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Professor Volker Sturm: "Wir gehen in die Tiefe des Gehirns. Wir gehen richtig rein" !!SPERRFRIST!!: 29.11.07

Er zieht Stromkabel durch den Kopf. Er beschießt mit Elektroden das Gehirn. Bricht er Tabus? Geht er zu weit? Professor Volker Sturm ist für viele Leidende die letzte Hoffnung - etwa für Parkinson- und Zwangskranke, für Depressive. Seine Eingriffe ins Gehirn - sind sie Eingriffe in die Seele?

Von Arno Luik

Professor Volker Sturm, Chef der neurochirurgischen Universitätsklinik in Köln, sitzt am Operationstisch. Vor ihm unter Tüchern, steril verpackt, nur der kahl rasierte Hinterkopf ist zu sehen, liegt eine Frau. Sie ist 71 Jahre alt, seit einem Vierteljahrhundert leidet sie an Parkinson. Die Medikamente, die sie über viele Jahre einnahm, haben ihre Wirkung verloren. Nur noch mit Trippelschritten kann sie gehen, oft schüttelt es sie hemmungslos, sie stürzt und fällt, absolut hilflos. Vor ein paar Monaten hat sie sich zu einer Hirnoperation entschlossen. Sie lässt sich nun einen Schrittmacher tief ins Gehirn pflanzen. Der wird künftig elektrische Impulse ins Nervengewebe schicken. Nach diesem Eingriff, sagt Professor Sturm, der in den vergangenen zehn Jahren mehr als 1000 Gehirnoperationen hinter sich gebracht hat, wird sie von fast allen Parkinson-Symptomen befreit sein.

Die Frau liegt auf dem OP-Tisch, auf ihrem Kopf, fest angeschraubt, sitzt ein Stahlring, der sogenannte Stereotaxiering, an ihm sind spitze Instrumente installiert, alle zielen auf den Schädel, den die Patientin nicht bewegen kann: Bei der Operation geht es um Millimeter. Die Patientin ist bei Bewusstsein, das muss sein, sie muss sogar reden - so kontrolliert der Chirurg, ob er Fehler macht, Nervenzellen beschädigt. Vorsichtig befestigen Sturms Kollegen Kabel an der Kranken, stöpseln Messgeräte ein, die OP-Lampen erglühen, Sturm zieht eine Spritze auf, sagt: "Ich werde Sie jetzt lokal betäuben, es tut weniger weh als beim Zahnarzt." Dann, ganz rasch, schneidet er mit dem Skalpell die Kopfschwarte auf, klappt sie zurück, trocknet das hervorquellende Blut, greift zum Bohrer, setzt ihn auf die Schädelwand und fragt seine Patientin: "Wie geht es Ihnen?" Sanft brummt der Bohrer, und als er durch die Schädeldecke bricht, macht es "plopp".

Mit erschrecktem Staunen sieht man, wie Sie Kabel durch das Gehirn ziehen - das Gehirn!

Es sieht vielleicht mittelalterlich aus, vielleicht sogar schrecklich, dieser Zielring, der Bohrer, die Zangen. Aber was wir hier machen, ist ein hochtechnisierter Eingriff. Am Computer rechnen wir aus, wie wir unsere Sonden zu verlegen haben. Ich finde diesen Eingriff weniger beängstigend als eine Behandlung beim Zahnarzt, für mich hat diese Operation keinen Schrecken, denn ich weiß: Ich helfe den Patienten.

Diese zwei Kabel, die Sie vorhin in den Kopf Ihrer Patientin schoben, schienen ewig lang.

Sie waren acht Zentimeter lang, wir gehen mit den Sonden wirklich in die Tiefe des Gehirns, wir gehen richtig rein. Der Zielpunkt war der subthalimische Nucleus, ein Ding, gerade so groß wie eine kleine Erbse. Dort, vereinfacht gesagt, ist das Hirn aus der Bahn geraten, dort platzieren wir unseren Störsender, und dort bringen wir die Nervenzellen mit elektrischen Impulsen zur Vernunft.

Das Gehirn besteht aus 100 Milliarden Nervenzellen, aber Sie hören sich an, als ob Sie die zur Seite schieben - wie Spaghetti auf dem Teller -, um dort hinzukommen, wo Sie hinmüssen.

Wenn Sie so wollen, bin ich ein Klempner, ein Elektriker, der Kabel verlegt durch ein kleines, acht Millimeter breites Bohrloch.

Ihre Patientin sagte während der Operation: "Ich habe keine Angst, Herr Sturm, Sie sind ja ein Künstler!"

