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Evolution: "Crazy Beast" lebte zur Zeit der letzten Dinosaurier

Als die letzten Dinosaurier über die Erde streiften, gab es auch schon Säugetiere. Bisher wurde vermutet, dass sie alle winzig waren, nicht größer als Mäuse. Doch es gab auch das "Crazy Beast".

Der Saurier Thanatotheristes degrootorum in einer künstlerischen Darstellung

Bei Dinosauriern (Symbolbild) galt das "Crazy Beast" vermutlich als Delikatesse

AFP

Amerikanische Forscher haben einem 66 Millionen Jahre alten Fossil aus Madagaskar eine Reihe von Geheimnissen entlockt. Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Zeit, als die letzten Dinosaurier auf der Erde lebten.

Bislang, so heißt es in Medienberichten zu der Studie, sei man davon ausgegangen, dass Säugetiere in jener Ära sehr klein waren – nicht größer als Mäuse. Doch das prähistorische Tier, das bereits 1999 auf dem Inselstaat vor der afrikanischen Südostküste gefunden und nun genauer untersucht wurde, sei wesentlich größer gewesen und weise zudem sehr merkwürdige Körpermerkmale auf.

Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler um den Paläontologen David Krause vom Denver Museum of Nature am Mittwoch im Journal "Science".

Demnach sah jenes Tier ein bisschen aus wie ein Opossum – zuweilen wird es auch mit einem Dachs verglichen. Es sei für seine Zeit sehr groß gewesen – das untersuchte Exemplar wog etwa drei Kilo. Vermutlich war es bei seinem Tod nicht ganz ausgewachsen, vermuten die Forscher.

Forscher nennen das Tier aus Madagaskar  "Adalatherium hui"

Sie nannten das Wesen "Crazy Beast" oder "Verrücktes Tier" wegen seiner seltsamen Anatomie, heißt es in den Berichten weiter. Der wissenschaftliche Name "Adalatherium hui" wurde aus der madagassischen und der griechischen Sprache kreiert. Jenes Urzeit-Tier sei etwa 100 Mal größer gewesen als andere Säugetiere seiner Zeit. Es habe zudem einen seltsamen Körperbau – die Forscher seien sich nicht sicher, wie es sich fortbewegt habe oder wie sein Gang aussah.

So seien die Vorderbeine, wie bei anderen Säugetieren, unter den Körper platziert gewesen. Die Hinterbeine jedoch waren wohl etwas nach außen gespreizt - ähnlich wie bei Reptilien. Vielleicht sei das "Crazy Beast" ein bisschen wie eine Echse durchs Leben geschlendert, vermuten die Wissenschaftler.

Alles andere als "crazy" war die Ernährung von "Adalatherium hui". Das Tier futterte - ganz nager-mäßig - Grünzeug.

Die Forscher vermuten zudem, dass es Erdlöcher gegraben habe – in der Schnauze habe man Hinweise auf sehr empfindliche Nerven gefunden. Auch in dieser Hinsicht erinnere das Tier an moderne Nager.

Wahrscheinlich tat das Tier gut daran, sich möglichst im Erdreich zu verstecken – denn es diente womöglich Dinosauriern, Krokodilen und Riesenschlangen als Nahrung, die in jener Zeit ebenfalls auf dem prähistorischen Riesenkontinent Gondwana lebten, der Heimat des "Crazy Beast".

Doch der Großkontinent auf der südlichen Hemisphäre fing schon zu Lebzeiten von "Adalatherium hui" an, auseinanderzubrechen. Madagaskar, die Heimat des "Verrückten Tiers" sei bereits abgespalten gewesen, so die Forscher. Es mag daher sein, dass sich die Körpermerkmale auch wegen der Isolation auf der Insel so einzigartig herausgebildet hätten. Moderne Erdteile des Ur-Kontinents Gondwana sind heute unter anderem Südamerika, Afrika und Australien.

Vor etwa 45 Millionen Jahren seien "Adalatherium hui" und seine Verwandten schließlich ausgestorben. Jene urzeitlichen Tierarten haben heute, so die Forscher, keine Nachfahren, kein heutiges Tier sei mit ihnen vergleichbar. Auch das macht das "Crazy Beast" so besonders.

Quellen: "Nature", BBC, Reuters, "New York Post"

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