Männliche Sexualhormone Neues Prostatakrebs-Medikament entwickelt

Pro Jahr erkranken mehr als 60.000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs
Pro Jahr erkranken mehr als 60.000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs
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Jedes Jahr erhalten mehr als 60.000 Männer in Deutschland die Diagnose Prostatakrebs. US-Forscher testen jetzt einen neuen Wirkstoff: Er könnte Krebskranken helfen, die unter einer aggressiven Form des Tumors leiden und bei denen herkömmliche Medikamente nicht mehr anschlagen.

Bei Prostatakrebs führen oft genetische Veränderungen in den Zellen dazu, dass männliche Sexualhormone (Androgene) ein ungebremstes Zellwachstum auslösen. Die meisten Patienten erhalten daher Medikamente, welche die Hormon-Produktion drosseln sollen. Wächst der Tumor trotzdem weiter, werden Medikamente eingesetzt, die an den Rezeptoren für Androgene ankoppeln und diese blockieren. Nach einer gewissen Zeit allerdings wirkt diese Therapie nicht mehr. An diesem Punkt setzt US-Forscher Charles Sawyers vom Memorial-Sloan-Kettering-Krebszentrum in New York an.

Er ermittelte bereits 2003, warum die Medikamente bei fortgeschrittenem Prostatakrebs versagten: Die Zellen stellten eine so hohe Zahl von Androgen-Rezeptoren her, dass die Medikamente das Tumorwachstum auf diesem Umweg sogar anregen konnten anstatt es zu verhindern.

Ein Team um den Chemiker Michael Jung von der Universität von Kalifornien in Los Angeles produzierte 200 androgenähnliche Verbindungen. Darunter wählten sie solche aus, deren Moleküle an dem Androgenrezeptor ankoppelten, ihn aber nicht aktivierten. "MDV310", eine dieser Substanzen, zeigte im Laborversuch besonders gute Ergebnisse: Bei Experimenten mit Mäusen schrumpften transplantierte menschliche Tumore, die sich mit gängigen Mitteln nicht mehr behandeln ließen, wie die Forscher um Sawyers im Fachmagazin "Science" berichten. "Es ist möglicherweise ein neuer und besserer Weg zur Behandlung von Prostatakrebs", sagte Philip Kantoff vom Dana-Farber-Krebsinstitut in Boston, der an der Veröffentlichung nicht beteiligt ist, dem Journal.

Ergebnisse der klinischen Studie

In einer klinischen Studie mit "MDV3100" sank der Spiegel des prostataspezifischen Antigens (PSA), eines wichtigen Tumor- Indikators, bei 13 von 30 Patienten um mindestens 50 Prozent. Die Probanden litten unter einem fortgeschrittenen Krebs, andere Medikamente hatten bei ihnen bereits versagt, heißt es in "Science" weiter. Doch selbst wenn "MDV3100" das Leben solcher Patienten verlängern könnte, erwarten die Forscher, dass der Tumor mit der Zeit auch auf diese Behandlung nicht mehr reagiert. Sie hoffen aber, dass eine kombinierte Therapie mit weiteren Medikamenten erfolgreich sein könnte. Die Wissenschaftler betonen aber, dass zunächst weitere klinische Studien nötig sind.

DPA DPA

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