Nein, ich bin ein Handwerker, der viel bei seiner Arbeit denkt und eine ruhige Hand braucht. Es geht um Zehntelmillimeter. Ich darf keine Blutgefäße verletzen – jede Abweichung, ein kleiner Rutscher können schwerste Schäden hervorrufen, eine Hirnblutung könnte tödlich sein.

Ist Ihnen so etwas schon mal passiert?

In den letzten Jahren gab es überhaupt keine Komplikationen. Die Technik hat sich rasant weiterentwickelt. Aber vor 25 Jahren machten wir am Hirn Operationen, die mir heute, ja, leid tun. Ich hatte in Heidelberg damals ein Verfahren entwickelt, wie man einen Wasserkopf behandeln kann, es war absolutes Neuland, aber wir hatten große Erfolge. Eines Tages kam ein junges Mädchen zu uns. Ich habe es operiert und sagte: Wir müssen das Loch im Kopf größer machen, sonst kann ich nichts für sie tun. Es war wie beim Autofahren; im Rückspiegel, da gibt es einen toten Winkel. Es war das erste Mal in der Welt, dass wir dann so mit dem Endoskop reingegangen sind, wahrscheinlich hatte noch nie jemand zuvor so in das Gehirn geschaut. Ich gehe also rein, plötzlich sehe ich nur noch Blut, Blut überall - wir haben blitzschnell Schläuche gelegt, um das alles rauszulassen. Und es ging gut. Nach drei Wochen war das Mädchen topfit. Aber plötzlich hat sie eine Nachblutung bekommen, und sie ist daran gestorben. Ich habe monatelang gebraucht, um über ihren Tod hinwegzukommen. Ich habe mir Vorwürfe gemacht: War das Loch zu groß?

Sie gelten als einer der besten Gehirnchirurgen der Welt.

So sehe ich mich nicht.

Was treibt Sie? Ehrgeiz? Die Lust, Grenzen zu verschieben?

Ich hoffe nicht, dass Ehrgeiz mich treibt. Schon als Kind hat es mich zum Gehirn gezogen, diese 1.000 Gramm da oben haben mich fasziniert, und diese Faszination hat mich seither nicht losgelassen, in jeder freien Minute beschäftige ich mich mit Fachliteratur. Ich möchte Neues tun, ich suche das Neue, so ist es wohl. Wissen Sie, in meinem Fachgebiet gibt es wirklich so schreckliche Erkrankungen, aber wir wissen noch so furchtbar wenig über sie – und da möchte ich helfen. Ich möchte heilen.

Das klingt sehr edel.

Es ist einfach so: Ich fühle mich verpflichtet zu helfen. Manchmal wünschte ich, ich wäre 20 Jahre jünger und hätte mein Wissen und die Erfahrung von heute! Es passieren in der Gehirnchirurgie so spannende Dinge, so großartige Fortschritte! Wir werden bald Krankheiten behandeln können, die heute noch eine Geißel sind. Wir arbeiten an verbesserten Schrittmachern, suchen nach sanfteren Methoden, versuchen etwa bei Epilepsie das Hirn so umzuprogrammieren, dass es verlernt, epileptisch zu reagieren. Der Gedanke, dass ich bald aus dieser Entwicklung aussteigen muss ...

Sie sind 63 Jahre alt.

... ist für mich fast unerträglich. Sehen Sie, vor Kurzem noch brauchten wir für diese Parkinson-Operation zehn Stunden, heute schaffen wir das in zwei, drei Stunden. Wir können heute mit unseren Eingriffen Schwerstdepressiven helfen, Zwangs- und Angstkranken, wir können...

Der verstorbene Philosoph Erwin Chargaff meint, dass die Mediziner unendlich viel versprechen. Aber der Mensch solle bescheidener werden, zum Menschsein gehöre das Schicksal. Keine Medizin, kein Arzt könne das heilen, Krankheiten müsse man akzeptieren: "Ohne Schmerz, Leid und Trauer ist man kein Mensch!"

Ja, ja, so kann man reden und reden. Zu mir aber kommen Verzweifelte. Parkinson-Geplagte im Endstadium ihrer Krankheit. Sie sind total steif, dann, von einer Sekunde auf die andere, hampeln sie rum wie Hampelmänner, dann sind sie wieder eingemauert in ihre Krankheit, absolut bewegungslos. Die Menschen, die ich behandle, leiden in einem Maße, wie Sie sich das nicht vorstellen können.

Und das rührt Sie an?

Ja. Ständig. Es tut weh, Zwangskranke in ihrer absoluten Hilflosigkeit zu sehen, Menschen, denen keine Tabletten und Therapien mehr helfen können - nur ein Eingriff in das Gehirn.

