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Therapie: Drei Wege zum Seelenheil: Was die Kasse bei psychischen Leiden zahlt

Sie sind an Depression erkrankt oder leiden unter psychischen Konflikten? Patienten mit einer gesetzlichen Krankenversicherung können in der Regel zwischen drei Methoden wählen, die von den Kassen anerkannt und bezahlt werden.

Psychotherapie: Was zahlt die Kasse?

Psychotherapie: Welche Methoden zahlt die Kasse?

Eine Psychoanalyse dauert oft mehrere Jahre mit mehreren Sitzungen pro Woche. Die Kassen zahlen bis zu 300 Stunden, in Ausnahmefällen sogar mehr. Nach zweijähriger Pause kann der Patient zudem weitere Stunden beantragen. Allerdings gibt es nur wenige Untersuchungen, die der Langform der Psychoanalyse eine überzeugende Wirkung zum Beispiel bei Depressionen bescheinigen. Eindeutig belegt ist der Nutzen der psychoanalytischen Kurzzeittherapie. Sie beschränkt sich auf ein klar begrenztes Problem, etwa unbewältigte Trauer oder Mobbing. Sie ist auf 40 Stunden begrenzt, sollte aber mindestens zwölf Stunden dauern, um wirken zu können. Ebenso hilft nachweislich die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Auch hier gilt es, aktuelle psychische Konflikte zu lösen. Die Vergangenheit dient lediglich als Hintergrund zur Erklärung der Beschwerden. Dauer: etwa 60 Sitzungen.

Die Verhaltenstherapie setzt sich zum Ziel, Handlungen des Patienten zu ändern. Sie erklärt eine Depression als Ergebnis nachteiliger Lernprozesse. Dem Patienten fehle positive Verstärkung durch angenehme Erlebnisse, oder er habe gelernt, dass alle Mühe nichts einbringt und er scheinbar ausgeliefert ist. Verhaltenstherapeuten wollen helfen, pessimistische Einstellungen durch realistische Alternativen zu ersetzen, wieder aktiver zu werden und mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.

Für alle drei Therapieformen gilt: Nach rund 25 Sitzungen sollte sich Linderung einstellen. Bleibt diese aus, sinkt die Wahrscheinlichkeit drastisch, dass sich der Zustand des Betroffenen im weiteren Behandlungsverlauf noch deutlich bessert. Zur Behandlung von Traumata hat sich in verschiedenen Studien die Methode EMDR bewährt, die auf eine Stimulation des Gehirns durch Augenbewegungen setzt. Die Kassen übernehmen die Kosten noch nicht grundsätzlich. Gute Therapeuten achten darauf, ihre Klienten vor der Behandlung zu stabilisieren, und sie drängen sie auf keinen Fall, über traumatisierende Ereignisse zu sprechen.



Nina Poelchau
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