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Krankenkassen-Studie: Bei Prostatakrebs wird oft zu früh operiert

Prostatakrebs ist die Volkskrankheit alternder Männer. Die Betroffenen leiden häufig sehr - vor allem an den Operationsfolgen. Nach Expertenmeinung greifen Mediziner oft vorschnell zum Messer.

Viele Männer kommen einer Krankenkassen-Studie zufolge bei der Diagnose Prostatakrebs zu schnell unters Messer. Nach einer von der Barmer GEK am Dienstag in Berlin vorgestellten Untersuchung ist nur jeder zweite Patient mit dem Ergebnis einer Prostata-Operation uneingeschränkt zufrieden. Angesichts dieser Werte müsse man nach alternativen Therapien fragen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Kasse, Rolf-Ulrich Schlenker.

"Nicht immer ist die Entfernung der Prostata bei Prostata-Karzinom die richtige Entscheidung", sagte Schenker. Statt einer OP sei eine Beobachtung des Krebsgeschwürs in der Vorsteherdrüse oft die bessere Alternative. Vor allem ältere Menschen könnten damit gut leben. Zudem sei nicht jeder Prostatakrebs aggressiv.

In der von der Krankenkasse veröffentlichten Befragung klagten 70 Prozent der Männer nach einer operativen Entfernung der Prostata über Erektionsprobleme. Mehr als jeder zweite berichtete von sexuellem Desinteresse, und 16 Prozent litten unter Harn-Inkontinenz. Jeder Fünfte bestätigte zudem operationsbedingte Komplikationen wie Blutungen oder Darmverletzungen.

Trotz dieser verbreiteten Beschwerden sind nach der Befragung immer noch 52 Prozent der Befragten mit dem Eingriff uneingeschränkt zufrieden. 41 Prozent sind eingeschränkt zufrieden und sieben Prozent unzufrieden.

Im vergangenen Jahr wurde bei rund 31.000 Männern die Prostata entfernt. Zudem gab es rund 10.000 minimalinvasive Eingriffe, bei denen die Drüse erhalten bleiben sollte. Für die stationäre Versorgung dieser Patienten zahlten die gesetzlichen Krankenkassen 340 Millionen Euro Behandlungskosten.

Reuters/DPA / DPA / Reuters
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