HOME

Italien: Mysteriöse Pusteln auf der Haut - Forscher lüften Rätsel um Kindermumie

Starb der kleine italienische Junge im 16. Jahrhundert an den Pocken? Davon gingen Forscher jahrzehntelang aus. Neue Tests kommen jedoch zu einem anderen Ergebnis.

Bilder der Kindermumie

Die Kindermumie war in feine Gewänder gehüllt (Mitte). Seine Haut ist von Pusteln überzogen.

Als Forscher den Sarg aus der Sakristei der Basilica San Domenico Maggiore in Neapel, Italien, öffneten, dürften sie verblüfft gewesen sein: In ihm lag die gut erhaltene Mumie eines kleinen Jungen. Er starb, als er vermutlich zwei Jahre alt war. Der Leichnam war in feine Totengewänder gehüllt. Haut und Körper des Kindes waren in einem vergleichsweise guten Zustand. Auch grobe Gesichtszüge ließen sich erahnen. Eine Tatsache machte die Forscher jedoch stutzig: Auf der Haut des Leichnams zeichneten sich kreisrunde Pusteln ab. Das Gesicht, der Oberkörper und die Arme des Kindes waren von den Pickeln geradezu übersät. Was hatte es damit auf sich?

Der kleine Junge war eine von mehreren Mumien, die Wissenschaftler in den Achtzigerjahren in der neapolitanischen Kirche entdeckt und exhumiert hatten. Die sterblichen Überreste stammen vermutlich aus dem 15. bis 16. Jahrhundert. Via Radiokarbonmethode wurde das Alter der Kindermumie auf etwa 439 Jahre datiert. Der kleine Junge starb demnach etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts, seine Identität ist unklar. Er erhielt den wissenschaftlichen Namen "NASD24". Ein üblicher Schritt, um Funde in Datenbanken und späteren wissenschaftlichen Publikationen leichter zuordnen zu können.

War der Junge an Pocken erkrankt?

Zunächst vermuteten die Wissenschaftler, der Junge könne an Pocken erkrankt gewesen sein. Das würde den auffälligen Ausschlag auf seiner Haut erklären. Die Infektionskrankheit wird durch Pockenviren verursacht und gilt als ausgesprochen gefährlich. Durch Impfungen konnte die Krankheit in den letzten Jahrzehnten zunächst stark eingedämmt werden. 1979 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Pocken offiziell als ausgerottet. Das bedeutet: Für Menschen besteht kein Risiko mehr, sich mit Pocken anzustecken.

Forscher um Hendrik Poinair vom "DNA Centre" der McMaster University in Kanada wollten die These mithilfe von DNA-Tests überprüfen. Dafür nutzten sie Gewebeproben der Mumie, unter anderem aus dem Oberschenkelknochen, der Haut und eines Muskels. Tatsächlich konnten die Forscher einen Übeltäter ausfindig machen - es war allerdings nicht das Pockenvirus. Stattdessen wies das Team ein anderes Virus nach: Hepatitis B. Weil es sich dabei um einen altertümlichen Virusstamm handelt, schließen die Forscher aus, dass die Proben erst im Nachhinein mit den Erregern verunreinigt wurden. Über das Ergebnis berichten sie im Fachmagazin "Plos Pathogens".

Rätselhafte Mumie: DNA-Test bringt Klarheit

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) wird durch Körperflüssigkeiten übertragen, allen voran Blut, und führt zu einer Entzündung der Leber. Diese kann von selbst ausheilen oder chronisch werden. Was viele Menschen nicht wissen: Bei Kindern kann das Virus in der akuten Krankheitsphase zu Pusteln auf der Haut führen - das sogenannte Gianotti-Crosti-Syndrom. Offenbar war daran auch der kleine italienische Junge erkrankt. Ob er daran auch starb, ist jedoch unklar.

Mit dem Ergebnis des DNA-Tests lüfteten die Forscher das jahrzehntelange Rätsel um die Pusteln auf der Kindermumie. Außerdem würden die Ergebnisse wertvolle Informationen über die Entwicklung des Hepatitis-B-Virus im Laufe der letzten Jahrhunderte liefern, schreiben die Forscher in "Plos Pathogens". Die Daten seien ein weiterer Hinweis darauf, dass das Hepatitis-B-Virus den Menschen seit langer Zeit begleite.

Steinmumien von Pompeji


ikr
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity