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Migräne: Auch junge Köpfe können schmerzen

Kopfweh und Migräne galten als typische Beschwerden von Erwachsenen. Neue Studien haben ergeben: Kinder und Jugendliche sind ebenso stark betroffen.

Stechend, pochend, ziehend oder klopfend - Kopfschmerzen plagen sieben von zehn Erwachsene in Deutschland. Spannungskopfschmerzen und Migräne führen nach Daten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) inzwischen sogar die Liste der bundesweit häufigsten Beschwerden an. Wenig bekannt ist hingegen die Kopfschmerzhäufigkeit unter Jugendlichen.

Epidemiologen der Universität Greifswald haben knapp 3100 Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren in Vorpommern befragt. Ergebnis: Jugendliche leiden ebenso häufig unter Spannungskopfschmerzen oder Migräne wie Erwachsene. Genau 69,4 Prozent der Jugendlichen gaben an, in den vergangenen drei Monaten Kopfschmerzen gehabt zu haben, wie Projektleiter Prof. Wolfgang Hoffmann berichtet. Mädchen sind mit 78,9 Prozent häufiger betroffen als Jungen mit knapp 60 Prozent. Mehr als ein Drittel der Befragten (37,6 Prozent) gab an, in den drei Monaten vor der Umfrage sogar wiederholt an Kopfschmerzen gelitten zu haben.

Überraschende Ergebnisse

"Dieses Ergebnis hat uns sehr überrascht", sagt Hoffmann. Denn weitläufig werde der Kopfschmerz noch immer als typische Beschwerde Erwachsener gewertet. Mit fatalen Folgen: Die Tatsache, dass der Kopfschmerz bei Kindern und Jugendlichen unterschätzt wird, führe häufig auch zu einer falschen Therapie: "Die Gabe der halben Erwachsenendosis Kopfschmerzmittel ist nicht die Lösung des Problems", erklärt Hoffmann. Ein schlecht behandelter Kopfschmerz im Jugendalter könne zu einer Manifestation der Beschwerden im Erwachsenenalter führen.

Ähnliche Ergebnisse wie in Vorpommern hat eine laufende Studie bei 7- bis 14-Jährigen in Niedersachsen erbracht: 65 Prozent der 14- Jährigen und immerhin noch 37 Prozent der 7-Jährigen klagten über Kopfschmerzen, wie Prof. Birgit Kröner-Herwig von der Universität Göttingen erläutert. "Rund zehn Prozent der 14-Jährigen haben sogar ein- bis mehrmals pro Woche Kopfschmerzen." Im Rahmen eines Kopfschmerzprojekts des Bundesforschungsministeriums befragt das Göttinger Team in regelmäßigen Abständen 8800 Familien. Beide Forschergruppen gehen davon aus, dass Kopfschmerzen bei Jugendlichen in ganz Deutschland ähnlich häufig sind.

Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit

Hoffmann und seine Kollegen haben außer der Häufigkeit von Kopfschmerzen auch die Beeinträchtigungen und Leistungseinbußen dadurch in Schule und Freizeit ermittelt - und die sind offensichtlich auch größer als angenommen. Jugendliche, die in den drei Monaten vor der Befragung mehrfach unter Kopfschmerzen litten, fehlten im Schnitt einen Tag in der Schule und konnten zusätzlich an knapp fünf Tagen im Unterricht nur halb so viel leisten. Auch die Freizeitaktivitäten waren für rund drei Tage eingeschränkt. Insgesamt gaben 14 Prozent der Befragten an, durch den Kopfschmerz stark oder sehr stark beeinträchtigt zu sein, wie die Greifswalder Psychologin Konstanze Fendrich erklärt.

In einem zweiten Teil der Analyse der Untersuchung wollen die Epidemiologen nun die Risikofaktoren für Kopfschmerzen ermitteln. Ein umfangreicher Fragekomplex widmete sich dem Bereich der Lebensgewohnheiten: Die Kontakte zu Freunden wurden erfragt, die Forscher fahndeten nach der psychischen Stabilität, nach der täglichen Belastung und nach Freizeitaktivitäten, ebenso nach einer Zahnspange oder eventuellen Zahnfüllungen.

Ob auch Alkohol- und Zigarettenkonsum, Fernsehen und Computer tatsächlich, wie weitläufig angenommen, zu der Pein im Kopf führen, wollen die Wissenschaftler mit der weiteren Auswertung der knapp 3100 Fragebögen ermitteln. Im Herbst 2005 sollen die Ergebnisse zu den Risikofaktoren vorliegen. Auf dieser Basis sollen langfristig Präventionsprogramme gegen Kopfschmerzen im Kinder- und Jugendalter entwickelt werden.

Martina Rathke/DPA / DPA

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