Pandemie-Gefahr Deutsche Krankenhäuser nicht gerüstet


Medizinermangel, falsches Sparen, unzureichende Katastrophenvorbereitung: Die deutschen Krankenhäuser sind nach Ansicht der Bundesärztekammer für eine weltweite Grippe-Epidemie nicht ausreichend gerüstet.

"Im Falle einer Pandemie - etwa in der Dimension der Spanischen Grippe von 1918 - werden die Versorgungskapazitäten nicht ausreichen", sagte Hauptgeschäftsführer Christoph Fuchs am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Er verwies auf den von Ärzteverbänden vielfach kritisierten Medizinermangel in den Kliniken. "Da haben wir keine Reserven mehr", sagte er. Im Falle einer Pandemie würden die Krankenhäuser ziemlich rasch überbeansprucht sein und Beatmungsplätze knapp werden.

"Die Planungen für den Ernstfall können nicht nur am Reißbrett laufen"

Die mangelnden Ressourcen beruhten vor allem auf Fehleinschätzungen der Vergangenheit. "Die Vorbereitungen auf Katastrophen in Deutschland wurden aus fiskalischen Gründen zurückgefahren", kritisierte Fuchs. So habe es zu früheren Zeiten beispielsweise mobile Versorgungslazarette gegeben, die eingemottet worden seien. Zudem hätten in den 80er Jahren regelmäßig Katastrophenschutzübungen stattgefunden. Diese Tradition müsse wiederbelebt werden. "Die Planungen für den Ernstfall können nicht nur am Reißbrett laufen", warnte Fuchs. Neben antiviralen Medikamenten müsse in den Krankenhäusern auch Schutzkleidung in ausreichender Menge eingelagert werden.

Auch der Vorsitzende des Klinikärzteverbandes Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, verwies auf den schon jetzt spürbaren Ärztemangel in den Krankenhäusern. Wegen schlechter Arbeitsbedingungen flüchteten immer mehr deutsche Ärzte ins Ausland, wo oft besser verdient werde. Für den Fall einer Pandemie sehe er große Schwierigkeiten auf Deutschland zukommen, sagte Montgomery Reuters.

Bereits 90 Tote durch H5N1 in Asien

Experten fürchten, dass das bisher nur unter Tieren sowie von Tier zum Menschen übertragbare Vogelgrippe-Virus eine weltweite Pandemie mit Millionen von Toten auslösen könnte. Dazu müsste es jedoch so mutieren, dass eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich wird. In Asien sind an dem H5N1-Virus seit 2003 mehr als 90 Menschen gestorben, die sich bei Vögeln angesteckt haben. In Deutschland wurde der gefährliche Erreger bisher bei mehr als 170 Wildvögeln sowie bei drei Katzen und einem Steinmarder nachgewiesen.

Thorsten Severin/Reuters Reuters

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