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Reiseapotheke: Gut gerüstet für Unfall, Anfall, Durchfall

Im Urlaub ausspannen und die Sonne genießen - diese Pläne finden ein jähes Ende, wenn man im Urlaub krank wird. Doch die meisten Beschwerden lassen sich schnell in den Griff bekommen: mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke.

Jeden Sommer reisen Millionen Deutsche in den Urlaub. Eine gut ausgewählte Reiseapotheke kann verhindern, dass sie bei leichten Gesundheitsbeschwerden einen Arzt oder eine Apotheke suchen müssen. Zwar hängt die optimale Vorbereitung auf eine Reise vom jeweiligen Ziel ab. Einige Gesundheitsregeln gelten jedoch immer.

Vor der Reise sollten Urlauber zunächst ihren Impfschutz prüfen. Die Immunisierung etwa gegen Tetanus, Polio oder Diphtherie sollte selbstverständlich sein, wie Burkhard Rieke vom Centrum für Reisemedizin betont. Zusätzlich empfiehlt der Mediziner bei Aufenthalten etwa in der Mittelmeerregion den Schutz vor Hepatitis A. Diese häufigste Hepatitis-Form wird meist durch verunreinigte Lebensmittel etwa Saft, Salat, nicht durchgegarten Fisch oder Meeresfrüchte übertragen. Eine erste Impfung bietet mindestens sechs Monate Schutz. Danach verlängert eine zweite den Zeitraum auf mindestens zehn Jahre.

Langsam an die Sonne gewöhnen

In die Reiseapotheke selbst gehört zunächst ein Sonnenschutzmittel. Verbrannte Haut schmerzt nicht nur, sie belastet auch den Kreislauf und erhöht langfristig die Hautkrebsgefahr. Viele Menschen, die berufsbedingt viel Zeit im Büro verbringen, können bei Reisen gen Süden gar nicht schnell genug in die Sonne kommen, um ordentlich braun zu werden. "Dann hat die Haut keine Chance, sich anzupassen", mahnt Rieke. "Man sollte langsam anfangen, sich an die Sonne zu gewöhnen."

Wichtig ist der Sonnenschutz vor allem für Kinder und Jugendliche, denn ein Sonnenbrand in jungem Alter erhöht das spätere Hautkrebsrisiko deutlich. Als Schutz empfiehlt Rieke Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor oder besser noch leichte Bekleidung: "Keine Sonnencreme erreicht einen so hohen Lichtschutzfaktor wie ein T-Shirt."

Bei Wärme steigt Infektionsgefahr

Für den weiteren Inhalt der Reiseapotheke gilt die Faustregel "Unfall, Durchfall, Anfall". Wenn es zu einem Unfall kommt, sollten Reisende Pflaster, Verbandszeug und Hautdesinfektionsmittel zur Hand haben, "damit sie nicht wegen jeder Schramme in ärztliche Behandlung müssen", sagt Rieke. Gerade in warmen Ländern steigt bei offenen Wunden die Infektionsgefahr.

Das neben Sonnenbrand häufigste Gesundheitsproblem auf Reisen ist aber Durchfall. Der ständige Drang zur Toilette ist zwar meist harmlos, schmälert die Urlaubsfreude aber dennoch. Zum Vorbeugen gilt beim Essen die alte Regel: Kochen, schälen oder vergessen. Dennoch kann auch allein schon die Umstellung auf ungewohnte Lebensmittel auf die Verdauung schlagen.

Mineralstoffverlust ausgleichen

Generell rät Rieke davon ab, den Durchfall unbedingt stoppen zu wollen. Stattdessen sollten Betroffene gegen den Verlust von Wasser und Mineralstoffen Zucker- und Salzlösungen einnehmen, die in Apotheken rezeptfrei erhältlich sind. "Damit stoppt man zwar nicht den Durchfall selbst, aber unangenehme Folgen wie Muskelschwäche oder Funktionsstörungen von Organen", sagt Rieke. Wer auf die Selbstreinigung des Körpers setze, werde mit einer kürzeren Dauer des Problems belohnt.

Zur medikamentösen Behandlung der Durchfall-Symptome, etwa mit dem Wirkstoff Loperamid, rät der Mediziner nur dann, wenn Toiletten schwer erreichbar sind, etwa bei längeren Busreisen. Schwangere und Kinder sollten das Mittel aber grundsätzlich nicht nehmen. Wird Durchfall von Fieber oder Blut im Stuhl begleitet, sollte man unbedingt einen Arzt konsultieren.

Problem gefälschter Arzneimittel

Mit dem Begriff "Anfall" umschreibt der Mediziner jene Beschwerden, für die ein Reisender individuell empfänglich ist, also etwa Migräne, Asthma oder eine Harnblasenentzündung. Urlauber sollten jene Medikamente dabei haben, die sie auch zuhause regelmäßig benötigen. Ein Gang zur Apotheke am Urlaubsort ist nicht nur Zeit raubend, sondern unter Umständen auch mit sprachlichen oder versicherungstechnischen Problemen verbunden. Zusätzlich weist Rieke für außereuropäische Gebiete auf das Problem gefälschter Arzneimittel hin.

Menschen mit chronischen Krankheiten sollten sich zudem vor Auslandsreisen untersuchen lassen. Weiterer Tipp: Müssen bestimmte Medikamente regelmäßig genommen werden, etwa Insulin oder das Blutverdünnungsmittel Marcumar, stellt ein Vorrat an einem gesonderten Ort sicher, dass das Präparat selbst bei Verlust eines Gepäckstücks noch zur Hand ist.

Versicherung für den Rücktransport

Aber selbst bei umfassendster Vorsorge lassen sich Erkrankungen oder Unfälle nie ausschließen. Daher empfiehlt Rieke dringend eine Auslandsreise-Krankenversicherung: Diese sollte nicht nur für die vollständigen Behandlungskosten übernehmen, sondern auch bei Bedarf einen Rücktransport.

Walter Willems/AP / AP
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