wichtig, unsere Liebsten jedes Mal, wenn sie zur Behandlung kommen, daran zu erinnern, dass es ein Bestattungsunternehmen gibt, das nur auf unseren Auftrag wartet? Das ist wirklich seelen- und herzlos."

Das Foto verbreitete sich schnell im Netz, wurde über 1000 Mal geteilt – und landete schließlich auch bei den Krankenhausbetreibern. Die entschuldigten sich umgehend für das Schild, ebenfalls über Facebook: "Bitte erlauben Sie uns zu sagen, dass uns das Leid tut. Die Platzierung (des Schildes, Anm. d. Red.) war unsensibel und kurzsichtig. Diese Werbung – sichtbar für verwundbare, tapfere Patienten und deren Familien, die unsere volle Fürsorge und Mitgefühl verdienen – war schlichtweg falsch. Mitarbeiter des Krankenhauses haben das Werbeschild heute Morgen entfernt.“


Noch am selben Tag fuhr Lori Waltenbury zum Parkplatz, um nachzusehen, ob sich das Krankenhaus an sein Versprechen gehalten hatte. Und tatsächlich: Das Schild war verschwunden. Anstelle der Werbetafel war nun nur noch der Schriftzug des Parkplatzbetreibers zu sehen. Auch das Bestattungsunternehmen äußerte sich zu dem Vorfall und zeigte sich froh über den Ausgang der Geschichte. Offenbar war dem Betreiber nicht bewusst, an welch prominenter Stelle sein Schild angebracht worden war.

Für Lori Waltenbury ist die Geschichte damit jedoch nicht abgehakt. Nach Informationen der "Washington Post" will sie ein neues Schild an die Schranke anbringen lassen, eines, das Patienten ermutigt und ihnen Kraft zum Kämpfen geben soll. Der wahrscheinliche Schriftzug: "Du bist wichtig. Kämpfe weiter."


ikr

Wissenscommunity