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Ratgeber Alternativmedizin: Heilende Hände

Klassische Massage löst Ängste, beruhigt die Nerven und entspannt die Muskulatur. Kurz: eine Wohltat für Körper, Geist und Seele. Deshalb ist sie jeden Cent wert, sagt Alternativmedizin-Experte Edzard Ernst.

Eine wohltuende Massage entspannt auch die Seele

Eine wohltuende Massage entspannt auch die Seele

Massage gehört zu den ältesten Behandlungsmethoden, die wir kennen. Wenn wir uns irgendwo gestoßen haben, dann ist es fast ein Reflex, diese Stelle zu massieren - und die Schmerzen verschwinden schneller. Massage gibt es in allen Kulturkreisen und in den unterschiedlichsten Variationen: Fußreflexzonenmassage, Shiatsu, Lymphdrainage, Aromatherapie, Tuina, Rolfing - die Liste könnte fast endlos fortgesetzt werden.

Natürlich sind nicht alle Formen der Massage gleich zu bewerten. Manche sind sogar ziemlich dubios. Dennoch steht außer Frage, dass eine gut gemachte klassische Massage - diejenige Variante, die am besten wissenschaftlich untersucht ist und auf die ich mich daher hier beschränken werde - viele positive Effekte aufweist.

Körper, Geist und Seele

In Deutschland gilt die klassische Massage als konventionelle Therapie. Sie wird vor allem gegen Schmerzen am Bewegungsapparat eingesetzt: Sie entspannt die Muskulatur und reduziert so den Schmerz. Im angelsächsischen Sprachraum sieht man die Massage eher als eine alternative Therapie, und man hat sich seit vielen Jahren auf einen anderen Effekt konzentriert. Denn nicht nur die Muskeln reagieren auf diese Art der Berührung, sondern der ganze Organismus entspannt sich: Körper, Geist und Seele.

Das führt zu deutlichen angstlösenden Wirkungen, die therapeutisch vielfältig nutzbar sind. Insomnie-Patienten zum Beispiel können mithilfe der Massage nachts wieder Schlaf finden, Menschen, die an Angstzuständen oder Depressionen leiden, ihren Zustand verbessern. Asthmakranke können beruhigt und so von ihren Symptomen zumindest teilweise befreit werden.

Nur wenige Nebenwirkungen

Zu den meisten dieser Indikationen liegen nur sehr wenige klinische Studien vor, und die zur Verfügung stehenden Daten sind häufig nicht von allerbester Qualität. Es gibt eben keine finanzstarke, einflussreiche Lobbygruppe, die teure Untersuchungen zur Massage unterstützen würde. Daher könnte man aus Forschungssicht auch viel Kritik an den wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweisen anbringen. Aber warum? Die Massage ist eine plausible Behandlungsform, und Patienten nehmen sie sehr gut an. Nebenwirkungen bestehen so gut wie keine, und viele, recht deutliche Hinweise für ihre Wirksamkeit liegen doch vor. Insgesamt zeichnet sich also ein durchaus positives Bild ab.

Der gesunde Menschenverstand sagt mir daher, dass die klassische Massage eine Behandlungsweise ist, die man vielen Menschen empfehlen kann - selbst wenn die wissenschaftliche Beweislage nicht immer völlig überzeugend ist.

Einen Nachteil hat Massage als Langzeitbehandlung dennoch: Sie ist zeit- und arbeitsintensiv und sollte stets von gut ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden. Daher ist sie auf Dauer nicht billig. Aber letztlich meine ich doch, dass sie ihr Geld wert ist.

Edzard Ernst / GesundLeben
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