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"Die Diagnose" Eine Frau leidet 38 Jahre an Nasenbluten – "Die Diagnose" klärt weitere spannende Krankheitsfälle auf


Heute startet die fünfte Staffel des Podcasts "Die Diagnose". Im Interview stellt die stern-Medizinredakteurin Anika Geisler die außergewöhnlichsten Fallgeschichten der Mediziner vor.

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Frau Geisler, heute beginnt die fünfte Staffel der Podcast-Reihe "Die Diagnose", in der Ärztinnen und Ärzte außergewöhnliche und rätselhafte Fälle vorstellen. Mit welchem Fall geht die neue Staffel los?

Mit dem einer Frau, die seit sage und schreibe 38 Jahren immer wieder an Nasenbluten leidet. Meist kam das Nasenbluten bei ihr ein bis zweimal am Tag und dauerte zwischen 15 und 90 Minuten. Aber: Weil auch die Mutter der Patientin immer Nasenbluten gehabt hatte, war das für die Frau nichts Ungewöhnliches. Sie hatte es einfach immer so hingenommen und erduldet. 

Warum ging sie dann doch zum Arzt?

Sie hatte im Laufe der Jahre einen Hirnabszess, also eine Eiteransammlung im Gehirn, und später einen Schlaganfall erlitten. Nun sollte sie sich einer Operation unterziehen und suchte einen Spezialisten auf. Im Podcast erklärt dieser Arzt, wie das Nasenbluten mit dem Hirnabszess und dem Schlaganfall zusammenhängt. Und was das Ganze mit kleinen, roten Punkten auf der Haut zu tun hat – auch ein typisches Zeichen für die Krankheit, die hinter alledem steckt.

Welche spannenden Fälle kommen in der Staffel noch dran?

Einmal geht es um eine Frau, die seit Jahren ein Flattern im Brustkorb spürt, wenn sie abends im Bett liegt. Sie beschreibt das Gefühl, als würde in ihrer Brust "ein Kind schluchzen". Mehrere Ärzte hatten das als psychisches Phänomen abgetan. Der Experte, der die Fallgeschichte erzählt, untersucht die Patientin noch einmal sehr gründlich, horcht sie ab und findet heraus, dass es sehr wohl eine körperliche Ursache gibt. 

Kommt eine gründliche körperliche Untersuchung in vielen Praxen zu kurz?

Ja, das stimmt leider oftmals. Und das gilt auch für Krankenhäuser: In einer anderen Fallgeschichte kommt eine Patientin in die Klinik, alles scheint klar zu sein: Herzschwäche. Das wurde schon früher zweimal in anderen Krankenhäusern festgestellt und scheint auch nun der Grund für die geschwollenen Beine und die Luftnot der Frau zu sein. Der Mechanismus: Das Herz pumpt nicht mehr richtig, Flüssigkeit staut sich im Gewebe zurück, die Beine schwellen an und Wasser drückt auf die Lunge. Als ein Arzt die Frau von Kopf bis Fuß untersucht und dabei auch den Bauch ansieht, entdeckt er, dass dieser sehr prall und ausladend ist. Letztlich findet er heraus, dass die Ursache für die Symptome im Bauchraum liegt. Da hatte aber vorher niemand so genau hingeguckt. Die Ärzte waren immer wieder auf die falsche Schiene bei Diagnose und Therapie geraten – weil ja alles so klar zu sein schien. Am Ende wurden bei der Patientin zehn Liter Flüssigkeit aus dem Bauch geholt. Danach ging es ihr schnell besser. 

Manchmal geht die Diagnose auch blitzschnell, wie ein weiterer Fall zeigt.

Ja, die Ärztin erkannte sie buchstäblich auf den ersten Blick – schon als sie die Patientin im Wartezimmer sitzen sah. Nur: Allen anderen, den Verwandten und Freunden, den Ärzten am Heimatort sowie der Patientin selbst, waren die augenfälligen Veränderungen gar nicht aufgefallen, weil sie so schleichend vonstatten gingen. Das ist so ähnlich, wie wenn man als Eltern seine Kinder jeden Tag sieht. Es fällt einem nicht auf, wie sie wachsen. Erst wenn Oma und Opa zu Besuch kommen, sagen sie: Meine Güte, seid ihr groß geworden!

Was sah man denn bei der Frau Auffälliges?

Sie hatte stark vergröberte Gesichtszüge und extrem große Hände. Später kam auf Nachfrage heraus: Ihre Schuhgröße hatte um zwei Nummern zugenommen. Bei anderen Betroffenen passt beispielsweise der Ehering nicht mehr und muss mehrfach geweitet werden, oder der Hut wird zu klein. In dieser Fallgeschichte erklärt die Ärztin, welche Krankheit dahintersteckt und was das Ganze mit Beschwerden wie Kopfschmerzen, starkem Schwitzen, Atemaussetzern im Schlaf und Begleiterscheinungen wie Diabetes, Bluthochdruck und einer vergrößerten Zunge zu tun hat. Die Patientin wurde therapiert und einige Monate später sagte sie den schönen Satz: "Ich fühle mich nach langer Zeit endlich wieder in meinem Körper zuhause!"

Seit 38 Jahren Nasenbluten

Die neue Staffel beginnt mit einem besonders spannenden Fall: Eine Frau leidet seit 38 Jahren an Nasenbluten – und das zweimal am Tag. Im Verlauf der Jahre wird auch ein Gehirnabszess festgestellt und sie erleidet einen Hirninfarkt. Als endlich erkannt wird, wie all diese Beschwerden und Erkrankungen miteinander zusammenhängen, soll ein Teil ihrer Lunge entfernt werden. Doch ein Experte weiß einen anderen Weg und bewahrt die Patientin vor einer solchen Lungen-OP.


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