Henry Perowne, der Held in Ian McEwans Roman "Saturday", ist Neurochirurg. Für ihn ist eine Operation im Gehirn "wie reines Glück". Fast "ein bisschen wie Sex".

Wie bitte?

Perowne genießt seine Arbeit auch, weil der Eingriff so schwierig ist, weil ständig Gefahr droht.

Ich operiere nicht aus Lustgewinn! Freude gewinne ich aus dem Wissen, dass es den Patienten nach so einer Operation um Klassen besser geht.

Sie haben sicherlich viel Schmerz erlebt.

Ja. Das alles ist auslaugend. Ein Stress ist auch immer diese Entscheidung, ob man operiert oder nicht. Und Schmerz kommt an Sie vor allem dann heran, wenn es Kinder betrifft.

Wie alt war Ihr jüngster Patient?

Er war eineinhalb Jahre alt, er hatte einen Tumor. Das tut Ihnen weh, aber Sie dürfen sich vom Mitgefühl nicht übermannen lassen. Sie müssen handeln. Sie müssen gut sein. Also bleiben Sie kühl beim Operieren, schieben alles zur Seite. Sie waren vorhin bei einer Operation dabei und ...

Sie wirkten sehr ruhig, entspannt, gelassen.

Ja? Ich war aber in meine Arbeit versunken, 100 Prozent auf die Operation fixiert.

Wie entspannen Sie sich?

Ich komme meistens erst spät nach Hause, selten vor zehn Uhr. Früher bin ich gejoggt, aber ich habe jetzt Probleme mit dem Fußgelenk. Also mache ich nun etwas, was die Sprunggelenke nicht belastet. Ich boxe. Ich habe mir einen Sandsack gekauft, und auf ihn schlage ich ein, denke dabei an nichts. Nach einer Stunde fühle ich mich wie neugeboren. Ist Ihnen bei der Operation vorhin aufgefallen, was mich wirklich gefreut hat?

Nein.

Nach zwei Stunden OP sagte die Patientin plötzlich: "Mein Mann ist oben auf dem Flur, er macht sich sicher Sorgen um mich. Sagen Sie ihm doch, dass es mir gut geht!" Da liegt diese alte Frau vor Ihnen, die OP ist ein Riesenstress für sie, aber sie macht sich Sorgen um ihren gesunden Mann! Das ist das Wunderbare am Menschen - diese Fähigkeit zum Mitgefühl.

Zu Ihnen kommen Kranke, die, wie es in der Fachsprache so brutal heißt, "austherapiert" sind.

Ja, das sind traurige Fälle. Zum Beispiel die Zwangskranken. Wenn Sie Ihr Auto abschließen, drehen Sie sich einmal um, um zu schauen, ob das Licht aus ist. Wenn Sie das zweimal machen, ist es auch noch okay. Aber es gibt Menschen, die drehen sich 50-, 100-mal um, hintereinander. Sie wissen genau, dass das sinnlos ist, aber sie können nicht anders, und wenn man sie unterbricht, schafft das in ihnen eine kolossale Angst. Ich hatte hier eine junge Frau, Mitte 20, die hatte einen Waschzwang, vier Stunden brauchte sie zum Duschen, ihre Haut war kaputt, alles wund gescheuert, aber wenn man sie beim Duschen unterbrach, baute sich in ihr das Gefühl auf, die Welt würde untergehen.

Und dann greifen Sie in ihren Kopf ein - schießen Strom durch das Gehirn, und alles ist gut, schwuppdiwupp.

Nein, nichts geht bei uns so leicht. Wir können positiv in die Erregungsabläufe eingreifen. Und wenn danach die Kranken wieder normal agieren, schafft das eine unglaubliche Freude.

Es macht Spaß, Gott zu spielen?

Nein, wir haben eine Technik zur Hand, die wir sinnvoll einsetzen können. Heilen – das ist das Wort. Heute war eine 19-Jährige bei mir. Vor zwei Jahren war sie noch völlig gesund, plötzlich bekam sie Krämpfe in der Hand, dann konnte sie nicht mehr schreiben, es wurde immer schlimmer, jetzt hat sie so schlimme Muskelverkrampfungen, dass sie nur noch gebeugt daliegen kann. Sie hat einen Blasenkatheter, weil sie nicht mehr zur Toilette kann, sie muss gefüttert werden. Aber sie ist geistig voll da. Das ist für sie eine unendliche Qual, sie ist ständig traurig.

Und Sie sind ihre letzte Hoffnung?

