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Ein unterschätztes Sekret: Ohrenschmalz – wichtig, eklig und in Asien grau

Jeder Mensch, jedes Säugetier produziert Ohrenschmalz. Doch der sieht nicht immer gleich aus – und kann so einiges über die Geschichte der Menschheit verraten.

Ohrenschmalz auf Ohrstäbchen

Ohrenschmalz hat in Europa eine andere Farbe als in in Asien

Es ist nicht gut für uns – und trotzdem tun wir es immer wieder: Wir reinigen unsere Ohren mit Wattestäbchen. Dabei haben wohl die meisten inzwischen davon gehört, dass das nicht gesund ist. Durch die Stäbchen wird der störende Ohrenschmalz nämlich vor das Trommelfell geschoben. So kann ein Pfropfen entstehen, der schmerzt und das Hörvermögen vermindert. Außerdem kann die Haut des Gehörgangs verletzt werden. Oft bleibt am Ende nur noch der Gang zum Arzt, der das Ohr professionell reinigt. 

Das Absurdeste an der Sache – eigentlich müssen Ohren gar nicht gereinigt werden. Die kleinen Haare transportieren Schmutz und überschüssigen Schmalz von selbst aus dem Gehörgang. 

Und trotzdem steht in den meisten Badezimmern eine Schachtel Wattestäbchen. Sie werden – wenn auch fälschlicherweise – auf der gesamten Welt zum Reinigen der Ohren genutzt. Doch das, was da zu Tage gefördert wird, unterscheidet sich stark. Während der Ohrenschmalz von Europäern und Afrikanern meist gelbbraun und klebrig ist, haben in Ostasien viele Menschen einen trockenen, grauen Ohrenschmalz, der an Staub erinnert.

Wattestäbchen

Forscher fanden bereits vor mehr als zehn Jahren heraus, dass dieser Unterschied durch das Gen ABCC11 bestimmt wird. Durch die örtlichen Unterschiede konnten sogar Theorien der Völkerwanderung untermauert werden: Da die Ureinwohner Nordamerikas auch einen staubigen Ohrenschmalz aufweisen, ist davon auszugehen, dass sie ursprünglich aus Asien stammen. 

Warum sich in Asien die staubige Variante durchgesetzt hat, ist allerdings nicht klar. Es gibt Hinweise, dass Menschen mit grauem Ohrenschmalz weniger schwitzen als die mit der klebrigen Variante. Das könnte, wenn man den Forschern Koh-ichiro Yoshiura und Norio Niikawa von der Universität Nagasaki Glauben schenken darf, damit zusammenhängen, dass die Völker Ostasiens sich durch an das bei ihnen herrschende kalte Klima anpassten.

vim
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