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Manuela Haake-Theegarten, 50: "Unser Sex ist besser als je zuvor"

Diagnose: April 2002, Tumor rechts. Behandlung: April 2002 Tumorentfernung, brusterhaltend; Mai 2002 Entfernung weiterer befallener Zellen; Mai 2002 Chemotherapie in sechs Zyklen; September 2002: 34 Bestrahlungen, seit Mai 2002 Hormontherapie.

In den Monaten der Krebstherapie habe ich Sex als besonders intensiv empfunden, als wichtig und vor allem als Bestätigung: Ich lebe und ich nehme dieses Leben an! Ich habe Zärtlichkeiten und Körperkontakt wie das Arm-in-Arm-Einschlafen regelrecht eingefordert, obwohl mein Mann sonst der Aktivere ist. Auf seine Sexangebote reagierte ich schneller als sonst.

Erst durch ihn, meinen zweiten Mann, habe ich ein gutes Körpergefühl erfahren. In meiner ersten Ehe gab es Sex nur aus Pflichtgefühl. Die neue Beziehung ist über die sexuelle Schiene entstanden - ich habe mich zum ersten Mal als begehrt, geliebt und attraktiv empfunden.

Dennoch habe ich auch Probleme damit, wenn ich beim Sex meine nicht mehr gleich großen Brüste sehe, die unter den Bestrahlungen unterschiedlich geschrumpft sind. Die Hormonpräparate machen dich von heute auf morgen um zehn Jahre älter. Die Knochen tun weh, du wirst fett, die Haut ändert sich, du siehst und hörst schlechter.

Wenn ich diese Attacken vor dem Spiegel bekomme, bei denen ich wie ein Rohrspatz schimpfe, mein Körper sei in den Arsch gegangen, haut mir mein Mann verbal eins auf die Hörner: "Hör auf! Kannst du was ändern? Nein. Also bleib auf dem Boden. Du lebst!" Recht hat er, genau, und ich lebe gern! Brauche ich dazu einen schönen Körper? Nein.

Unter der Chemo hatte sich die Libido nicht verringert, aber logischerweise hat man weniger Sex, wenn man voller Gift steckt und todmüde unter Schmerzen leidet. Erst die Hormontherapie in den letzten drei Jahren hat das Bedürfnis nach Erotik gemindert, aber abgestorben ist es eben nie. An meiner Weiblichkeit hat sich ja nichts geändert, eher im Gegenteil. Unser Sex ist besser als je zuvor! Unser Geheimnis ist die Offenheit zwischen uns! Es gibt kein Allheilmittel für das Thema Sex und Krebs, aber: Offenes Reden sollte den Anfang und das Ende bilden.

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