Ich bin mir sicher, dass wir sie komplett hinkriegen, mit ganz schwachen Stromstößen, Impulsen, die vom Schrittmacher abgegeben werden, auf einer Frequenz von 130 Hertz. Sie hat noch ein bisschen Angst vor dem Eingriff in den Kopf, sie möchte noch ein paar Tage Bedenkzeit.

Das verstehe ich: So eine Operation am Kopf ist ja etwas Besonderes, etwas anderes als das Schienen eines Beines.

Ja sicher. Wir arbeiten im Schaltzentrum des Menschen, an der Verbindungsstelle zwischen Geist und Körper.

Der Gießener Soziologieprofessor Helmut Dubiel, der an Parkinson leidet, hat sich bei Ihnen Sonden einsetzen lassen. Er ist von der Operation erschrocken, meint, die Wissenschaft stehe nun am Rande "eines neuen Zeitalters. Man kann die Menschen elektronisch steuern, manipulieren - und ich fürchte, der Mensch hat noch keine kulturelle oder ethische Kompetenz, um mit dieser raffinierten Technologie umzugehen".

Ich hinterfrage ständig, was ich mache, und ich freue mich, wenn Soziologen, Philosophen und Theologen sich einmischen. Es geht um Ethik. Und um Hilfe. Zu uns kommen Menschen, die am Ende sind, für die es keine Alternative gibt, die keine Freude mehr am Leben haben, die nur noch Gequälte sind. Wir bringen Menschen, die an den Rollstuhl oder ins Bett gefesselt sind, wieder zum Laufen - mit der Gehirnstimulation.

Man kann es auch so sagen: Sie vergreifen sich dafür am Innersten des Menschen, seiner Intimstsphäre!

Wir vergreifen uns nicht, und wir verändern seine Identität nicht. Wir greifen, ganz selektiv, in ein paar Regelkreise ein, feuern mit Elektroden gegen Elektroden, die Leid verursachen. Wir machen nichts kaputt, und das Wunderbare ist: Unseren stereotaktischen Eingriff kann man rückgängig machen, also ungeschehen. Dies ist auch für mich die Legitimation, immer weiterzugehen.

Visionäre unter den Gehirnchirurgen träumen vom großen Wurf, dem großen Markt, dem ganz großen Geschäft: Psychotiker, Diabetiker, Magersüchtige, Depressive - ihnen allen kann geholfen werden. Mit Mikrochips, Stromstößen fürs Gehirn.

Ja, es gibt einen riesigen Bedarf, das stimmt. Aber egal, wie wir uns mühen, wir werden nie alle Leiden abschaffen können. Außerdem sind diese Operationen enorm kompliziert, extrem aufwendig.

Vielleicht ist es ja dennoch bald so: So wie man heute schiefe Zähne richten oder den Busen vergrößern lässt, kann man morgen das Gehirn nachrüsten, das Gedächtnis auffrischen, so wie man heute das Herz verpflanzt, macht man es morgen mit dem Hirn.

Vielleicht sind wir mit unseren Möglichkeiten tatsächlich an einer Kante angelangt. Ich sage: Nur wer krank ist, soll behandelt werden. Aber das Hirn wird man nie verpflanzen können, es ist zu komplex.

Es gibt aber Wissenschaftler wie den Amerikaner Ron McKay, der fast alles für machbar hält, und er tönt: "Wir sind besser als Gott!"

Er ist ein guter Wissenschaftler, ich kenne ihn. Aber dieser Satz ist dumm und unglaublich anmaßend. Aus den USA kommen manchmal gefährliche Ideen, einige kranke Gehirne dort denken ja ernsthaft darüber nach, Genies zu züchten. Man muss wirklich aufpassen, dass die Technik nicht in falsche Hände gerät. Fortschritt hat stets etwas Janusköpfiges, etwas Zweischneidiges. Mit einem Skalpell können Sie Wunderbares schaffen, Sie können aber auch morden.

Das amerikanische Verteidigungsministerium finanziert Forschungen, um Helme zu entwickeln, die mit Stromstößen gezielt ins Gehirn der Soldaten eingreifen: um Ängste abzubauen, Zurückhaltung abzulegen, um Konzentration zu schaffen.

Das ist kriminell. Nur glaube ich auch, dass, allen Forschungen zum Trotz, das Hirn sich Geheimnisse bewahrt. Je mehr ich mich mit dem Hirn beschäftige, desto bescheidener werde ich.

