HOME

Stern Logo Rauchen - Wege aus der Nikotinsucht

Nichtraucher-Tagebuch: Endlich Nichtraucher?

Das Buch hat einen Ruf wie Donnerhall: Willst du mit dem Rauchen aufhören, dann lies "Endlich Nichtraucher!" von Allen Carr. Ich habe es getan und mir tränen immer noch die Augen.

Von Björn Erichsen

Dieser Beitrag ist für "Schroettel". Und für eine Handvoll weiterer stern.de-User, die mir bienenfleißig immer wieder einen Ratschlag unter das Tagebuch geschrieben haben: Lies endlich "Endlich Nichtraucher!". Jene millionenfach verkaufte Nichtraucher-Bibel von Allen Carr, die nach einem Nachmittag gemütlichen Schmökerns aus einem notorischen Kettenraucher einen lebensbejahenden Nikotinverächter macht. So zumindest der Ruf, der diesem Buch vorauseilt.

Als ich am 1. Mai meine letzte Zigarette geraucht habe, hatte ich einen heftigen Kampf hinter mir. Auf der einen Seite Wunsch und Willen, mit dem Rauchen aufzuhören, auf der anderen Seite fürchterliche Angst, es wirklich und endgültig zu tun. Damals habe ich viel über Nikotinsucht gelesen, auch das viel gepriesene Buch. Und ehrlich gesagt, ich fand es fürchterlich. Bei meiner Entscheidung aufzuhören hat es mir jedenfalls nicht geholfen.

Ständige Wiederholungen, nervtötende Attitüde

"Endlich Nichtraucher!" lebt von seiner radikalen Argumentation: Rauchen bringt absolut nichts, Carr hält alle Raucher für Trottel und schreibt das auch so. Wer raucht, muss absolut verrückt sein. An vielen - zugegebenermaßen recht hübschen -Beispielen wird deutlich, dass er weiß, worüber er schreibt. Inhaltlich ist da aber wenig Neues, er zählt lediglich die bekannten Argumente gegen das Rauchen auf. Und wiederholt diese gebetsmühlenartig. Die ewige Wiederkehr des Immergleichen, Psychodruckbetankung für nikotinschwangere Raucherhirne.

Die ständigen Widerholungen sind lästig, wirklich nervtötend ist aber die Attitüde des Autors. Schon beim ersten Satz der Einführung (Ausgabe 1997) musste ich schlucken. "Ich werde die Raucher dieser Welt heilen", verkündet er kurz und trocken. Ähnlich messianisch geht es weiter: Er sei der erste Mensch auf dem Planeten, der den Mechanismus der Nikotinsucht begriffen hat. Streng mahnt er an, dass man seine "Methode" - die er ständig ankündigt, aber nirgendwo konkret erläutert - exakt zu befolgen habe. Sonst scheitere man. Nach etwa 50 Seiten tränten mir die Augen.

Eher ungläubiges Staunen als Erkenntnis

Der Mann ist auf einer Mission. Dagegen habe ich nichts, vor allem wenn es gegen das Rauchen geht und er dabei so erfolgreich ist. Jedoch frage ich mich, warum derart modernes Gurutum wirklich von jeder Seite triefen muss. Ich misstraue nicht nur von Berufs wegen allzu vollmundigen Versprechungen. Und genau diesen Nerv trifft Carr bei mir. Eher ungläubiges Staunen als Erkenntnis, aktiver Widerstand statt Gefolgschaft.

Bei allem Argwohn, den ich dem Buch gegenüber entwickelt habe und hier loslasse: Ich sehe es pragmatisch. Unzweifelhaft hat Carr viele Anhänger, und auch viele User hier haben sich scheinbar mit dem Buch das Rauchen abgewöhnt - und das ist die Hauptsache. Lieber Schroettel und ihr anderen: Ich weiß, euer Ratschlag ist gut gemeint. Aber man muss sicherlich eine größere Bereitschaft mitbringen als ich, um sich auf Allen Carrs "Methode" einlassen zu können. Doch das wäre mir schwerer gefallen, als auf meine Weise mit dem Rauchen aufzuhören. Rauchfrei seit acht Wochen.

Wissenscommunity

  • Björn Erichsen