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Mysteriöses Leiden: Arzt rettet Patienten - dank "Dr. House"

Monatelang litt ein Mann an rätselhaften Symptomen: Er sah und hörte kaum noch, sein Herz wurde schwächer. Niemand konnte helfen - bis sich ein Arzt an einen Fall aus der Serie "Dr. House" erinnerte.

Dieser Fall zeigt, wie hilfreich gut gemachte Unterhaltung sein kann: Einem Deutschen hat die amerikanische Arztserie "Dr. House" buchstäblich das Leben gerettet, berichtet das Fachmagazin "The Lancet" in seiner jüngsten Ausgabe. Der 55-jährige Patient litt seit Monaten an verschiedenen Symptomen, die seine Ärzte vor ein Rätsel stellten, weil sie keinen Zusammenhang sahen. Als er im Mai 2012 ins Zentrum für unerkannte Krankheiten in Marburg eingeliefert wurde, war sein Herz bereits stark geschwächt, er konnte kaum noch sehen und hören, hatte geschwollene Lymphknoten und unerklärliche Fieberschübe, daneben plagte ihn ein magensäurebedingtes Aufstoßen. All diese Beschwerden waren innerhalb eines Jahres aufgetreten, kein Mediziner hatte ihm bis dahin helfen können.

Das Ärzteteam um den Kardiologen Professor Jürgen Schäfer durchforstete seinen Lebenslauf auf Hinweise auf mögliche Krankheitsursachen, fand aber nichts - außer einer Operation, bei der dem Mann zwei neue Hüftgelenke eingesetzt worden waren. Die Mediziner erinnerten sich an eine Folge der TV-Serie um den kauzigen und zynischen Arzt Dr. House, der auf medizinische Mysterien und hoffnungslose Fälle wie diesen spezialisiert ist. In der besagten Folge hatte eine Patientin ähnliche Beschwerden, die letztlich auf eine Kobaltvergiftung zurückzuführen waren. Die Marburger Ärzte führten einige Untersuchungen durch - und Bluttests bestätigten schließlich den Verdacht: Auch hier handelte es sich um eine Kobaltvergiftung.

Die rettende Erinnerung

Wie war es dazu gekommen? Der Patient hatte früher schon eine Hüftprothese aus Keramik. Bei einem Sturz war sie gebrochen, daher war sie in der Operation durch eine Metallprothese ersetzt worden. Dabei hatten die damaligen Ärzte offenbar trotz gründlicher Spülung nicht alle Keramiksplitter restlos entfernen können. Die verbleibenden Partikel hatten am Metall geschabt und den Stoff herausgelöst, der in hoher Konzentration äußerst giftig ist.

Die Marburger Ärzte entfernten die Metallprothese wieder und setzten erneut eine Keramikprothese ein. Nach dem Eingriff seien die Kobalt- und Chromwerte im Blut des Patienten gesunken und sein Zustandhabe sich stabilisiert, sagte Schäfer. Der Mann erholte sich langsam. Vierzehn Monate später hat sein Herz 40 Prozent seiner Leistung wiedererlangt, sein Hör- und Sehvermögen dagegen verbesserten sich nur sehr langsam.

Als "Dr. House"-Fan habe er sich zum Glück an das Problem der Kobaltvergiftung erinnert, sagte Schäfer. Gute Unterhaltung sei nicht nur zum Amüsement und zum Unterricht geeignet, sondern könne eben auch "Leben retten". Der Wissenschaftler setzte nach eigenen Worten Folgen der Serie auch schon in Vorlesungen als Anschauungsmaterial für Studenten ein, wie es in "Lancet" heißt.

Professor Jürgen Schäfer, Internist und Intensivmediziner an der Universitätsklinik Marburg, hat den Fall aus seiner Sicht auch bereits in der Rubrik "Diagnose" im stern (Nr. 37/2013) beschrieben.

Sonja Helms/ mit AFP

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