Der griechische Arzt Hippokrates, der um 400 vor Christus lebte, war der Meinung, „dass das Gehirn im Menschen die größte Macht hat“. Von nichts anderem rühre unsere Freude, unser Entzücken, Lachen, Vergnügen, auch Kummer und Schmerz, Angst und Trauer her, unser Denken, unsere Furcht und die Sorgen, unser Wissen, was gut und was schlecht sei.

Das sagt alles. In Schillers "Wallenstein" heißt es: "Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit." Großartig. Das Gehirn ist das komplexeste Organ im Universum, unfassbar komplex. Es besteht aus 100 Milliarden Nervenzellen, jede Zelle hat bis zu 10.000 Kontaktmöglichkeiten. Das überschreitet unser Denkvermögen, und es ist spannend, wie dieses Organ über sich denken und sich stets weiterentwickeln kann.

Wundersam ist es doch, wie aus einer feuchten Materie, einem ein Kilo schweren klebrigen Klumpen Bewusstsein, Gedanken, Immaterielles entstehen kann.

Wie das passiert, wird niemand - auch nicht in 100.000 Jahren - erklären können. Wir werden diesen neuronalen Code nicht knacken. Wir sind nicht so konstruiert, dass wir die letzten Geheimnisse lüften können. Wir sind zwar fantastisch, klug, und wir lernen viel, wir entschlüsseln biochemische Vorgänge, Regelkreise, wir wissen immer besser, wie geliebt, gerechnet, gefühlt wird, wir wissen, welche hormonellen Reaktionen beim Sex ablaufen, wie dann bestimmte Hirnareale große Mengen an Dopamin abfeuern. Aber wir verstehen noch lange nicht, was innen wirklich vor sich geht. Was uns in die Lage versetzt, über uns nachzudenken.

Sie schwärmen.

Sicher! Mir gefällt das Hirn, auch ästhetisch, seine Form und wie es sich anfühlt – früher, bei großen Operationen hat man Tumoren mit den Fingern entfernt, weich wie Eiweiß ist das Hirn. Und dieses Ding kann, was Tiere nicht können, über Dinge nachdenken, die außerhalb von uns liegen. Und wir können uns durch unseren Willen mehr oder weniger im Griff haben, uns kontrollieren. Wir können über unsere angeborene Hardware, unsere programmierten Verhaltensmuster hinausgehen.

Nun gibt es Wissenschaftler wie Wolf Singer oder Gerhard Roth, die sehen das anders, die sagen: Freier Wille? Den gibt es nicht! Das Ich? Die Psyche? Das eigene Selbst? Nichts als ein Selbstbetrug! Sie sagen: Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, dass du denkst. Für sie ist alles ein Spiel der Neuronen und Nukleotide, alles ist vorbestimmt.

Sie mögen das so sehen, ich sehe das anders. Ich glaube, Singer, Roth und all die Biologisten wie etwa Manfred Spitzer aus Ulm, der knallhart sagt, es gibt keine freie Entscheidungsmöglichkeit, machen den gleichen Fehler wie die Kirche im Mittelalter. Damals waren alle Fakultäten der Theologie unterstellt, und das eigentliche Ziel jeder Forschung war: der Gottesbeweis. Und heute soll ähnlich dogmatisch bewiesen werden, dass es keinen freien Willen gibt. Wir sind aber keine Ratten. In Vielem unterscheiden wir uns tatsächlich nur marginal von der Ratte. Aber was uns zu etwas anderem macht, ist die explosionsartige Entwicklung der vergangenen 800.000 bis einer Million Jahre, da hat sich das Stammhirn massiv entwickelt – und damit die Fähigkeit, unsere Handlungen zu kontrollieren. Es gibt ein Ich. Und unser Wille, sage ich, ist frei. Unser Hirn ist viel mehr als ein Supercomputer.

Ist es vielleicht der Ort, wo - wenn es denn so etwas geben sollte - die Seele sitzt?

Ich glaube, dass es eine Seele gibt, als Christ glaube ich, dass wir unsterblich sind.´

Wie bitte? Bis jetzt waren Sie ein so rationaler Wissenschaftler und nun ...

Ja, vielleicht kommt das, was Ihnen irrational erscheint, von meiner Demut gegenüber der Großartigkeit des Gehirns, dieses Wunderbare lässt mich an etwas glauben, was jenseits von uns ist. Ich glaube an Gott, dessen Existenz wir nie beweisen können.

Aber wo ist sie nun - die Seele?

Für mich ist die Seele nicht irgendwo konkret im Körper - also im Herzen oder im Hirn - lokalisierbar. Die Seele - sie ist für mich die Software, die den gesamten Körper, also die Hardware, alle unsere Organe, braucht. Sie ist überall in uns.

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